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Bruno Obermann öffnet am Wochenende sein Atelier in Deuz
Auf die Fehlstellen kommt es an

Bruno Obermann lädt am Wochenende in sein Atelier ein, im Rahmen des Kunstsommers.
  • Bruno Obermann lädt am Wochenende in sein Atelier ein, im Rahmen des Kunstsommers.
  • Foto: Dr. Gunhild Müller-Zimmermann
  • hochgeladen von Redaktion Kultur

gmz - Der Künstler sucht das Individuelle in Zeiten der gesellschaftlichen Isolation. Das Offene Atelier im Rahmen des Kunstsommers lädt zu Fragen an die Bilder ein.
gmz Deuz.  Verhangen, wie hinter einem Vorhang versteckt scheint das Gesicht, ein durchsichtiger Schleier liegt darüber. Aber es ist einer, der zum Hinschauen auffordert, keiner, hinter dem das Gesicht verschwindet. Das großformatige Bild in Bruno Obermanns Atelier zeigt ein in dunklen Farben gehaltenes Gesicht auf einem gelblichen Hintergrund. Der Kopf, fast frontal eingefangen, ist mit recht groben Konturen dargestellt, die Augen sind mit schwarzen Kreisen angedeutet, die Nase ist markant, das Haar wie ein Helm am Kopf anliegend. Vor der unteren Gesichtshälfte ist etwas Weißes. Ein Mund-Nasen-Schutz?

gmz - Der Künstler sucht das Individuelle in Zeiten der gesellschaftlichen Isolation. Das Offene Atelier im Rahmen des Kunstsommers lädt zu Fragen an die Bilder ein.
gmz Deuz.  Verhangen, wie hinter einem Vorhang versteckt scheint das Gesicht, ein durchsichtiger Schleier liegt darüber. Aber es ist einer, der zum Hinschauen auffordert, keiner, hinter dem das Gesicht verschwindet. Das großformatige Bild in Bruno Obermanns Atelier zeigt ein in dunklen Farben gehaltenes Gesicht auf einem gelblichen Hintergrund. Der Kopf, fast frontal eingefangen, ist mit recht groben Konturen dargestellt, die Augen sind mit schwarzen Kreisen angedeutet, die Nase ist markant, das Haar wie ein Helm am Kopf anliegend. Vor der unteren Gesichtshälfte ist etwas Weißes. Ein Mund-Nasen-Schutz?
Auch wenn das Gesicht kein Portrait im klassischen Sinne darstellt, so ist die Person doch als älterer Mann erkennbar, der einen skeptischen Blick auf die Welt hat. Vielleicht sogar etwas herb wirkt, jedenfalls zurückgezogen. Daneben hängt das „Bild“ eines jüngeren Menschen, einer jungen Frau vielleicht, die den Betrachter geradeheraus anschaut, abwartend, aber auch entschlossen. Über ihr Gesicht ziehen sich Schlieren in bunten Farben, Farben, die Hoffnung ausstrahlen, die „Ikonografie der Vielfalt“ in sich tragen.

Der Blick nach Innen

  Diese Arbeiten sind in der Zeit des Corona-Lockdowns entstanden. Inspiriert hat ihn, sagt Bruno Obermann beim Besuch der SZ-Kulturredaktion, das Foto eines älteren norwegischen Klimaforschers. Dem analysierenden Forscher hat er einen jungen Menschen zur Seite gestellt, der vielleicht für die Generation „Fridays For Future“ steht, für die, die ihre Zukunft gestalten können wollen. – In Zeiten von Corona könnte das auch ein Anliegen sein, das dem Lockdown, dem Rückzug aus gesellschaftlichen Aufgaben und Bezügen, als stille Aufforderung oder zumindest Erinnerung entgegentritt, dass die Welt und ihre Aufgaben vielfältig sind.
Aber seine Arbeiten sind nicht politisch im konkreten Sinne, sagt der Künstler beim SZ-Besuch. Ihn interessiert, wie Menschen sind, welche Stimmungen und Gefühle sie haben, wie das, was nicht perfekt ist, sich auswirkt – und wie er es als Künstler darstellen kann. Die Fehlstellen, das Nicht-Perfekte, interessieren ihn.

Portraits sind Stimmungsbilder

Deshalb sind seine Portraits auch keine Abbilder, sondern Stimmungsbilder, Einblicke in Gefühls- oder Wahrnehmungswelten. In einer ganzen Serie quadratischer Portraits zeigt er Skepsis, Ablehnung, Verschmitztheit oder auch Erwartung. Alle Gesichter, manche mit nur einem Auge, ohne Ohren oder mit nur angedeuteter Nase, zeigen „Spuren des Lebens“. Die stellt der Künstler dar, indem er mehrere Farbschichten übereinander malt, wobei die Schichten als solche zu erkennen sind, indem er Farbe aufträgt und wieder abwischt, indem er Abdrücke (z.B. von einem Fuß) hinterlässt, Stellen unbemalt lässt, Löcher in den Bildträger brennt – generell „Fehlstellen“ schafft, die auf die Spuren hinweisen, die „das Leben“ hinterlässt. und zwar das Leben in seiner Normalität, nicht nur die außergewöhnlichen Situationen.
Diese Spuren sind nicht zu verwechseln mit einer hoffnungslosen oder gar depressiven Einstellung. Das junge „Paar im Wald“ zeigt zwei Menschen in inniger Vertrautheit: Sie umarmen sich vor einem Wald, der in dem Bild den Hintergrund bildet und gleichzeitig Natur- und Schutzraum zu sein scheint, Hoffnung signalisiert. Der „Augenblick“, so der Titel einer anderen Arbeit, zeigt das Gesicht einer jungen Frau, die den Betrachter anschaut, erwartungsvoll, fast ein wenig verschmitzt: Sie wartet auf unsere Reaktion und lädt zum Gespräch ein. Die Zurückgezogenheit ist das eine, das Gespräch das andere!
Bruno Obermann: Offenes Atelier.
Kölner Straße 5, Deuz.
Samstag und Sonntag, 11 bis 18 Uhr.
Es gelten die Corona-Schutzbestimmungen.

Autor:

Dr. Gunhild Müller-Zimmermann (Redakteurin) aus Siegen

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