Wichtige Orientierung für Blinde

Wenn Sie auf diesem Streifen parken, gefährden Sie Menschen

Mittendrauf, statt nebendran. Manche Autofahrer passen nicht auf, stellen sich einfach auf das Blindenleitsystem.

Mittendrauf, statt nebendran. Manche Autofahrer passen nicht auf, stellen sich einfach auf das Blindenleitsystem.

Bad Berleburg. Bist du blind? Was mal salopp so daher gesagt wird, wenn jemand falsch parkt oder im Straßenverkehr einen Fehler begeht, hat für Sehbehinderte eine ganz andere Wirkung. Wer über den Bad Berleburger Goetheplatz schlendert, der staunt nicht nur über die Gestaltung. Vielmehr fallen diejenigen weißen Steine rundherum ins sehende Auge, die mit Rillen oder Noppen versehen sind. Das Blindenleitsystem ist eine wichtige Orientierungshilfe für die Menschen, die eben nicht oder nur wenig sehen können. Jetzt meldet sich die örtliche Bezirksgruppe Wittgenstein und Umgebung im Blinden- und Sehbehindertenverein Westfalen (BSVW) zu Wort.

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So sollte es sein: Das Leitsystem für Sehbehinderte und Blinde, wie hier am Goetheplatz, sollte komplett frei bleiben.

So sollte es sein: Das Leitsystem für Sehbehinderte und Blinde, wie hier am Goetheplatz, sollte komplett frei bleiben.

Denn immer öfter werden besagte Leitsysteme von parkenden Autos einfach zugestellt, müssen Sehbehinderte Umwege laufen oder verletzen sich sogar. „Das geschieht natürlich nicht mutwillig, sondern ohne Gedanken“, weiß Katrin Spies-Gußmann vom BSVW aus Bad Berleburg. „Das macht niemand mit Absicht. Wir wollen aber einfach mal auf das Problem aufmerksam machen.“ Denn mit Sicherheit dürfte es immer noch Bürger geben, die mit den weißen Stein-Reihen nicht viel anzufangen wissen. Schon gar nicht sind sie sich der Tatsache bewusst, dass die Blindenleitsysteme eigentlich sogar links und rechts jeweils großzügig freigehalten werden sollten. Für hochgradig sehbehinderte Menschen gibt es unterschiedliche Möglichkeiten der Hilfe im täglichen Straßenverkehr.

Das Leitsystem ist mit Noppen versehen

Der lebende Begleiter als Blindenführhund, der weiße Stock und eben das Blindenleitsystem. „Es ist jeden Tag eine neue Entscheidung, hinauszugehen ins Ungewisse, um seine Wege zu erledigen, arbeiten gehen zu können oder an Freizeitangeboten teilzunehmen“, so Katrin Spies-Gußmann. Ist der Weg mit dem Auto kurz oder sehend schnell gegangen, ist dies für blinde Menschen keine Realität. Umso schöner, wenn es ein Blindenleitsystem gibt. Das Leitsystem ist mit Noppen versehen als Aufmerksamkeitsfeld oder mit Rillen zur Richtungsangabe. Dafür gibt es feste Vorschriften, wie diese verlegt werden müssen. Mit Hilfe der Steine können Menschen mit einem weißen Blindenstock besser erfühlen, wo der Weg verläuft oder durch die Noppen erkennen, dass Vorsicht geboten ist, da sich hier eine Bushaltestelle, ein Übergang oder ähnliches befindet.

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So sollte es sein: Das Leitsystem für Sehbehinderte und Blinde, wie hier am Goetheplatz, sollte komplett frei bleiben.

So sollte es sein: Das Leitsystem für Sehbehinderte und Blinde, wie hier am Goetheplatz, sollte komplett frei bleiben.

Hochgradig seheingeschränkte Menschen orientieren sich an der Farbe, denn sie bildet meistens einen Kontrast zu den anderen Steinen. „Ist dieses Leitsystem durch Werbung, Blumenkübel, Stühle oder Tische und Autos zugestellt, wird es schwierig. Häufig muss sogar die Richtung gewechselt werden, um das Hindernis zu umgehen. Und schon ist man auf Abwegen“, erläutert Katrin Spies-Gußmann. Oft schätzen blinde und sehbehinderte Menschen die Länge der Strecke sogar anhand der Zeit ab, die dafür benötigt wird. Durch die Umwege fällt diese Orientierung aus, das Ziel wird verfehlt. Auch die Unfallgefahr erhöht sich, wenn Hindernisse auftauchen. „Wenn man ein bisschen schneller läuft, dann aber irgendetwas plötzlich im Weg steht, kann man sich auch schon mal verletzen“, berichtet Katrin Spies-Gußmann.

Wenn man ein bisschen schneller läuft, dann aber irgendetwas plötzlich im Weg steht, kann man sich auch schon mal verletzen

Katrin Spies-Gußmann

Denn eigentlich kann man auf einem Leitsystem endlich mal schneller gehen. Er ist ja frei. Ähnlich wie bei einer Autobahn. Jedoch darf nicht nur der Leitstreifen frei bleiben, sondern die gleiche Größe rechts und links vom Streifen. Das Fühlen mit einem Blindenstock beschreibt einen Halbkreis, der über das Leitsystem hinaus in die Breite geht. Bleibt man mit dem Stock an seitlichen Dingen wie Papierkörben, Autos, Fahrrädern oder ähnlichem hängen, ist man wieder Gefahren ausgesetzt. Schaden nehmen dann aber auch die Gegenstände, die dort stehen oder vor allem der Stock. „Es ist nicht selten, dass dieser kaputt geht und ein eventuelles Weitergehen unmöglich ist.“

Aufklärung beim Führerschein wäre sinnvoll

Das ist dann der Fall, wenn die Stockspitze beschädigt wird. Katrin Spies-Gußmann: „Sie kennen solche Situationen bestimmt von den nächtlichen Gängen, in denen man immer schwört, dass der Schrank gestern noch nicht da stand und die Zehe noch nie so weh tat wie jetzt.“ Damit Menschen mit einer sehr starken Seheinschränkung wieder alleine auf die Straße können müssen sie ein „Mobilitätstraining“ absolvieren, und es gibt eine Prüfung, wie bei dem Führerschein, den der Führhundhalter mit seinem Hund machen muss. Was es nicht gibt, ist die Aufklärung über ein „Blindenleitsystem“ beim Führerschein oder einen Aufklärungstag für Fußgänger und Radfahrer. So entstand unser kleiner Artikel, und wer mehr darüber wissen möchte oder für betroffene Personen Informationen benötigt, wendet sich gerne an uns. Ansonsten wünsche ich Ihnen einen schönen Herbst, und wir treffen uns, natürlich neben einem Leitsystem und genießen gemeinsam die Möglichkeiten der Ortschaften.

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