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Dago Koblenzer lädt nach Werkstatt-Umzug zum offenen Atelier ein
„Das Andere ist das Interessante“

Dago Koblenzer in seinem Atelier: Verblüffende installative Arbeiten, die er „Auf Abstand“ nennt, und „Tuschemalerei“ reizen zur Auseinandersetzung mit Werk und Künstler während der offenen Atelier-Woche.
  • Dago Koblenzer in seinem Atelier: Verblüffende installative Arbeiten, die er „Auf Abstand“ nennt, und „Tuschemalerei“ reizen zur Auseinandersetzung mit Werk und Künstler während der offenen Atelier-Woche.
  • Foto: Peter Barden
  • hochgeladen von Redaktion Kultur

pebe - „Vieles, eigentlich alles, geht auch noch anders.“ - Dago Koblenzer zeigt im neuen Atelier neue Arbeiten, im Rahmen des Kunstsommers. 
pebe Dreis-Tiefenbach.  Irritation ist ein Bestandteil des Staunens. Sie verrückt das alltägliche Sehen und öffnet den Blick für neue Zusammenhänge, zeigt Grenzen und geht über sie hinaus. Dieser „Grenzübertritt“ entsteht auch beim Betreten des neuen Ateliers von Dago Koblenzer im alten Bahnhof von „Dreisbe“ an der Bismarckstraße. Hier will er vom kommenden Wochenende an eine Woche lang zu bestimmten Zeiten unter dem Titel „Neues Atelier – neue Arbeiten“ sein Atelier im Rahmen des Kunstsommers öffnen.
Noch ist der Umzug spürbar, und doch steht hier das Staunen, das neugierige Hinterfragen schon im Raum, quillt von der Wand, hängt von der Decke.

pebe - „Vieles, eigentlich alles, geht auch noch anders.“ - Dago Koblenzer zeigt im neuen Atelier neue Arbeiten, im Rahmen des Kunstsommers. 
pebe Dreis-Tiefenbach.  Irritation ist ein Bestandteil des Staunens. Sie verrückt das alltägliche Sehen und öffnet den Blick für neue Zusammenhänge, zeigt Grenzen und geht über sie hinaus. Dieser „Grenzübertritt“ entsteht auch beim Betreten des neuen Ateliers von Dago Koblenzer im alten Bahnhof von „Dreisbe“ an der Bismarckstraße. Hier will er vom kommenden Wochenende an eine Woche lang zu bestimmten Zeiten unter dem Titel „Neues Atelier – neue Arbeiten“ sein Atelier im Rahmen des Kunstsommers öffnen.
Noch ist der Umzug spürbar, und doch steht hier das Staunen, das neugierige Hinterfragen schon im Raum, quillt von der Wand, hängt von der Decke. Polyurethan-Gebilde stellen sich dem Besucher in den Weg, aber ihre Körperhaftigkeit ist ein Schein, mit zwei Fingern könnte man die scheinbare Massivität bewegen. An den Wänden wachsen, wuchern, bewegen sich Bilder, die zwischen Geometrie und Organismus changieren.

Im Bekannten das Neue sehen

Ihn interessiere die Grenze, sagt Dago Koblenzer im Gespräch mit der SZ, nachdem eine Bauschaum-Plastik in gemeinsamer Arbeit ihren Platz unter der Atelierdecke erhalten hat. Aber noch mehr sei er am Überschreiten der Grenze interessiert: „Das macht stärker“, erklärt er einfach. Was genau stärker macht? Die Neugier am anderen, erklärt der Künstler, an dem, was sich im Bekannten an Neuem verbirgt. Das hat er zu einem Prinzip seiner Arbeit gemacht. „Hier“, sagt er und hebt zum Beispiel eine pilzartige, aufgeschäumte und doch streng strukturierte Arbeit hoch, „da kommt Körperhaftes heraus.“
Ihn interessiert der Arbeitsvorgang der einerseits die Auseinandersetzung mit dem Material beinhaltet, andererseits aber auch jenen geistigen Prozess initiiert, der von der Kunst des Handwerks in einen anderen Kunst-Raum führt. „Das, was eigentlich nicht entstehen sollte, das ist das Neue, das oft im Arbeitsprozess entsteht. Das ist dann das Andere, und es zu verfolgen ist das Interessante.“ Triebfeder: die Neugier – ein weiterer Bestandteil beim Staunen, die antreibt und neue Dimensionen öffnet: „Es ist das Gewohnte, das ich immer öfter zu verlassen versuche.“

Spuren des Entstehungsprozesses

Der Gang an den im Raum verteilten Arbeiten vorbei und an den Bildern entlang bestätigt das. Mit Bauschaum arbeitet Dago Koblenzer schon länger, aber immer wieder reizt es ihn, dem Material neue verblüffende Seiten abzuringen. Er hat eine Reihe von Techniken entwickelt, die die Oberflächen im Schäumungs- und Härtungsprozess formen. Dabei entstehen stoffartige Texturen, aber auch Einsichten in den Ausdruck chemischer Prozesse. Dazu gesellt sich die Form, die Koblenzer den Schaumstücken gibt: „Das sieht fast aus wie eine Heftzwecke“, überlegt er und greift sich ein Stück, um es kurze Zeit später mit einem Schmunzeln wie einen Hut auf den Kopf zu legen. Seine neuen Arbeiten hat er mit sanftem Gelb eingefärbt. Sie wirken kompakter, haben eine veränderte Präsenz. „Mit Abstand“ hat er diese verblüffenden installativen Arbeiten nicht ohne zeitsensiblen Humor genannt.

Tusche - ganz anders

Gleich dahinter, an der Wand, rechteckige Bilder, die einen ganz anderen Kosmos offenbaren. Farbige Tuschen hat der Künstler in sichtbaren, nicht immer entschlüsselbaren Arbeitsprozessen in dynamische Formen gebracht, und diese präsentieren wiederum ein Grenzgeschehen: „Torus-artige Form“ heißen sie (ein Torus ist eine Art mathematischer Donut, ein dreidimensionaler Ring mit einem „Loch“ in der Mitte) oder „Scheiben-artige Form“. Aber weder Torus noch Scheibe sind als nackte geometrische Formen zu sehen. Sie verwildern, wuchern, wachsen über ihre Form hinaus, füllen Räume, zeigen sich höchst fein gemasert, gezeichnet, beinahe entsteht der Eindruck einer Zeitlupe – dies alles in sehr pflanzlich-organischen Farbtönen. So entsteht Dynamik zwischen Drängen und Zurückhaltung.
Da gibt es noch Verwandtschaft zu den „Verästelungen“, die er 2019 zeigte, und doch tritt Neues hervor, spricht eine fremde Sprache ist aber intuitiv verständlich. Diese Bilder, die er selbst auf Dibond-Platten aufgezogen hat, nennt Koblenzer „Tuschemalerei“. „Von ihr hat man eigentlich eine andere Vorstellung“, erklärt er. Diese Bilder aber entstünden „ohne Pinsel und Bambusrohr“. Und tatsächlich hat die Konsistenz der Bilder etwas, das mehr an Acryl oder Lacke erinnert – Materialien, mit denen Koblenzer auch schon gearbeitet hat.
„Ich will weiter entdecken“, fasst er seinen künstlerischen Antrieb zusammen, denn „so vieles, eigentlich alles, geht auch noch anders.“ Alle anderen Möglichkeiten stünden im Raum, sagt er, „aber wir geben uns nicht daran, weil wir beim Gewohnten bleiben. Aber jetzt will ich es anders!“ Da wird dann die Kunst begreifbar als das, was sie auch ist: ein philosophischer Prozess. Peter Barden
Dago Koblenzer:Neues Atelier – neue Werke,

5. bis 13. September,  Dreis-Tiefenbach, Bismarckstr. 16. 
Montag  bis Samstag 15- 19 Uhr, Sonntag 11- 13 und 15 - 19 Uhr

Autor:

Peter Barden (Redakteur) aus Siegen

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