Wie im Märchen

Wichteldorf im Wald bei Wilnsdorf

Moritz, Inga und Greta Engel (v. l.) haben im Oktober das erste Wichtelhaus am Fuße der Kalteiche gebaut. Seitdem sind zahlreiche weitere errichtet worden.

Moritz, Inga und Greta Engel (v. l.) haben im Oktober das erste Wichtelhaus am Fuße der Kalteiche gebaut. Seitdem sind zahlreiche weitere errichtet worden.

tile Wilnsdorf. Märchenhaftes tut sich im Wilnsdorfer Wald. Jogger bleiben stehen und reiben sich verwundert die Augen. Wanderer legen eine Rast ein, um zu sehen, was da am Wegesrand bunt aufleuchtet. Kinder gehen mit ihren Eltern oder Großeltern gezielt auf die Suche nach dem geheimnisvollen Ort, von dem sie gehört haben, der aber auf keiner Karte verzeichnet ist. Keine 100 Meter oberhalb des Wielandhofs am Fuße der Kalteiche wecken kleine Türchen an Baumstämmen und Wurzeln Neugier und Entdeckerlust. Wer mag hier wohl wohnen? Ein kleines Holzschild gibt Aufschluss: „Wichteldorf“. Ganz plötzlich tauchte die Siedlung auf, die binnen Kürze zu einer kauzigen Pilgerstätte für Jung und Alt geworden ist. Dass der Borkenkäfer Fichte und Waldbauern bedroht, ist bekannt. An die Auswirkung der Insektenplage für friedliche Waldgeister, daran denkt wohl kaum jemand. Greta Engel schon. Im vergangenen Herbst fragte die Siebenjährige angesichts schwindender Baumbestände und zunehmender Kahlflächen besorgt: „Mama, was machen denn jetzt die Wichtel?“ Ganz klar, dachte sich da Mutter Inga: Die putzigen Waldbewohner müssen umsiedeln – und Familie Engel hilft dabei. Im Oktober richtete das „Umzugskomitee“ das erste neue Häuschen ein. Die Tür, die sich zwischen das moosbewachsene Wurzelwerk schmiegt, hat Gretas Bruder Moritz gemacht. Der Neunjährige schnitzt und werkelt gerne. In seiner Werkstatt hat er diese erste und später weitere Türen säuberlich ausgesägt, kleine Möbel und Bänke gezimmert. Greta sorgt mit kleinen Fimo-Pilzen, -Kränzen und Co. für liebevolle Details. „Eigentlich sollte nur ein kleines Dörfchen rund um einen Stamm entstehen“, erklärt Inga Engel. Aber schnell war klar, dass ihre beiden Städtebauer Größeres im Sinn hatten. Eine Woche später stand die Waldklinik am nächsten Baum, die Woche drauf folgte die Wichtelschule.

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Wichtel im Wald sind ein Familienprojekt

 Familie Engel ist oft im Wald. Gerade in der Pandemie kann sie hier abschalten. Mit dem Wichteldorf wollte sie einen „coronafreien Ort“ schaffen. „Man muss das Beste aus der Situation machen“, sagt die Wilnsdorferin. Zum Beispiel mit Kreativität. Aber warum gerade Wichtel? Seit 2016 gehört eine Wichteltür zur Weihnachtstradition im Hause Engel, Mama Inga hat immer viele Geschichten über Wichtel vorgelesen. Das hat die Fantasie der Kinder beflügelt. Sicher, Viertklässler Moritz ist eigentlich schon zu cool für solchen Märchenkram, „aber ich helfe meiner Schwester“, erklärt er seine anhaltendes Wichtel-Engagement und gesteht: „Es macht Spaß.“ Noch wichtiger ist das Wichteldorf der Familie im November geworden, da befanden sich die Engels, an Corona erkrankt, in Quarantäne. Die Arbeit an ihrem Waldprojekt hat geholfen, diese Zeit zu überstehen. Da sind einige neue Basteleien für das Dorf entstanden, etwa eine Krippe. Zu diesem Zeitpunkt war das Wichteldorf in Wilnsdorf bereits in aller Munde und hatte ein „Eigenleben“ entwickelt. Andere Behausungen ohne das Label „Made by Engel“ kamen dazu, neue Wichtel schlüpften hinter Türen, Siegerland-Stones dekorierten die „Vorgärten“, ein Spielplatz spross aus dem Boden, Christbaumkugeln und Weihnachtssterne wurden aufgehängt, Kümmerer befreiten die schrulligen Häuschen vom Laub. Sogar eine Hobbit-Höhle wurde in der Nachbarschaft eingerichtet. 24 kleine Wohnstätten hat „Verwalterin“ Greta zuletzt gezählt. „Damit hatten wir nie gerechnet!“, wundern und freuen sich Greta, Moritz und Inga Engel. Mutwillig zerstört wurde bisher zum Glück nichts, nur achtsam erweitert. „Es soll ein magischer Ort bleiben“, wünscht sich die stolze Mama. Offenbar wüssten dies viele Menschen während der Pandemie zu schätzen. Daher kommen sie und ihre Kinder ein paar Mal die Woche vorbei, schauen nach dem Rechten und planen weitere Überraschungen. Welche? „Im Frühjahr treten die Wichtel zur Gartenarbeit an“, sagt Inga Engel mit geheimniskrämerischen Lächeln.

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