Wegen Kinderpornographie

Angeklagter muss drei Jahre in Haft

Der einschlägig vorbestrafte Kirchhundemer muss drei Jahre in Haft, für zwei Fälle der Zugänglichmachung kinderpornographischer Inhalte.

Der einschlägig vorbestrafte Kirchhundemer muss drei Jahre in Haft, für zwei Fälle der Zugänglichmachung kinderpornographischer Inhalte.

mick Siegen/Kirchhundem. Für den Mann aus Kirchhundem ist das Urteil der 1. Großen Strafkammer in Ordnung. „Ich beabsichtige nicht, dagegen Revision einlegen zu lassen“, erklärt er ein wenig steif seine Zustimmung. Staatsanwalt Johannes Giesing gab dagegen keine Erklärung ab. Er hatte ein Jahr mehr beantragt, als letztlich bei der Entscheidung herausgekommen ist.

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Der einschlägig vorbestrafte Angeklagte muss drei Jahre in Haft, für zwei Fälle der Zugänglichmachung kinderpornographischer Inhalte. In einem Fall ist diese in Tateinheit mit dem Besitz von kinder- und jugendpornographischen Fotos sowie Filmen gesehen worden. Ursprünglich waren vier Einzeltaten angeklagt, die nach einem rechtlichen Hinweis der Kammer jedoch auf zwei reduziert werden mussten. Der Sauerländer hatte 2017 ein pornographisches Hentai-Bild auf einer russischen Internet-Plattform eingestellt.

Massenhaftes Herunterladen von Videos

Anfang 2020 waren es drei weitere dieser erotischen Comics im Manga-Stil. In die gleiche Zeit des Corona-Lockdowns fällt auch das massenhafte Herunterladen von Fotos und Videos einschlägiger Art durch den geständigen Täter. Da sich im Rahmen der Beweisaufnahme nicht genau feststellen ließ, wann genau die einzelnen Taten geschahen – die Polizei hat rund 6000 Fotos und einige hundert Videos beschlagnahmt –, wird im Sinne einer neuen Entscheidung des Bundesgerichtshofes von einer Tat ausgegangen, werden die Strafanträge der Anwälte um jeweils ein halbes Jahr auf vier (Staatsanwalt) respektive drei (Verteidiger Thomas Trapp) reduziert.

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Der Angeklagte sei ein ruhiger und zurückhaltender Mensch, von dem keine direkte Gewalt ausgehe, betont Richterin Elfriede Dreisbach. Er hole sich durch das Betrachten der Dateien Glücksgefühle und Anerkennung, die er durch seine psychische Erkrankung anders nicht erlangen könne. „Er kann sich dann auch einreden, dass die Kinder alles freiwillig gemacht haben, Zwang lehnt er ab“, führt die Vorsitzende aus.

Weshalb sie die Voraussetzungen für eine Unterbringung nicht sieht, die allerdings auch nicht beantragt worden war. Der Mann aus Kirchhundem leidet seit frühester Jugend unter einer narzisstischen Störung, die mit der Pädophilie verbunden und zur Tatzeit höchstwahrscheinlich noch durch eine depressive Episode verstärkt worden sei.

Sozialgefüge zusammengebrochen

Mit Ausbruch der Pandemie sei sein mühsam errichtetes Sozialgefüge praktisch völlig zusammengebrochen. Er saß isoliert zu Hause, war aufgrund der Depressionen arbeitsunfähig geschrieben, besorgte sich ein – ihm eigentlich verbotenes – internetfähiges Gerät, „es ging alles wieder los“. Mit dem Sachverständigen Dr. Brian Blackwell nimmt das Gericht eine sehr schwere Störung an: „Wenn er einmal angefangen hat, macht es ihm seine Sucht unmöglich, wieder aufzuhören.“

Dann könne ihn nichts aufhalten, nicht einmal die Erinnerung an die vorherige Haft oder die stete Überwachung durch die Polizei. Trotz allem hatten schon Verteidiger und Staatsanwalt die Voraussetzungen einer Unterbringung jeglicher Art verneint. Die Kammer sieht dafür gleichfalls keine Veranlassung. Obwohl er bereits wegen Kindesmissbrauch inhaftiert war und nach seiner Entlassung schon einmal in ähnlicher Form wie jetzt rückfällig wurde, ebenfalls Dateien illegal herunterlud, sehen Richterin Elfriede Dreisbach und ihre Kollegen keine ernsthafte Gefahr vom Angeklagten ausgehen. Er habe an sich gearbeitet und alles vermieden, tatsächlich wieder mit Kindern in Berührung zu kommen, sie zu treffen oder sich gar in sie zu verlieben. Nach dem realen Fall vor gut zehn Jahren seien von ihm ausschließlich Fotos und Videos heruntergeladen und angeschaut worden.

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