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Bruno Obermann lädt ins offene Atelier ein
Fremde Bildräume

Bruno Obermann in seinem Atelier in Deuz: Er öffnet die Werkstatt und Ausstellungsräume im Haus am  25. und 26. September für eine Begegnung mit seinen Arbeiten.
  • Bruno Obermann in seinem Atelier in Deuz: Er öffnet die Werkstatt und Ausstellungsräume im Haus am 25. und 26. September für eine Begegnung mit seinen Arbeiten.
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pebe Siegen.  „Ich möchte gern zur völligen Gegenstandslosigkeit zurückkehren. Aber im Moment erscheint noch anderes.“ Nachdenklich blickt Bruno Obermann auf eine Fülle von Leinwänden und bemalten, großformatigen Kartonpapieren. „Anderes“, das sind vor allem die Obermann’schen Köpfe, die sich auf allen Malgründen manifestieren: manchmal kaum als Silhoutette erkennbar, manchmal in aufgetropfter grafischer Abstrahierung, dann wieder mit kraftvoll-rascher Malgeste aufgetragen. Und immer bewegen sich die Köpfe in einem eigenen Universum, in das sie der 64-Jährige hineinsetzt: Hinter-, Mittel- und Vordergründe, die oft vielschichtige Lasuren aufweisen, sind durchzogen von Farbspuren, Übermalungen, Signaturen oder abstrahierten Grundsymbolen.

pebe Siegen.  „Ich möchte gern zur völligen Gegenstandslosigkeit zurückkehren. Aber im Moment erscheint noch anderes.“ Nachdenklich blickt Bruno Obermann auf eine Fülle von Leinwänden und bemalten, großformatigen Kartonpapieren. „Anderes“, das sind vor allem die Obermann’schen Köpfe, die sich auf allen Malgründen manifestieren: manchmal kaum als Silhoutette erkennbar, manchmal in aufgetropfter grafischer Abstrahierung, dann wieder mit kraftvoll-rascher Malgeste aufgetragen. Und immer bewegen sich die Köpfe in einem eigenen Universum, in das sie der 64-Jährige hineinsetzt: Hinter-, Mittel- und Vordergründe, die oft vielschichtige Lasuren aufweisen, sind durchzogen von Farbspuren, Übermalungen, Signaturen oder abstrahierten Grundsymbolen. Diese Universen stellt der Künstler an diesem  Wochenende während eines offenen Ateliers den Besuchern vor  – „nach anderthalb Jahren ohne Möglichkeit“ und noch vor geplanten Ausstellungen.

"Mittelpunkt immer noch der Mensch"

„Der Mittelpunkt darin ist immer noch der Mensch, symbolisiert durch den Kopf“, überlegt Obermann. Woher er gerade die Affinität zu Kopf und Gesicht habe, wisse er nicht, aber in ihrer Darstellung – meist verfremdet, aus der Körpersymmetrie oder phänotypischen Normalität herausgelöst – drücke sich für ihn das Leben aus, „Man versucht, als Individuum in diesem komischen Zeiten zu bestehen und sich treu zu bleiben, trotz möglicher Missgeschicke“,  fährt der Künstler fort, der diesen Veränderungen seit 40 Jahren mit malerischen Mitteln nachgeht. So würden die Köpfe auch zu „Bildern und Abbildern von Geschehnissen im menschlichen Leben“ – feine Ironie und Melancholie inbegriffen.

Experimente mit Décalcomanie

Neben vertrauter Bildsprache tauchen vor allem in den Papierarbeiten aus dem vorigen und diesem Jahr neue Formelemente auf: Obermann experimentiert mit décalcomanischen Effekten, „Direktdrucken“, wie er sie nennt. Papier wird bemalt, auf anderes Papier gelegt und gedrückt und nach einer gewissen Zeit wieder abgezogen. Die schnell trocknende Acrylfarbe zieht sich zu Strukturen zusammen, die einen eigentümlichen Reiz ausüben. Obermann nutzt sie aber nicht als singuläre Bildaussage, sondern als Teil der Komposition, um ein Durchscheinen eigener Art zu schaffen – jenseits der Farbtransparenzen in seinen vielschichtigen Malereien. „Der weiße Untergrund, der durchscheint, gibt den Arbeiten Leichtigkeit“, erklärt er.

"Ich reduziere und verfremde"

Zugleich werden Obermanns Bilder reduzierter, konzentrierter, Zeichnerisches, beinahe Grafisches tritt zu früheren, sehr flächigen und mit schneller Bewegung übermalten Flächen hinzu. Und er übermalt alte, ehemals abgeschlossene Arbeiten, führt sie so neu in den künstlerischen Arbeitsprozess und den inneren Dialog ein. „Ich reduziere und verfremde“, erklärt Obermann, „das gibt Spannung und Aussage.“ Auch elementare, ikonisch-symbolische Signete finden sich vermehrt in den Arbeiten: Buchstabenförmiges, Leitern, Zaun, „Zähllisten“, also Strichreihen, die an paläolithische Selbstbezeugungen des Homo sapiens erinnern, aber auch Baum- und Astartiges, Blattformen, Wurzeln – „alles völlig zeitlose Dinge“, meint Bruno Obermann, „ich würde kein Bild mit einem Auto oder einer Maschine malen.“

Blick ins scheinbar Zeitlose

Dieser Blick in eine scheinbare Zeitlosigkeit (die aber doch deutliche Spuren von Entwicklung, Veränderung, Bearbeitung und Bedeutungsbestimmung enthält) macht Obermanns Arbeiten immer wieder faszinierend. Die Namen der Bilder – zum Beispiel „Frau und Baum“, „Hoch hinaus“, drei Motive von „Mann mit Hut“, „sunny side of Schatten“, „Auf dem Eis“, „Balance“ – sind mit Bedacht gewählt, es entsteht darin eine Art bildlicher Philosophie.
„Ich interessiere mich sehr für Politik und Gesellschaft“, sagt der Künstler, „aber das ist für mich nicht platt Thema der Kunst. Kunst ist aber immer politisch, denn sie ist immer eine Aussage über die Welt.“

Bruno Obermann, Offenes Atelier,
Samstag und Sonntag, 25. und 26. September,
jeweils 11 bis 18 Uhr,
Deuz, Kölner Str. 6.
Es gelten die Corona-Schutzbestimmungen!

Autor:

Peter Barden (Redakteur) aus Siegen

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