Vereinigung nicht unkritisch

Fusion zum 1. Januar definitiv zu früh

Die Sommersynode des Kirchenkreises Wittgenstein tagte am Mittwoch im Bad Berleburger Bürgerhaus am Markt – Corona-konform mit Negativ-Test oder Impfnachweis.

Die Sommersynode des Kirchenkreises Wittgenstein tagte am Mittwoch im Bad Berleburger Bürgerhaus am Markt – Corona-konform mit Negativ-Test oder Impfnachweis.

howe Bad Berleburg. „Das Förmchen Wittgenstein und das Förmchen Siegen liegen im Sandkasten. Kann man nicht einfach ein neues Förmchen suchen?“ Mit der Frage konfrontierte ein Gemeindeglied am Mittwoch bei der Sommersynode des Kirchenkreises Wittgenstein die Superintendentin. Simone Conrad antwortete klar: „Ja, aber erstmal müssen wir in die Sandkiste.“

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Man tut sich schwer mit einer Fusion

Man tut sich schwer auf Wittgensteiner Seite mit einer Fusion mit dem Kirchenkreis Siegen. Das kristallisierte sich aus den Stellungnahmen der Kirchengemeinden heraus, die Synodalassessor Peter Liedtke im Bad Berleburger Bürgerhaus zusammenfasste: „Viele Fragen sind offen.“ Allgemein bestehe die Sorge, dass mit der Bildung eines großen Kirchenkreises manches verloren gehe. Unter anderem sorgen sich die Gemeinden um die Zukunft des Abenteuerdorfs oder um das Kompetenzzentrum. Auch, wie eine Öffentlichkeitsarbeit gemeinsam realisiert werden könnte.

„Die Gemeinden befürchten geringere Einflüsse und haben Angst, dass der Bestand nicht mehr gewährleistet ist“, so Peter Liedtke. Auch die Frage der Finanzen sei gestellt worden – konkret, ob tatsächlich Einsparungen nur durch die neue Struktur erzielt würden. Und wer die Zeche denn am Ende wirklich bezahle. Ein großer Kirchenkreis, formulierte Peter Liedtke aus den Bedenken der Gemeinden, gehe vielleicht mit dem Verlust von Vertrautheit und der kurzen Wege einher.

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Siegen befürwortet eine Vereinigung

Andere Gemeinden sehen aber auch positive Effekte, etwa eine gegenseitige Bereicherung. Peter Liedtke stellte fest, dass die Machbarkeitsstudie ja dargelegt habe, es stelle sich nach der Fusion keine Gemeinde schlechter als vorher. Simone Conrad erinnerte sich an die gemeinsame Videokonferenz im März: „Die emotionale Kurve ist in Wittgenstein höher als in Siegen.“ In Siegen stehe man der Vereinigung befürwortend gegenüber, in Wittgenstein „verhaltener und vorsichtiger“.

In Wittgenstein sei der Wunsch nach Sicherheit deutlich zu spüren. Simone Conrad klärte hier nochmal auf, dass bei einer Fusion die beiden Kirchenkreise zunächst „addiert“ würden. Will heißen: „Es wird in der Vereinigung alles übernommen.“ Das sei Grundlage der Machbarkeitsstudie. „Wir nehmen alles mit und lassen das System des neuen Kirchenkreises arbeiten.“ Simone Conrad äußerte Verständnis für die Ängste in den Wittgensteiner Gemeinden und gab den weiteren Fahrplan bekannt. Grundsätzlich, so die Superintendentin, sei nach den Stellungnahmen eine Vereinigung sinnvoll und machbar, es gebe aber Klärungsbedarf.

Fahrplan zum Kirchenkreis Siegen-Wittgenstein

Fakt ist: Der angepeilte Fusionstermin zum 1. Januar 2022 ist nicht machbar. Dafür ist der genannte Klärungsbedarf zu groß. Im September/Oktober dieses Jahres soll es zunächst eine gemeinsame Pfarrkonferenz im Abenteuerdorf geben, anschließend im Spätherbst eine Synodalversammlung als Arbeitssitzung, um Lösungen zu finden. Auf der Herbstsynode im November könnte dann ein Tendenzbeschluss gefasst werden. Danach würde der neue Kirchenkreis Siegen-Wittgenstein ein Leitbild formulieren. Simone Conrad: „Wo wollen wir hin, welche Strukturen brauchen wir dazu?“

Erndtebrücks Pfarrerin Kerstin Grünert, bekanntlich mit Siegerländer Wurzeln, sendete ein mutmachendes Fusions-Signal Richtung Landeskirche in Bielefeld: „Wir müssen denen mal zeigen, was im Süden von Westfalen Masse ist. Damit die nicht mehr nur Schneewittgenstein sehen und von ,die da unten’ reden.“ Bei einer Gegenstimme und vier Enthaltungen votierten 43 Mitglieder der Synode für den vorgeschlagenen Fahrplan zur Vereinigung.

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