Corona zwingt Betreiber in die Knie

Goetheplatz-Café in Bad Berleburg schließt

Andrea Heuer eröffnete 2018 das Goetheplatz-Café. Jetzt muss sie es – unter dem Druck des Lockdowns in der Pandemie – schließen. Am Wochenende verkaufte sie letztmals Kuchen außer Haus.

Andrea Heuer eröffnete 2018 das Goetheplatz-Café. Jetzt muss sie es – unter dem Druck des Lockdowns in der Pandemie – schließen. Am Wochenende verkaufte sie letztmals Kuchen außer Haus.

lh Bad Berleburg. Leckerer Kuchenduft und die warme, rustikale Stube voller Leben gehören seit Sonntag im Goetheplatz-Café der Vergangenheit an. Am Samstag und Sonntag öffnete das Café ein letztes Mal seine Tür und bot Torten im Außerhaus-Verkauf an. Ab sofort bleibt der Backofen nun endgültig kalt. Bereits seit November liegt durch den „Lockdown“ die Gastronomie brach. Nach den erneuten Verlängerungen im Dezember mussten sich bereits sämtliche Restaurants, Bars und Gastronomiebetriebe vom Gewerbe zurückziehen. Dass es jetzt auch das Goetheplatz-Café in der Berleburger Oberstadt so hart treffen sollte, kann Cafébesitzerin Andrea Heuer kaum glauben: „Wir haben immer gesagt: Wenn sich bis zum 1. März nichts tut, ist hier Schluss“, bedauert sie im SZ-Gespräch. Die dauerhafte Schließung ist für das gesamte Team und besonders für die treue Stammkundschaft ein Schock, der auf persönlichem Wege und auf allen Medienkanälen des Cafés die Runde machte.

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Ersparnisse aufgebraucht

„Beim ersten Lockdown konnten alle Betriebe wenigstens noch ihre Ersparnisse nutzen, aber jetzt, im zweiten Lockdown, ist die Situation für uns nicht mehr zu packen“, erklärt Andrea Heuer. Erst vergangene Woche konnte sie kurzfristig ihren Pachtvertrag kündigen und den urigen Altbau an den Vermieter zurückgeben. Wie das Gebäude in Zukunft genutzt werden soll, ist noch unbekannt. Für Andrea Heuer ist klar: „Wenn es so weitergeht, wird es hier bald nichts mehr geben. Man wird nirgendwo mehr hingehen können“, betont sie. Neben dem Goetheplatz-Café mussten schon die Reh-Bar, die Schlossschänke und einige andere Betriebe den Dienst einstellen.

Tourismus weggefallen

Schon im Sommer, als Restaurants und Cafés unter strengen Auflagen öffnen durften, hatte das Café zahlreiche Einbußen, weil der Tourismus rund um das Berleburger Schloss und auch die Kurgäste der Reha-Kliniken größtenteils ausblieben. Auch wenn die heimische Stammkundschaft stark war und regelmäßig Kaffee und Kuchen abholte, reichte es am Ende nicht aus, um das Café vor der Schließung zu retten. Von Initiativen und Gutschein-Verkauf hielt Andrea Heuer bewusst Abstand und verzichtete auf die Hilfe durch Kunden, Freunde und Mitbürger: „Die Leute haben selbst kaum Geld durch Kurzarbeit und Stellenreduzierungen. Viele kamen am Monatsende mit abgezähltem Kleingeld zu uns an die Ladentheke. Eine Gutscheinaktion würde die Situation ebenfalls nur herauszögern“, betont die Cafébesitzerin mit Blick auf die Zukunft.

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Hilfe kam nicht an

Worüber sie sich stark entrüstet: Während große Gastronomieketten die vollständige Fördersumme erhielten, kam bei den kleinen Betrieben kaum eine finanzielle Hilfe an. Fast alle Umbaumaßnahmen und Umsetzungen für die Hygienemaßnahmen mussten aus eigener Kraft geleistet werden – genauso wie die Lebenserhaltungskosten, die in den Rettungsschirmen nicht vorgesehen waren und damit viele Betreiber in die Knie zwangen. Im Fall des Goetheplatz-Cafés bedeutet die Schließung auch gleichzeitig die Kündigung von ursprünglich 16 Angestellten, die im Café hauptsächlich auf Teilzeitbasis arbeiteten. Zuletzt waren bei Andrea Heuer noch zwei Kurzzeitkräfte beschäftigt, die sie ebenfalls entlassen musste. Besonders die Trennung des Teams macht ihr die Schließung schwer: „Wir hatten zusammen unheimlich viel Spaß und haben uns mindestens einmal am Tag in der Küche kaputt gelacht“, erinnert sie sich gerne an die Zeit zurück.

Nach 14 Jahren ist Schluss

Seit 14 Jahren hat die gemütliche Kaffeestube am Goetheplatz schon Bestand und Tradition. Die Stammkundschaft erstreckte sich über viele Städte und Orte. „Kalter Hund ist unser absoluter Bestseller gewesen. Jeden Tag ging mindestens ein ganzer Kuchen über die Theke“, berichtet die Cafébesitzerin abschließend.

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