So sind die ersten Folge

„Harry & Meghan“: Das Netflix-Tagebuch eines viel kritisierten Prinzenpaares

Der Name ist Programm: Eine Szene der Netflix-Dokumentation „Harry & Meghan“.

Der Name ist Programm: Eine Szene der Netflix-Dokumentation „Harry & Meghan“.

Tagebücher sind ja mitunter literarische Meisterwerke – etwa von Max Frisch oder Erich Kästner, auch Virginia Woolf hinterließ der Nachwelt Notizen aus Ihrem Alltag. Nun erfahren wir: Auch Prinz Harry und seine Frau Meghan Markle führen eine Art Tagebuch. Ein Videotagebuch, aufgenommen mit dem Smartphone, hochkant, wie man das heutzutage für Instagram-Stories und Tiktok macht und dabei nicht bedenkt, dass das Ganze irgendwann womöglich in 16:9 auch auf dem Fernsehbildschirm zu sehen sein soll. Und genau das ist nun passiert. Bei Netflix starteten am Donnerstag die ersten drei Folgen der Dokuserie „Harry & Meghan“.

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Harrys Angriff auf die Boulevardmedien

Viel wurde darüber spekuliert, vor allem in Großbritannien, wo manche schon lange einen verbalen Generalangriff Harrys auf das Königshaus befürchteten. Doch der erste Eindruck ist eigentlich kein neuer: Harry mag die Institution der Windsors durchaus kritisch betrachten. Ein Dorn im Auge aber sind ihm Boulevardmedien. Er gibt ihnen, das wird bereits in Folge eins einmal mehr deutlich, indirekt die Schuld am Tod seiner Mutter Diana, die 1997 auf der Flucht vor Paparazzi in Paris bei einem Autounfall ums Leben kam.

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Seine spätere Ehefrau Meghan konnte er anfangs noch im Verborgenen kennenlernen, erfahren wir in Sofainterviews vor den Netflix-Kameras – sie trafen sich im Kensington Palace, zelteten in Afrika und ließen es an jenem Abend, an dem klar war, dass ihre geheime Beziehung am nächsten Tag in einem Zeitungsbericht auffliegen würde, auf einer Halloweenparty noch einmal richtig krachen.

Das von Netflix veröffentlichte Bild zeigt Prinz Harry und Herzogin Meghan in einer Szene der Dokumentation "Harry & Meghan".

Das von Netflix veröffentlichte Bild zeigt Prinz Harry und Herzogin Meghan in einer Szene der Dokumentation "Harry & Meghan".

„Harry & Meghan“ ist eine Art Generalrechtfertigung des in den vergangenen Jahren viel kritisierten Paares. Sie erklären, warum sie in die USA flüchteten. Warum sie dem Prunk der Royal Family entkommen wollten, jenem Leben, das ein Königshausexperte in der Serie als „goldenen Käfig“ bezeichnet.

Das ganze ist in bewährter Netflix-Art von der zweifachen Oscar-Anwärterin und Emmy-Gewinnerin Liz Garbus überaus kunstvoll und professionell inszeniert: aus privaten Handyfilmen, unzähligen Selfies, aktuellen Interviews mit Freunden und Experten, alten Fernsehaufnahmen und gekonnten Schnittfolgen. Gerade wenn man als Zuschauer ansetzen und das ganze als etwas verkitschten und bisweilen viel zu intimen Einblick in das Privatleben des Paares abtun will, fängt es ein einordnender Satz eines Adelsexperten oder des Paares selbst auf.

Kennengelernt bei Instagram

Die größte Überraschung dürfte es für viele schon in der ersten Folge geben, wenn es eine Antwort auf die Frage gibt, wie sich ein royales Paar kennenlernt. Bei einem Empfang? Auf dem Landgut irgendeines entfernten Verwandten? In Harrys Fall vielleicht auf einer ausgelassenen Cocktailparty irgendwo im Londoner Nobelviertel Mayfair? Nein – im Internet. „Wir haben uns über Instagram kennengelernt“, erinnert sich Harry im Netflix-Sofainterview. Und Meghan führt aus, was sie als erstes wissen wollte, als ihr eine Freundin vom Interesse des Prinzen berichtete: „Ich will lieber seinen Feed sehen, nicht was andere über ihn schreiben.“

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Zuschauerinnen und Zuschauer erfahren mehr: Harry verspätet sich wie andere Menschen, er schwitzt vor dem ersten Date, er hat offensichtlich sehr gelitten unter dem Rampenlicht, dem er während seiner Kindheit ausgesetzt war – und, viel mehr womöglich, wie sehr dieses seine Mutter zerstört hat. Das einstige Enfant terrible der britischen Royals zeigt deutliche Gefühle. Und er rechtfertigt seinen teilweisen Bruch mit dem Königshaus von Beginn der Serie an durchaus nachvollziehbar: Unter keinen Umständen wollte er, dass sich die Geschichte für seine eigene kleine Familie wiederholen würde. Der Umzug über den Atlantik, das nehmen wir als Kernaussage mit, hat dazu geführt, dass Harry und Meghan ein halbwegs normales Leben führen können. Nicht erwähnt wird hingegen, dass Harry erst an fünfter Stelle der Thronfolge steht, und er somit wohl nie Aussichten darauf haben wird, einmal in den Buckingham Palace einzuziehen. Wozu dann auch der ganze royale Stress?

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Welchen Gefallen Harry sich und vor allem seinen nächsten Verwandten, seinem Vater König Charles III. und seinem Bruder William, dem Prince of Wales und direkten Thronfolger, mit seiner Netflix-Entblößung tut, bleibt abzuwarten. Die Aufregung in London sei, so war schon am Veröffentlichungstag zu lesen, groß. Manche Medien spekulieren sogar über einen endgültigen Bruch seiner Familie mit Harry.

Produziert wurde die Serie bis August dieses Jahres, beendet also vor dem Tod seiner Großmutter Queen Elizabeth II. Hier und da wurde nachgesteuert, um diese Entwicklung einzuarbeiten. Andere Stellen wirken in diesem Kontext eher geschmacklos - etwa, als Meghan sich vor ihrer ersten Begegnung mit der Queen über den Knicks lustig macht, den das strenge Palastprotokoll erfordere. Oder wenn sie über das „taube Ohr“ von Harrys Großvater, dem verstorbenen Prinz Philip, spricht.

Zuschauerinnen und Zuschauer erfahren von rassistischen Bemerkungen und Anfeindungen in der britischen Boulevardpresse gegenüber Meghan und wie sich Harry dagegen auflehnte. Und zwischendurch begeht die Serie tatsächlich denselben Fehler wie viele Medien: Sie verwechselt das British Empire, das es nicht mehr gibt, mit dem Commonwealth, den es noch gibt, der aber letztlich nicht mehr ist als ein loser Staatenbund. Und rückt dadurch manches in ein falsches Licht.

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Gut inszeniert, aber nicht verifiziert

Insgesamt geben der Herzog und die Herzogin von Sussex einen durchaus unterhaltsamen, geschichtlich mitunter wertvollen und überaus gut inszenierten Einblick in ihr bisheriges Leben. Doch so sehr die beiden auch betonen, dass es „ihre“ Geschichte sei: Verifizieren lässt sich nicht alles davon. Letztlich berichten auch Harry und Meghan über andere, ohne dass die zu Wort kämen - und machen damit genau das, was sie anderen immer vorwerfen. Das Ganze bleibt eine Art Videotagebuch: Das Königshaus habe jegliche Stellungnahme in der Serie abgelehnt, klären die Produzenten gleich zu Beginn auf.

Im Vorfeld war berichtet worden, dass auch das Paar selbst nach dem Tod der Queen Zweifel an der Serie bekommen habe. Die Doku sollte offenbar zumindest auf das nächste Jahr geschoben werden – nun nimmt Netflix sie als willkommenen Anlass, im Weihnachtsgeschäft zu punkten.

„Sie sagte, wenn du was anstellst, lass dich nicht erwischen“, erinnert sich Harry in der Serie über seine Mutter Diana. Gut möglich, dass mancher, vor allem daheim in London, Harry diese Serie als Affront auslegt. Das mit dem nicht erwischen lassen hat Harry in seinem bisherigen Leben selten geschafft.

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