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Die Krippe im Koffer
Auch beim Fliegeralarm hatte Herbert Molsberger die Figuren immer bei sich

Die Krippen-Landschaft versperrt zwar den direkten Zugang vom Wohnzimmer zum Flur, aber das macht Rosel Molsberger nichts aus.
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  • Die Krippen-Landschaft versperrt zwar den direkten Zugang vom Wohnzimmer zum Flur, aber das macht Rosel Molsberger nichts aus.
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sos Netphen. Wenn Klaus Molsberger die Krippe in ihren Einzelteilen die Kellertreppe hinauf trägt, kommen viele Erinnerungen hoch. Seine ganze Familie kennt die Geschichten seines Vaters, der vor etwa 90 Jahren angefangen hatte, die Figuren zu sammeln. Für ihn waren sie ein großer Schatz, und bis er vor vier Jahren starb, war es ihm von großer Bedeutung, dass die Krippe im Wohnzimmer aufgestellt wurde. So wird diese Tradition auch weiterhin fortgeführt.
Mit den Krippenfiguren in den Bunker„Sobald der Fliegeralarm ging, hat er sich den Koffer mit den Figuren geschnappt“, berichtet Klaus Molsberger. „Sie waren sein Heiligtum.“ Sonst habe er auf dem Weg zum Bunker am Ende der Burggrabenstraße nichts dabei gehabt.

sos Netphen. Wenn Klaus Molsberger die Krippe in ihren Einzelteilen die Kellertreppe hinauf trägt, kommen viele Erinnerungen hoch. Seine ganze Familie kennt die Geschichten seines Vaters, der vor etwa 90 Jahren angefangen hatte, die Figuren zu sammeln. Für ihn waren sie ein großer Schatz, und bis er vor vier Jahren starb, war es ihm von großer Bedeutung, dass die Krippe im Wohnzimmer aufgestellt wurde. So wird diese Tradition auch weiterhin fortgeführt.

Mit den Krippenfiguren in den Bunker

„Sobald der Fliegeralarm ging, hat er sich den Koffer mit den Figuren geschnappt“, berichtet Klaus Molsberger. „Sie waren sein Heiligtum.“ Sonst habe er auf dem Weg zum Bunker am Ende der Burggrabenstraße nichts dabei gehabt. Nur diesen einen Koffer, in dem Maria, Josef, die Hirten und etliche Schafe noch heute aufbewahrt werden.

Schon als Kind war Herbert Molsberger begeistert

Woher genau die Leidenschaft seines Vaters kam, das wisse er gar nicht, sagt der 48-Jährige. Seine Tante aber habe berichtet, dass Herbert Molsberger sich schon als kleiner Junge die Nase am Schaufenster eines Netphener Geschäfts plattgedrückt habe, in dem es die Figuren gab. „Er kam nicht davon weg“, so Molsberger, bis seine Mutter ihm dann endlich die ersten Figuren geschenkt habe.
Auch den Stall hat er von ihr bekommen. Irgendwann aber reichte der nicht mehr aus, denn immer mehr Krippenbewohner kamen dazu – inzwischen ist die Zahl auf 161 gestiegen, Klaus Molsberger hat extra noch mal nachgezählt.

Wurzeln sind Schauplatz für die Weihnachtsgeschichte

Deswegen habe sein Vater in Netphen Wurzeln gesammelt, die die Familie heute noch jedes Jahr aufs Neue als Schauplatz für die Weihnachtsgeschichte zusammensteckt.
Nur die, in der Maria, Josef und das Jesuskind Unterschlupf finden, ist nicht mehr die originale: Sohn Ruben hat vor etwa vier Jahren eine im Wald gefunden, die er dafür passend fand. Auch er und seine Schwester helfen immer beim Krippenaufbau mit und kennen die Geschichten ihres Opas.
Ab und an muss neues Moos besorgt werden, „das haben wir schon als Kinder im Sommer gemacht“, sagt Klaus Molsberger. Vor einigen Jahren hat er für den Hintergrund noch eine Landschaft gemalt. Der

Trafo Marke Eigenbau

Aufwand ist groß, viele Gänge sind nötig, bis alle Teile am Ort sind. „Früher hat es teilweise eine Woche gedauert, bis die Elektrik funktionierte“, erinnert sich Ehefrau Jessica Molsberger. Das habe auch daran gelegen, dass sein Vater, ein gelernter Elektriker, mit Kupferdraht selbst einen Trafo gewickelt habe, fügt der 48-Jährige hinzu. „Das gab oft Kurzschlüsse“, sagt er lachend. Ein Freund habe ihm aber irgendwann abgeraten, die Stromquelle weiterhin zu nutzen – vermutlich kein schlechter Hinweis.

Erst die Anreise, dann die Geburt

Um die Geschichte von Jesu Geburt auch richtig darzustellen, sitzt die schwangere Maria, begleitet von Josef, in der Vorweihnachtszeit noch auf einem Esel. „Das ist die Anreise“, so Molsberger. Erst an Heiligabend kommen dann die frischgebackenen Eltern mit dem Jesuskind zum Einsatz. Das sei übrigens in Lourdes gesegnet worden. Neben zwei Kamelen steht auch ein eher ungewöhnlicher Gast an der Krippe: ein Elefant. „Woher mein Vater den mal hatte, weiß ich auch nicht. Aber er gehört dazu“, sagt er lachend.

"Jede Figur hat ihre Geschichte"

So wie die Schafe, die ganz hinten in der Ecke stehen und ein eher verstecktes Dasein führen: Klaus Molsbergers Bruder hat es als Kind wohl zu gut mit einigen Tieren gemeint, als er ihnen Wasser gab. Das mussten die Gipsfiguren mit ihrem Gesicht bezahlen. Trotzdem sind sie Teil der Krippen-Familie. Ebenso der Fuchs, der ein Jahr lang auf der Miste lag, weil er beim Austausch des Mooses aus Versehen entsorgt wurde. Eine besondere Verbindung habe Herbert Molsberger immer zu dem Hirten mit dem grünen Umhang gehabt. „Das war die letzte Figur, die sein Vater ihm geschenkt hat, bevor er 1941 starb.“ Der zehnjährige Ruben weiß: „Jede Figur hat ihre Geschichte.“

Tradition gehört zur Familie

Zweieinhalb Meter lang ist der Aufbau. Traditionell steht er im Wohnzimmer von Rosel Molsberger, die mit der Familie ihres Sohnes in einem Haus wohnt. Bis Mariä Lichtmess im Februar bleibt ihre Flurtür üblicherweise noch zugestellt, aber das macht ihr nichts aus, sie kennt es gar nicht anders. Zweimal habe er damit eine Ausstellung organisiert. „1000 Mark hat ihm jemand dafür angeboten.“ Aber er habe sie nicht hergegeben. „Das hätte ich auch nicht gemacht“, sagt Ruben.
Die 86-Jährige weiß, wie viele Erinnerungen ihr Mann mit der Krippe verbunden hat. Und sie ist sicher: „Wenn er das sehen könnte … Er würde sich freuen, dass sie das immer so fein herrichten.“

Autor:

Sonja Schweisfurth (Redakteurin) aus Siegen

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