Nostalgische Zeitreise

Bad Berleburg: Historische Kutschen bilden eindrucksvolle Kulisse im Schlosshof

Durch die herbstlichen Wälder rund um Bad Berleburg führte die rund 22 Kilometer lange und knapp dreistündige Ausfahrt.

Durch die herbstlichen Wälder rund um Bad Berleburg führte die rund 22 Kilometer lange und knapp dreistündige Ausfahrt.

ll Bad Berleburg. Wenn der Schlosshof an einem gewöhnlichen Oktobermorgen seine Tore geöffnet hat und die Menschen in Scharen bei Wittgensteiner Ussel-Wetter hineinströmen, während bereits von weitem das Getrappel von zahlreichen Pferdehufen zu vernehmen ist, dann muss etwas Außergewöhnliches los sein in der Odebornstadt. So zu erleben am vergangenen Samstag, an dem sich dem geneigten Besucher vor dem prunkvollen Barock-Ambiente des altehrwürdigen Schlosses ein faszinierendes Bild ergab. 

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14 historische Gespanne in Bad Berleburg

Insgesamt 14 historische Gespanne hatten sich auf Einladung und Initiative der deutschen Sektion der AIAT (Association Internationale d’Attelage de Tradition) erstmals im weiten Rund des Schlosshofs versammelt, um von dort aus zu einer knapp dreistündigen herbstlichen Ausfahrt durch die Wittgensteiner Wälder aufzubrechen. Doch bevor sich die Kutschen auf ihre rund 22 Kilometer lange Streckenfahrt – inklusive gemütlicher Mittagspause im Wald – begaben, präsentierten sie sich noch den staunenden Blicken der über 100 Schaulustigen. Diese dürften sich angesichts der historischen Vehikel und der entsprechend stilvollen Kleidung der Teilnehmer wie auf einer nostalgischen Zeitreise in die Anfänge des 20. Jahrhunderts vorgekommen sein.

Ein imposantes Bild boten die historischen Gespanne vor dem barocken Ambiente des Schlosses.

Ein imposantes Bild boten die historischen Gespanne vor dem barocken Ambiente des Schlosses.

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Denn genau dieses Ziel verfolgt der Verein, der 2007 in Frankreich gegründet wurde und inzwischen in 15 europäischen Ländern aktiv ist. Es geht den Mitgliedern darum, historische Pferdewagen zu erhalten, zu restaurieren und für Turniere und Veranstaltungen einzusetzen. Also sozusagen das Kulturgut "Hippomobil“ als Vorgänger des Automobils zu pflegen und einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Entscheidend ist: Der authentische Wagen sollte mindestens aus der Zeit vor 1940 sein. Nicht selten sieht man deshalb Konstruktionen, die um die 100 Jahre alt sind und sehr sensibel oder nur teilweise restauriert wurden.

Ausfahrt historischer Kutschen in Bad Berleburg

Die Kleidung hingegen soll explizit nicht aus dieser Zeit stammen. "Die Teilnehmer dürfen nicht verkleidet wirken, sondern modern und angemessen – alleine aus Respekt vor den Wagen", erläuterte Dorothea von Eberhardt von Klot-Heydenfeldt, stellvertretende Vorsitzende der AIAT Deutschland und Mit-Organisatorin der Ausfahrt, im Gespräch mit der SZ. Zudem handele es sich bei der Veranstaltung in Bad Berleburg explizit nicht um ein Turnier, sondern lediglich um eine Ausfahrt, ein sogenanntes ATM (Attelage de Tradition Meeting), so die Frau von Alexander Prinz zu Schleswig-Holstein.

Fühlten sich in der Odebornstadt sehr willkommen. (v.l.)  Josef "Sepp" Steigenberger (Vorstandsvorsitzender AIAT Deutschland), Dorothea von Eberhardt von Klot-Heydenfeldt (stellvertretende Vorstandsvorsitzende) und Moderatorin Annette Spitzenpfeil bedankten sich bei Schlossherrin Carina Prinzessin zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg (2.v.l.) für die Gastfreundschaft.

Fühlten sich in der Odebornstadt sehr willkommen. (v.l.) Josef "Sepp" Steigenberger (Vorstandsvorsitzender AIAT Deutschland), Dorothea von Eberhardt von Klot-Heydenfeldt (stellvertretende Vorstandsvorsitzende) und Moderatorin Annette Spitzenpfeil bedankten sich bei Schlossherrin Carina Prinzessin zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg (2.v.l.) für die Gastfreundschaft.

Aus diesem Grund präsentierten sich die Kutschen nicht nur dem Publikum, sondern auch dem kritischen Blick von zwei unabhängigen Richtern, die den Gesamteindruck der jeweiligen Gespanne fachmännisch unter die Lupe nahmen. Unter Gesichtspunkten wie Eleganz, Stil, Harmonie und Authentizität wurden die jeweiligen Gespanne beurteilt. Moderatorin Annette Spitzenpfeil, Fachfrau für historische Gespanne aus Ludwigsburg, und Josef "Sepp" Steigenberger als Vorstandsvorsitzender der deutschen Sektion der AIAT, sorgten wiederum mit ihren sachkundigen Kommentaren für informative Unterhaltung. 

Historische Kutschen sorgen für tolle Bilder in Bad Berleburg

"Ein stimmiges Bild für ein typisches Gespann im ländlichen Raum" etwa sei das historische Gefährt von Klaus und Monika Baumeister. Hierbei handelte es sich um einen einspännigen Kombinationswagen aus dem Jahr 1932, der früher auch als "Brot-" oder "Butterwagen" auf den regionalen Marktplätzen unterwegs war. Ihm voran stand mit "Blondie" eine prächtige, 14 Jahre alte Schleswiger Kaltblut-Stute. Die Rollenverteilung sei beim Ehepaar Baumeister wiederum klar verteilt – das habe Klaus Baumeister ihr im Vorgespräch verraten, berichtete Annette Spitzenpfeil. Alles, was vor dem Schweif sei, sei Aufgabe seiner Frau Monika, um alles dahinter kümmere er sich. Auch echte Sportprominenz war an diesem Tag in der Odebornstadt zu Gast. Peter Tischer, unter anderem erfolgreicher WM-Teilnehmer und von 2010 bis 2015 Bundestrainer, ließ es sich nicht nehmen, mit einem Vierspänner bei der herbstlichen Ausfahrt dabei zu sein und das Ambiente am Schloss sichtlich zu genießen. 

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"Ein stimmiges Bild für ein typisches Gespann im ländlichen Raum" - so bewertet Fachfrau und Moderatorin Annette Spitzenpfeil (im Hintergrund) das historische Gefährt von Klaus und Monika Baumeister.

"Ein stimmiges Bild für ein typisches Gespann im ländlichen Raum" - so bewertet Fachfrau und Moderatorin Annette Spitzenpfeil (im Hintergrund) das historische Gefährt von Klaus und Monika Baumeister.

"Ich weiß nicht, wann es so etwas zuletzt hier gegeben hat. Die Ansammlung der Kutschen und Pferde ist wunderschön – wie ein Traum", geriet auch Carina Prinzessin zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg regelrecht ins Schwärmen. Die Gastgeberin lud zudem alle Besucher an diesem Morgen zu einer kostenfreien Besichtigung des fürstlichen Marstalls mit der fürstlichen Gala-Kutsche ein, der durch eine Flügeltür im Seitenflügel des Schlosses betreten werden durfte und erstmalig seine Türen für ein breiteres Publikum geöffnet hatte. Erstmalig, und vorerst zugleich auch letztmalig. Denn es wurde bereits offiziell bekanntgegeben, dass im Anschluss an die Veranstaltung keine weiteren Besichtigungen mehr möglich sind, da das Schloss in eine längere Winterpause gehen wird.

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