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Gabe aus Leverkusen
Sakrale Behänge für Martinikirche

Manfred Schröder, Dieter Schaufler und Pfarrer Bernd Münker (v. l.) haben die bestickten Stoffbehänge aus der entwidmeten Johanneskirche in Leverkusen-Manfort mitgebracht.
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  • Manfred Schröder, Dieter Schaufler und Pfarrer Bernd Münker (v. l.) haben die bestickten Stoffbehänge aus der entwidmeten Johanneskirche in Leverkusen-Manfort mitgebracht.
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ph Netphen. Eine Kirchenschließung oder -entwidmung stellt für die betreffende Gemeinde einen tiefen Einschnitt dar. Die ev.-ref. Kirchengemeinde „Dreieinigkeit“ – hervorgegangen aus den eigenständigen Gemeinden Netphen, Dreis-Tiefenbach und Deuz – kann aktuell ein Lied davon singen. Dort sind im oberen Siegtal die Kapellen in Nenkersdorf und Grissenbach unlängst entwidmet worden.
Ausgerechnet die neue Großkirchengemeinde im Netpher- und Johannland (inklusive Rudersdorf) zieht einen positiven Nutzen von der Schließung eines anderen Gotteshauses im Rheinland. In der Netphener Martinikirche schmücken seit Kurzem Antependien aus der stillgelegten ev. Kirche „St. Johannes der Täufer“ in Manfort den Altar und den Ambo – ein erhöhtes Pult für gottesdienstliche Lesungen.

ph Netphen. Eine Kirchenschließung oder -entwidmung stellt für die betreffende Gemeinde einen tiefen Einschnitt dar. Die ev.-ref. Kirchengemeinde „Dreieinigkeit“ – hervorgegangen aus den eigenständigen Gemeinden Netphen, Dreis-Tiefenbach und Deuz – kann aktuell ein Lied davon singen. Dort sind im oberen Siegtal die Kapellen in Nenkersdorf und Grissenbach unlängst entwidmet worden.
Ausgerechnet die neue Großkirchengemeinde im Netpher- und Johannland (inklusive Rudersdorf) zieht einen positiven Nutzen von der Schließung eines anderen Gotteshauses im Rheinland. In der Netphener Martinikirche schmücken seit Kurzem Antependien aus der stillgelegten ev. Kirche „St. Johannes der Täufer“ in Manfort den Altar und den Ambo – ein erhöhtes Pult für gottesdienstliche Lesungen.
Auf dem Grundstück in dem Leverkusener Stadtteil soll u. a. ein Nachbarschaftszentrum mit Jugendtreff und einer Wohngruppe für Menschen mit Behinderung entstehen. Das denkmalgeschützte Kirchengebäude an sich bleibt zum Großteil erhalten. Die Gottesdienst-Besucher nutzen fortan die Christuskirche in der Leverkusener Innenstadt.
Von der Schließung der Johanneskirche hatte Manfred Schröder im Internet erfahren. Seit Längerem beschäftigt sich der 68-Jährige mit Entwidmungen sakraler Gebäude. Auf seine Nachfrage hin erhielt Netphen den Zuschlag für die Paramente.
Paramente sind Textilien zur Gestaltung christlicher Gottesdiensträume (mensam parare = den Tisch vorbereiten). Im Zentrum steht der Altar als Ort für das heilige Abendmahl. Deshalb nennt man die Stoffbehänge an den Vorderseiten von Altar, Kanzel und Lesepult auch Antependien (ante = vor, pendere = hängen).
Gemeinsam begaben sich Netphens Pfarrer Bernd Münker, Manfred Schröder und Dieter Schaufler nach Manfort. In der dortigen Johanneskirche händigte ihnen die Küsterin die acht verzierten Altar- und Lesepult-Behänge in den liturgischen Farben Violett, Weiß, Rot und Grün aus. Bis auf eine Flasche Wein entstanden keine Kosten. Allerdings haben die Netphener die Anregung einer Spende an das ev. Gustav-Adolf-Werk mit in ihre Gemeinde genommen. Dort ist nun eine entsprechende Aktion in Planung.
In der ev. Kirche sind die liturgischen Farben bei den Antependien seit der Reformationszeit lebendig, bei der lutherischen und unierten Tradition präsent. Reformierte Kirchen sind hingegen in der Regel nüchtern und karg ausgestattet – also alles andere als farbenfroh. Aber, weiß Manfred Schröder: „Im reformiert geprägten Siegerland haben viele Gemeinden besonders in den letzten Jahren zu schönem Kirchenschmuck mit bunten Antependien und leuchtenden Kerzenständern bei der Feier des Gottesdienstes gefunden. Auch die beiden Nachbarkirchen in Deuz und Dreis-Tiefenbach der Dreieinigkeits-Gemeinde sind liturgisch bestens ausgestattet.“

"Menschen freuen sich über ein bisschen mehr Farbe"

Auch Bernd Münker misst dem visuellen Aspekt durchaus Bedeutung zu: „Menschen freuen sich über ein bisschen mehr Farbe.“ In seiner Gemeinde kämen die bestickten Stoffbehänge jedenfalls gut an. Seit April versieht der aus Ferndorf stammende Pastor seinen Dienst in Netphen.
Sorgfältig aufbewahrt werden die Paramente in einer weißen Truhe, die Dieter Schaufler gezimmert hat. Faltenfrei hängen sie dort an Stangen. Geschätzt sind nicht nur Schauflers handwerkliche Fähigkeiten, sondern auch seine stimmlichen Qualitäten als Mitglied des Bach-Chors Siegen.
Rot: Erstmals zeigte sich zum Pfingstgottesdienst „Alt St. Martini zu Obernetphen“, wie die Kirche nach ihrer Ersterwähnung 1239 in der Geschichts- und Heimatliteratur oft beschrieben wird, in neuen Farben. In den Fokus rückte der rote Behang, denn Pfingsten trägt wie Konfirmationen, Kirchweih, Ordinationen und der Reformationstag am 31. Oktober die Farbe Rot. Sie steht für das Blut der Märtyrer, die wegen ihres christlichen Glaubens starben, aber auch für die Liebe und Begeisterung, die der Heilige Geist dem Glauben an Jesus Christus schenkt.
Weiß: Eine Woche später zu Trinitatis wurde das weiße Parament mit der prächtigen Symbolik aufgehängt. Der Sonntag nach Pfingsten gilt der Dreifaltigkeit oder auch Dreieinigkeit: Gottvater, Sohn und Heiligem Geist. Dann – wie auch zu Weihnachten, Epiphanias, Gründonnerstag, Ostern, Himmelfahrt und Ewigkeitssonntag sowie bei Bestattungen und zum Abendmahl – wird Weiß aufgelegt.
Grün: Während der sogenannten festlosen Zeit im Kirchenjahr beherrscht das grüne Tuch den Altar oder Chorraum. Grün steht für Glaube, Liebe und Hoffnung und symbolisiert die aufgehende Saat. Auch das Erntedankfest erstrahlt in kräftigem Grün.
Violett: Bleibt noch das violette Parament am Altar und Lesepult, das bislang noch nicht in Gebrauch genommen wurde. Violett ist die Farbe der Buße, Umkehr und Reue und schmückt die ev. Gotteshäuser zur Advents-und Passionszeit, am Buß- und Bettag sowie am Gedenktag der Zerstörung Jerusalems.
„Sprechende“ Bilder und Farben – gewebte Paramente als Ausdruck einer gelebten reformierten, lutherischen oder ökumenischen Liturgie schmücken also nun die ev. Martinikirche Netphen. Sie gehört laut Manfred Schröder zu den Kirchen, innerhalb deren Mauern neben reformierten auch lutherische Gottesdienste gefeiert werden.

Einstimmung auf den Gottesdienst"

Aufgabe der Paramente ist die Einstimmung auf den Gottesdienst. Sie lenken, so Schröder, die Aufmerksamkeit zum Zentrum des gottesdienstlichen Geschehens: Verkündigung und Abendmahl. Und sie laden dazu ein, still zu werden, sich und seine Gedanken zu sammeln, zu meditieren, hinzusehen und hinzuhören.
Noch intensiver können nun die über 9000 Gemeindemitglieder der Kirchengemeinde „Dreieinigkeit“ das Kirchenjahr feiern – und gemäß dem Wort aus dem 26. Psalm zu ihrer historischen Siegerländer Urpfarrkirche am Felssporn über dem Zusammenfluss von Obernau und Sieg sagen: „Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnt.“

Eine Bereicherung
Autor:

Peter Helmes (Redakteur) aus Siegen

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