Alle Schwere weglassen

Obermanns neue Arbeiten gefallen mit Transparenz und Leichtigkeit / »Offenes Atelier«

aww Deuz. Bruno Obermann und der KunstSommer – das gehört irgendwie zusammen. Auch wenn der Deuzer Künstler sich sonst in der Region eher rar macht und seine Bilder gerne in ganz Deutschland und über die Landesgrenzen hinaus »streut«, so ist er mit seinem »Offenen Atelier« in der jährlich wiederkehrenden heimischen Ausstellungsreihe doch so etwas wie ein (gerne gesehener) Stammgast. Am Wochenende ist es wieder so weit. In seinem Atelier an der Kölner Straße 6, in der nebenan gelegenen alten Schmiedewerkstatt und im Garten zeigt der überregional bedeutende Maler dann wieder einen Querschnitt aus seinen neuesten Arbeiten der Jahre 2005 und 2006. Geöffnet sind die Türen am Samstag, 2. September, von 14 bis 19 Uhr, und am Sonntag, 3. September, von 11 bis 18 Uhr.

Im Vorfeld hat sich der äußerst produktive Künstler, der nach eigenen Worten immer mehrere Bilder in Arbeit hat, eine dreiwöchige Malpause auferlegt. Logisch: »Es können ja keine nassen Bilder hier herumliegen, wenn ich das Atelier öffne.« Für das kommende Wochenende hat er fleißig gesammelt. »Ich habe einige Bilder von Ausstellungen aus Frankfurt und Fürth zurückgeholt, die ich hier in Deuz zeigen will«, sagt Obermann, der immer viele Arbeiten »im Umlauf« hat. Ständig präsentiert werden seine Gemälde etwa in Amsterdam, Krefeld, Frankfurt oder Nürnberg. Daneben gab es zuletzt Galerieausstellungen in Palma de Mallorca, Fulda und eben Fürth. Für November ist eine Schau in Holland geplant, die Bretagne und Köln sollen folgen.

In seiner Kreativstätte wolle er nun etwa 20 bis 25 großformatige Arbeiten zeigen – falls das Wetter mitspiele und er auch den Garten als Ausstellungsfläche nutzen könne. Alles in Öl, versteht sich, seinem Leib- und Magen-Werkstoff. An dem ihm so wohl bekannten Material entdeckt er aber immer wieder noch Neues. So weisen seine aktuellen Werke, insbesondere die Serie »Imaginäre Reise«, Transparenz und Leichtigkeit auf, die auf eine andere »Behandlung« der Farbe zurückzuführen sind. Für seine neuen Arbeiten, in denen Weiß sowie Rot-, Orange- und Gelb-Töne dominieren, verdünnte der Künstler die Farben so stark, dass sie fast die Durchsichtigkeit von Aquarellfarben aufweisen. »Ich wollte noch mehr weglassen, noch weniger malen. Ich wollte einfach die Schwere vermeiden«, sagt der Maler.

Serien von fünf bis sechs unmittelbar nacheinander entstehenden Bildern, denen die Verwandtschaft deutlich anzusehen ist, sind bei Bruno Obermann die Regel. Gemischt werden die Grundfarben überwiegend direkt auf der Leinwand, die nicht auf der Staffelei, sondern grundsätzlich im Liegen bemalt werden. Tiefe erzeugt Obermann durch das Übereinanderhäufen von Farbschichten, etwa in den dunkleren Verlaufbildern, in denen er, wie der Name sagt, die Farbe verlaufen lässt und um die 20 Schichten aufeinander stapelt. Hier darf der Betrachter eine Entdeckungsreise ins »Innere« des Bildes unternehmen. Immer wieder gibt es auch Fix- oder Haltepunkte, wie zum Beispiel den Obermann-typischen Kreis, der quasi in einem finalen Akt dem Gemälde als eine Art Stempel aufgedrückt wird.

Thematisch-inhaltlich ist sich der Deuzer treu geblieben. Nach wie vor sind es »Lebensraumbilder«, die der Künstler seinem Publikum präsentiert. Soll heißen: Was Obermann umtreibt ist der Mensch in der Umgebung, in der er lebt bzw. die Umgebung ohne den Menschen, aber mit den Einflüssen, die er in ihr hinterlässt. In diesem Sinne könnte man bei den abstrakten Gemälden auch von Landschaften sprechen, die aber weiten Interpretationsspielraum lassen. Manches könnte eine Straße darstellen oder einen See – Obermann will sich da selbst nicht gerne festlegen und erklärt die Inhalte seiner Bilder wohl deshalb vorzugsweise im Konjunktiv. Der Job der Besucher des »Offenen Ateliers« dürfte klar sein...

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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