Naturschützer vehement gegen Windkraftanlagen am Prenzenberger Kopf

Beirat sieht nur wirtschaftliche Interessen

Die Vorarbeiten für den Bau von vier Windkraftanlagen am Prenzenberger Kopf bei Arfeld sind bereits gelaufen. Anwohner befürchten, dass hier im Frühjahr weitere Fakten geschaffen werden könnten. Es sind noch mehrere Klagen zu verhandeln.

Die Vorarbeiten für den Bau von vier Windkraftanlagen am Prenzenberger Kopf bei Arfeld sind bereits gelaufen. Anwohner befürchten, dass hier im Frühjahr weitere Fakten geschaffen werden könnten. Es sind noch mehrere Klagen zu verhandeln.

Arfeld/Siegen. Den vier geplanten und vom Kreis Siegen-Wittgenstein genehmigten Windenergieanlagen der Eder Energy am Prenzenberger Kopf bei Arfeld bläst heftiger Gegenwind entgegen. Es stehen nicht nur mehrere öffentliche und private Klagen im Raum (die Siegener Zeitung berichtete ausführlich). Aktuell positioniert sich auch der Beirat der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Siegen-Wittgenstein sehr deutlich gegen den Bau der Windräder. Der Beirat tagt am kommenden Donnerstag, 25. Februar (17 Uhr), in Siegen. „Obwohl gerade Windenergieanlagen mit einer Gesamthöhe von 200 Meter auf Gebirgshöhen von bis über 600 Meter (Gesamthöhe zum Beispiel ca. 819 Meter) eine riesige Fernwirkung hinsichtlich der Sichtverhältnisse und Beeinflussung des Landschaftsbildes besitzen, beschränkt sich die Landschaftsbildbewertung des Antragstellers auf einen Untersuchungsraum von nur 3 Kilometern. Vergleicht man das Landschaftsbild mit einer Panoramaaufnahme, so setzt sich die Panoramaaufnahme aus vielen Einzelaufnahmen zusammen.“ Betrachte man diese Einzelaufnahmen insbesondere nach willkürlich gewählter Größe, gäben diese Aufnahmen sicherlich nicht die Schönheit und Einzigartigkeit wieder, die eine Panoramaaufnahme im Zusammenhang zeige.

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Schönste Landschaft – geringwertig dargestellt

Somit sei es nicht verwunderlich, dass es dadurch gelingen könne, auch die schönsten Landschaftsbilder durch Zerstückeln als geringwertig darzustellen. „Insbesondere wird in diesem Gutachten argumentiert, dass entsprechend dem relativ hohen Fichtenanteil das Landschaftsbild überhaupt nicht herausragend sein kann. Diese vermuteten negativen Auswirkungen des Fichtenwaldes auf das Landschaftsbild werden sich allerdings durch Käfer- und Trockenheitskalamitäten, auf die der Antragsteller in seinen Unterlagen ebenfalls hinweist, innerhalb kürzester Zeit grundlegend ändern; der Fichtenwald wird großflächig verschwinden und durch klimastabile Mischwälder ersetzt, die die Bedeutung des Landschaftsbildes noch weiter erhöhen werden.“

Beirat fühlt sich zu wenig beachtet

Der Beirat habe schon bei einigen Windkraftanlagen im Kreisgebiet Stellungnahmen verfasst. Hauptsächlich sei es dabei um artenschutzrechtliche Beurteilungen der Vorhaben gegangen. „Leider muss festgestellt werden, dass Einwände des Beirats bisher bei einer Genehmigung kaum eine Rolle gespielt haben.“ Festzuhalten sei, dass hier – wie schon bei anderen vergleichbaren Projekten – eine Fülle von planungsrelevanten, sensiblen Tierarten festgestellt worden sei. Dies sei nicht verwunderlich, denn der Kreis Siegen-Wittgenstein gehöre zu den waldreichsten Kreisen der Bundesrepublik und somit lebten hier gerade auch die Waldarten, deren Bestand zum Teil wichtig für den Erhalt in ganz Deutschland sei und die von Windenergieanlagen betroffen seien. „Immer wieder wird dann allerdings von Gutachtern festgestellt, dass die entsprechenden Windkraftplanungsräume zwar durchaus attraktive Lebensräume für die nachgewiesenen Arten darstellen, die Arten die Standorte durchaus immer wieder überfliegen, aber gerade da, wo die Windräder hingestellt werden sollen, keinerlei Gefahren für diese Windkraft sensiblen Tiere zu erwarten sind. Zwar werden manchmal Tiere getötet, aber natürlich nicht an den geplanten Standorten in Siegen-Wittgenstein“, findet der Beirat überaus deutliche Worte.

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Fledermaus-Schutz könnte aufgehoben werden

Allein die Raumnutzungskartierungen von Rotmilan und Schwarzstorch zeigten eindeutig, welche Bedeutung der Planungsraum für diese Arten besitze und wie oft er jetzt schon frequentiert werde. Erfahrungsgemäß könnten errichtete Windräder Rotmilane noch zusätzlich anziehen. Auf den ersten Blick beruhigend sei, dass zumindest für die Fledermäuse ein Abschalt-Algorithmus geplant werde. Allerdings sollten hier die Abschaltzeiten auf Dauer reduziert werden. Die Erfahrung zeige, dass durch diese unsichere, intransparente und höchst zweifelhafte Nachweismethode der Schutz für Fledermäuse in nachfolgenden Jahren aus wirtschaftlichen Gründen aufgehoben werden könne. „Da spielt es sicherlich auch keine Rolle, dass sich in unmittelbarer Nähe eines der bedeutendsten Winterquartiere für Fledermäuse befindet und diese Tiere das Quartier durch Migrationsflüge erreichen müssen. Wie, wo und in welcher Höhe verlaufen diese Migrationsflüge? Werden die Tiere dabei gefährdet? Warum wurde dies nicht geprüft? Verwunderlich ist auch, dass innerhalb der Windparkplanung in Siegen-Wittgenstein nie Fledermausquartiere gefunden werden.“ Leider würden auch sinnvolle Vermeidungs- und Minimierungsmaßnahmen nicht konsequent festgelegt.

Artenschutz steht hinter Wirtschaft zurück

Der Beirat legt sich in seiner Stellungnahme fest: „Die Maßnahmen in dem Antrag helfen wohl weniger den bedrohten Arten, unterstützen allerdings die wirtschaftlichen Interessen des Investors, die nicht eingeengt werden sollen. Warum ist eigentlich ein Verbot aller Bauarbeiten als Vermeidungsmaßnahme in der Hauptbrut- und Setzzeit von Mitte März bis Mitte Juli für den Investor nicht zumutbar? Warum wird der Abschalt-Algorithmus für Fledermäuse nicht für die Dauer der Stromerzeugung der Windenergieanlagen festgeschrieben?“

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