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Bernd Heinemann macht Kunst für Netphen
Keiler auf dem Fahrrad

Seit 2017 steht der radelnde Keiler vor dem alten Amtshaus in Netphen.
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ph Netphen. Ob Wildschweine oder Wurstejonge: In der Keiler-Kommune hat Bernd Heinemann gestalterische Pflöcke gesetzt. Jetzt sind es Apfelbäume. Nach 48 Jahren in Diensten der Gemeinde bzw. Stadt Netphen genießt der gelernte Bauzeichner und Grafiker seit 2020 seinen Ruhestand und hat eine kleine Obstplantage angelegt. Den ersten Apfelsaft und -wein hat er im vergangenen Herbst abgefüllt. Das Ergebnis überzeugt auf der ganzen Linie.
Ulf Stötzel fehlt noch wasDer 64-Jährige wirkt entspannt. Das war nicht immer so. Das berühmt-berüchtigte...

ph Netphen. Ob Wildschweine oder Wurstejonge: In der Keiler-Kommune hat Bernd Heinemann gestalterische Pflöcke gesetzt. Jetzt sind es Apfelbäume. Nach 48 Jahren in Diensten der Gemeinde bzw. Stadt Netphen genießt der gelernte Bauzeichner und Grafiker seit 2020 seinen Ruhestand und hat eine kleine Obstplantage angelegt. Den ersten Apfelsaft und -wein hat er im vergangenen Herbst abgefüllt. Das Ergebnis überzeugt auf der ganzen Linie.

Ulf Stötzel fehlt noch was

Der 64-Jährige wirkt entspannt. Das war nicht immer so. Das berühmt-berüchtigte „Netpher Verfahren“, bei dem in den 1970er- und 80er-Jahren gemeindliche Beschlüsse und Entscheidungen auf vergleichsweise kurzen und unbürokratischen Verwaltungswegen vorangetrieben wurden, hat auch Bernd Heinemann im Zuge seines ersten künstlerischen Großprojekts zu spüren bekommen.
Der Salchendorfer sitzt im Planungsamt des Rathauses, als er 1988 ein zeichnerisches Konzept für den St. Petersplatz entwirft. „Da fehlt noch was“, soll Ulf Stötzel bei der Betrachtung angemerkt haben. Stötzel, damals Erster Beigeordneter an der Seite von Gemeindedirektor Dr. Bernd Jartwig, tritt 1991 in dessen Fußstapfen und fungiert von 1999 bis zum Erreichen der Altersgrenze 2007 als hauptamtlicher Bürgermeister von Siegen.

Kosten für Bronzeplastik schockieren zunächst

Was Stötzel im Entwurf vermisst, ist ein thematisches Element in unmittelbarer Nachbarschaft zur St. Peterskapelle. Heinemanns Idee eines Brunnens mit Fischern und Netz stößt auf Zustimmung. Nicht so der Kostenvoranschlag für die angedachte Bronzeplastik, den der Geschäftsführer einer Gießerei im Münsterland darlegt. 40 000 bis 60 000 DM allein für die Material- und Gusskosten plus das zwei- bis dreifache Künstler-Salär sprengen den finanziellen Rahmen. Desillusioniert treten Stötzel und Heinemann die Rückfahrt an. Auf der Straße schießt dem Vorgesetzten ein Gedankenblitz durch den Kopf: „Wir fahren jetzt zum Rathaus zurück, und dann sagst du mir Ja oder Nein.“

450 Arbeitsstunden

Zweieinhalb Stunden später sagt Heinemann Ja und hat sein erstes Großprojekt im Dienst der Gemeinde Netphen in der Tasche – oder treffender: im Fischernetz des Petrus. Mit Styropor und 200 Kilogramm Wachs zieht er sich zurück und formt in 450 Arbeitsstunden das Vorbild für seine Skulptur, aus der schließlich die Gussform entsteht. Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten: Der Petersplatz erhält seinen „Heinemann“, der wiederum freut sich über die bestandene Feuerprobe, und die Kommune hat lediglich die Materialkosten zu tragen.

Bernd Heinemanns erstes Großprojekt: der Petersbrunnen mit den bronzenen Fischern auf dem St. Petersplatz in Netphen. Die feierliche Einweihung war im Februar 1989.
  • Bernd Heinemanns erstes Großprojekt: der Petersbrunnen mit den bronzenen Fischern auf dem St. Petersplatz in Netphen. Die feierliche Einweihung war im Februar 1989.
  • Foto: SZ-Archiv
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

Salchendorfer entdeckt die Kunst für sich

In Lehrgängen, Schulungen und Abendkursen – unter anderem an der Europäischen Akademie für bildende Kunst in Trier und in einem sechssemestrigen Fernstudienkurs an der Neuen Kunstschule Zürich – perfektioniert der Salchendorfer seine Talente. Von denen ist in jungen Jahren noch nicht allzu viel zu spüren. Als Kind habe er ein bisschen gemalt, mehr nicht. Heute zieren Lithografien die Zimmerwände im Haus an der Leywiese. Malerei, Zeichnungen, Radierungen oder Bildhauerei scheinen ihm ebenso mühelos von der Hand zu gehen wie grafische Designs, Werbetafeln, Gestaltungspläne, Plakate oder Gruß- und Einladungskarten. „Irgendwie“, sagt der Verwaltungsangestellte im Ruhestand, „liegt mir das.“ Und seine Dienstherren haben ihm stets die nötigen Freiräume dafür geschaffen. „Es war niemals eintönige Arbeit“, blickt Heinemann zurück: „Immer was Neues.“

Vorhof und Treppe zu einem Pfarrhaus auf Mallorca: Bernd Heinemann erläutert seine Zeichnung.
  • Vorhof und Treppe zu einem Pfarrhaus auf Mallorca: Bernd Heinemann erläutert seine Zeichnung.
  • Foto: Peter Helmes
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

Dass zahlreiche Ergebnisse seines Wirkens für jedermann sichtbar sind, erfüllt den 64-Jährigen durchaus mit Stolz. Dazu zählen im öffentlichen Raum etwa eine ganze Reihe von Dorfplätzen, das Areal Bahnhof/Bühlgarten in Deuz, der Marktplatz in Netphen und der Stillingsplatz samt Hüttenmann in Dreis-Tiefenbach. Daneben zeugen diverse Ausstellungen von Heinemanns künstlerischer Schaffenskraft.

Ein Blickfang beim NRW-Tag 2010 in Siegen

Ein Keiler dominiert nicht nur das Wappen der ehemaligen Großgemeinde, die zum Jahresbeginn 2000 offiziell Stadtstatus erlangte. Wildschweine flankieren auch das Einkaufszentrum im Hauptort. Kaum zu toppen ist freilich der radelnde Schwarzkittel vor dem Rathaus und dessen hölzernes Pendant im Foyer des Amtsgebäudes. Ursprünglich als kleine Radweg-Beschilderung konzipiert, ist das Holzmodell beim NRW-Tag 2010 in Siegen der Blickfang auf dem Netphener Motivwagen. „Der kam riesig an beim NRW-Tag – trotz Zeitdruck im Vorfeld“, erinnert sich Heinemann. Seit der feierlichen Enthüllung am 5. Juni 2017 genießt der borstige Biker, für den sich auch Prof. Christian W. Thomsen eingesetzt hat, Kultstatus.
Jetzt, wenige Wochen vor seinem 65. Geburtstag am 3. März, lässt es der Johannländer ruhiger angehen. Zwar gehen die Ideen und Anfragen nicht aus, aber alles vollzieht sich „ohne Stress und Druck“.

Wurstekommission erhält "Vorleser" aus Bronze

Besonders freut sich Heinemann auf eine nachträgliche Jubiläumsaktion im Sommer in seinem Heimatort. Auf dem Dorfplatz soll das Denkmal, das er der nach wie vor aktiven Salchendorfer Wurstekommission gesetzt hat, Verstärkung erhalten. Zu den beiden Kameraden mit der Würstestange auf den Schultern soll sich im Juli ein bronzener „Vorleser“ auf einem Sockel hinzugesellen und das Vortragen der jährlichen Dorfnachrichten symbolisieren. Eigentlich war die Aktion zum „100-Jährigen“ der Burschenschaft 2020 vorgesehen – Corona machte dem Ansinnen einen Strich durch die Rechnung.

Autor:

Peter Helmes (Redakteur) aus Siegen

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