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Regisseur Christian Schäfer dreht Kinofilm mit Devid Striesow in Dillenburg
„Trübe Wolken“ in der Heimat

Devid Striesow spielt in dem Coming-of-Age-Thriller „Trübe Wolken“ einen Lehrer im Rollstuhl. Beim Pressetermin am Donnerstag in Dillenburg nahm sich der preisgekrönte Schauspieler auch Zeit für einige Fotos.
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  • Devid Striesow spielt in dem Coming-of-Age-Thriller „Trübe Wolken“ einen Lehrer im Rollstuhl. Beim Pressetermin am Donnerstag in Dillenburg nahm sich der preisgekrönte Schauspieler auch Zeit für einige Fotos.
  • Foto: Alexander W. Weiß
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

aww Dillenburg. Einen Moment lang wirkt Devid Striesow angespannt, als er gebeten wird, fürs Foto im Rollstuhl Platz zu nehmen. Der Schauspieler blickt ein wenig skeptisch drein, rüttelt prüfend an der Rückenlehne des Gefährts, bittet: „Lassen Sie mich erst mal sitzen.“ Als das geschehen ist, weicht alle Befangenheit wieder von ihm, er lächelt, fährt für die Kameras hin und her, ist locker wie vordem. Freundlich und guter Dinge hatte der preisgekrönte Mime schon zuvor beim Pressetermin vor den Gewerblichen Schulen Dillenburg den Journalisten Rede und Antwort und für die Fotografen geduldig ruhig gestanden. Dieser Dreh wird auch für ihn etwas Besonderes sein: Es ist sein erster seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie.

aww Dillenburg. Einen Moment lang wirkt Devid Striesow angespannt, als er gebeten wird, fürs Foto im Rollstuhl Platz zu nehmen. Der Schauspieler blickt ein wenig skeptisch drein, rüttelt prüfend an der Rückenlehne des Gefährts, bittet: „Lassen Sie mich erst mal sitzen.“ Als das geschehen ist, weicht alle Befangenheit wieder von ihm, er lächelt, fährt für die Kameras hin und her, ist locker wie vordem. Freundlich und guter Dinge hatte der preisgekrönte Mime schon zuvor beim Pressetermin vor den Gewerblichen Schulen Dillenburg den Journalisten Rede und Antwort und für die Fotografen geduldig ruhig gestanden. Dieser Dreh wird auch für ihn etwas Besonderes sein: Es ist sein erster seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie.
Unter anderem in Dillenburg und anderen Teilen des Lahn-Dill-Kreises (Haiger-Langenaubach, Kommune Herborn) wird derzeit der Kinofilm „Trübe Wolken“ produziert (wir berichteten), ein Projekt des gebürtigen Dillenburger Regisseurs Christian Schäfer, der heute als Geschäftsführer seine Produktionsfirma Rabiatfilm in Sinn-Fleisbach leitet, und des Drehbuchautors Glenn Büsing. Beide sind auch Produzenten des Coming-of-Age-Thrillers, als Koproduzent fungiert der Saarländische Rundfunk. Gefördert wird das Projekt von der Hessenfilm und Medien GmbH wie auch von der Film- und Medienstiftung NRW.

Eine jungfräuliche Film-Gegend

Corona und kein Ende – selbstverständlich hat das Virus auch dieses Filmvorhaben nicht unbeeinträchtigt gelassen. Die Dreharbeiten sollten im April beginnen, mussten aber im März abgesagt werden. Anfang Juli ist es nun geworden, bis der Startschuss zum mutmaßlich ersten Kinofilm-Dreh in Hessen seit Beginn der Krise fallen konnte. Am Donnerstag stand der fünfte Drehtag an, bis Mitte August sollen alle Szenen im Kasten sein.
„Wir waren in der Vorproduktion, als das alles anfing mit Corona“, sagt Christian Schäfer, der nach dem Pressetermin an dem Ort drehen wird, wo er einst selbst die Schulbank drückte. Viele Locations, so der Regisseur, seien ausgewählt geworden, „weil ich sie kannte“. Schäfer, der mit „Trübe Wolken“ sein Langfilm-Debüt verwirklicht, in einem Statement dazu: „Es ist für mich unglaublich spannend, an Orten zu drehen, an denen ich aufgewachsen bin, und jetzt alles, was ich erlebt habe, zu nutzen und für die Leinwand umzusetzen. Dazu ist hier eine Gegend, in der wenig bis gar nicht gedreht wurde. Die Orte sind also unberührt, und man hat sie noch nicht gesehen (…) Es ist alles sehr jungfräulich hier und für mich sehr stark, da ich alle Orte seit meiner Jugend kenne.”

Schauspieler essen getrennt vom Team

Die Arbeit am Set wird freilich flankiert von einem Hygienekonzept. „Wir versuchen, den Mindestabstand einzuhalten“, erklärt Schäfer. „Aber man kommt sich auch schon mal näher.“ Es gebe beispielsweise regelmäßige Tests beim Team, die Darsteller nähmen ihre Mahlzeiten von der restlichen Crew getrennt ein, und es werde zumindest in Räumen immer mit Maske gearbeitet – Schauspieler vor der Kamera ausgenommen, versteht sich.
Wegen der coronabedingten Umstände musste die Anzahl der Drehtage um sechs auf 30 erhöht, das Arbeitspensum heruntergefahren werden – die Produktionskosten steigen entsprechend. Aber: Inhaltlich hat sich wegen der Pandemie nichts am Buch geändert – das Künstlerische hat Bestand. Auch der Cast blieb unverändert. „Hätte mir im vergangenen Jahr jemand gesagt, dass ich unter diesen Bedingungen einer weltweiten Pandemie einen Film drehe, dann hätte ich gedacht: Der hat zu viele Filme gesehen“, so Schäfer. Die notwendigen Maßnahmen allerdings seien zu akzeptieren: „Man kann damit arbeiten.“

Striesow: mit Corona-Alltäglichkeiten umgehen

Hauptdarsteller Devid Striesow möchte sich am liebsten über die „Corona-Alltäglichkeit“ gar nicht zu viele Gedanken machen. „Da muss man mit umgehen.“ Während des Drehs wolle er sich das „aus dem Kopf nehmen“ – um ihn frei für die Arbeit zu haben.
Erzählen wollen sie alle die Geschichte des Teenagers Paul, gespielt von Jonas Holdenrieder. Paul ist „ein Schatten in der Gesellschaft dieser drögen Ortschaft“, wie es in der Filmbeschreibung heißt, ein Junge, der niemanden an sich heranlässt. Doch sein im Rollstuhl sitzender Lehrer Bulwer (Striesow) scheint einen Zugang zu ihm zu finden. In einer dritten Hauptrolle verkörpert Valerie Stoll die Schülerin Dala, die sich für Paul interessiert. Ebenso ist Max Schimmelpfennig als Schulkamerad zu sehen; mit Peter Jordan (Pauls Vater) und Claudia Geisler-Bading (Stiefmutter) wartet der 100-Minüter mit weiteren bekannten Gesichtern auf.

Unterschiedliche Herangehensweisen

Die Herangehensweisen der beiden männlichen Hauptdarsteller an ihre Figuren sind denkbar verschieden. Striesow, von der SZ-Kulturredaktion befragt, was ihn an seiner Rolle besonders gereizt habe, entschuldigt sich sogleich: Es tue ihm „total leid“, aber das könne er nicht beantworten. Denn: „Ich habe mit der Rolle noch keine Erfahrung. Was das für einer ist, kann ich nicht sagen, ich muss den erst noch kennenlernen.“ Er müsse sich zunächst noch in die Rolle hineinfinden, erklärt Striesow (46). Ganz anders Jungschauspieler Jonas Holdenrieder (20), der im SZ-Gespräch betont, wie wichtig es ihm gewesen sei, die Rolle im Vorhinein zu verstehen. Paul sei ein recht komplexer Charakter, „ein bisschen auf der Suche nach sich selbst, er würde gerne wissen, wie er sein soll“. So arbeiten wie Striesow könnte Jonas Holdenrieder übrigens nicht: „Ich wäre zu nervös, dass es dann nicht funktioniert.“

Kinostart für Herbst 2021 geplant

Für Glenn Büsing impliziert der Titel „Trübe Wolken“ das „Undurchsichtige, Geheimnisvolle der Hauptfigur“ und dass es „sehr viel Unklares beim Erwachsenwerden“ gibt. Zum Thriller-Aspekt des Streifens sagt der Drehbuchautor, es sei ihm an einer spannenden Atmosphäre gelegen gewesen: „Man hat immer das Gefühl, gleich könnte was passieren.“
Die Macher hoffen nach der Fertigstellung auf Festivalteilnahmen ihres Films. Der Kinostart (Verleih: Edition Salzgeber) sei für Herbst 2021, die Fernsehausstrahlung in der ARD-Sendereihe „Film-Debüt im Ersten“ im Jahr 2023 vorgesehen. Internet: www.rabiatfilm-produktion.de und www.facebook.com/truebewolken.

Autor:

Alexander W. Weiß (Redakteur) aus Siegen

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