Amova baut Testanlage in Dubai
Bewährte Technik, neues Terrain

So könnte das Hochregallager am Hafen in Dubai aussehen. Bis zu elf Container können hier übereinander gelagert werden; eine enorme Platzersparnis.
  • So könnte das Hochregallager am Hafen in Dubai aussehen. Bis zu elf Container können hier übereinander gelagert werden; eine enorme Platzersparnis.
  • Foto: Grafik: Amova
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

sos Netphen. Ein kleines Helferlein, das immer genau weiß, welche Lebensmittel gerade in der Vorratskammer stehen, weil es sie vorher passend einsortiert hat, und quasi auf Zuruf genau das bringt, was für das heutige Mittagessen notwendig ist. Egal, wie weit hinten die Zwiebeln liegen oder worunter die Nudeln versteckt sind. Praktisch wäre es; eine Zeitersparnis in jedem Fall. Für den Hausgebrauch wünscht sich der ein oder andere ein solches Hilfsmittel vielleicht, in der Industrie finden solche Systeme längst Anwendung – nur im weitaus größeren Stil.

Lager für Coils

Amova, eine Tochter der SMS Group, entwickelt seit fast 65 Jahren vollautomatische Anlagen, die tonnenschwere Metallspulen (Coils) von A nach B transportieren und sie in Hochregalen lagern. Vor Kurzem hat Amova sich nun auf neues Terrain begeben und baut ein ähnliches System an einem Hafen in Dubai – das erste dieser Art.
Seit 1955 ist das Unternehmen an der Industriestraße in Netphen ansässig. Nach einigen Namenswechseln – die meisten kennen es wahrscheinlich noch unter Siemag Transplan – heißt es seit 2016 Amova. Inzwischen bedient das Unternehmen drei Bereiche: „Wir machen Intralogistik für Stahl, Aluminium und Kupfer“, erklärt Bernd Klein, seit 2007 Geschäftsführer von Amova. „Da kommen wir her.“ Zum einen werden in Netphen Lager für Metallspulen für bis zu 50 Tonnen, entwickelt, zum anderen das dazugehörige Transportsystem. Dabei werden die schweren Coils auf Paletten gehoben und über einen Rollgang durch die Werkhalle gefahren. „Diese Logistik ist ganz elementar in solchen Werken“, erklärt Christoph Roth, der bei Amova für die Finanzen Verantwortung trägt.

Aus der Region, für die Region

Im vergangenen Jahr hat Amova beispielsweise einen Auftrag der Firma Kemper aus dem Nachbarkreis Olpe erhalten. Diese wolle die Produktion erweitern und benötige dafür das entsprechende Hochregallager, so Bernd Klein. Ende dieses Jahres soll die Anlage in Betrieb gehen. Etwa 20 Meter hoch und 50 Meter lang werden die Regale sein und Kupferbunde in rund 400 Fächern lagern können.
Auch in der Luftfracht ist die Logistik entscheidend, und solche Hochregallager sind gefragt. Große Cargo-Alukisten werden mit dem Lkw geliefert, am Flughafen gelagert und gehen von dort auf die Reise. Im äthiopischen Addis Abeba hat Amova unter dem Markennamen Acunis bereits die gesamte Logistik sowie Fördertechnik geliefert und 2017 in Betrieb genommen. Dieser Auftrag sei der Einstieg in den Bereich „Aircargo“ gewesen, so Klein. Ein Folgeauftrag in Nairobi habe sich dem gleich angeschlossen.

Container-Häfen haben Platzprobleme

„Bisher haben wir immer die konventionelle Technik angewendet, die wir kennen. Das Know-how ist unsere Kernkompetenz“, erklärt der Geschäftsführer. Seit einigen Jahren aber beschäftigt sich das Unternehmen nun auch mit den Container-Häfen dieser Welt. Denn dort herrsche ein gewaltiges Platzproblem, weiß Klein. Derzeit würden die Container auf großen Flächen gelagert, immer drei oder vier übereinandergestapelt. Die Fahrzeuge, die sich die gewünschten Boxen im Hafen abholen, müssen weite Wege fahren und verbringen viel Zeit mit dem Umschichten – dann nämlich, wenn genau der unterste Container gebraucht wird.

Die Idee: Hochregallager

Während der Platz an Land immer begrenzter wird, werden die Schiffe immer größer. 2002 habe ein Schiff etwa 7500 Container transportieren können, 2017 seien es schon über 20 100 gewesen. Teilweise müssten die Boxen schon im Inland gelagert werden, so zum Beispiel in den italienischen Städten Genua oder La Spezia: „Die Häfen sind pickepackevoll“, sagt Bernd Klein.
Der Gedanke, auch hier Hochregallager zu errichten, war für Amova naheliegend. „Wir haben uns gefragt, warum das bisher noch keiner gemacht hat“, erinnert sich der Geschäftsführer. Tatsächlich hatten sich einige Unternehmen sehr wohl daran versucht, doch habe keines von ihnen Erfahrungen mit Schwerlast gehabt. Anders als das Netphener Unternehmen, das tagtäglich mit Coils zu tun hat, die ähnlich schwer sind wie Container.

Doppelte Menge an Containern

Weil die Boxen nun auf einer kleineren Fläche, dafür aber in die Höhe gelagert werden, sind die Strecken für die Fahrzeuge deutlich kürzer, und auf gleicher Fläche kann fast die doppelte Menge an Containern gelagert werden. Diese werden einzeln in die Hochregaltechnik eingehangen, je nach Bedarf von dem Regalbediengerät gepackt und hervorgeholt. Ein Umstapeln ist aufgrund der Regalkonstruktion nicht mehr nötig; elf Boxen passen übereinander. „Die Lagerverwaltungssoftware weiß, wo welcher Container steht“, erklärt Klein.
Auch das Transportsystem aus dem Coil-Lagersystem soll im Hafenbereich übernommen werden, diesmal aber in einem extra angelegten Kellergeschoss: Die Container werden auf Paletten geladen und unterhalb des Lagers von der Wasser- zur Landseite oder umgekehrt gefahren. Dort stehen sie dann zur Abholung bereit.

Testanlage in Dubai

Eine Testanlage mit zwei Gassen wird derzeit in Dubai gebaut, bis 2020 soll sie fertig sein und auf der Weltausstellung präsentiert werden. Dafür arbeitet Amova mit DP World aus Dubai zusammen, einem der fünf größten Terminalbetreiber weltweit, so Klein. „Es war auch für uns neu, dass der Kunde sagt: Ich will den Markt mit euch gemeinsam bearbeiten.“ Im Rahmen dieses Joint Ventures zwischen der SMS Group und DP World, das den Namen „Boxbay“ trägt, würden die Hafen-Erfahrungen von DP World und die Lager-Expertise von Amova vereint. Nachdem die Testanlage in Betrieb genommen wurde, sollen in den kommenden zwei bis drei Jahren 25 Gassen auf einer Fläche von 250 mal 600 Metern entstehen. Dann finden 28 000 Container Platz.
Dass das Know-how, das hinter der Umsetzung solcher Großprojekte steckt, im kleinen Netphen im Siegerland zu finden ist, begeistert Christoph Roth. „Viele wissen gar nicht, was hier an Hightech entwickelt wird. Das ist sehr schade.“ Große Hallen braucht das 100 Mitarbeiter starke Amova dafür nicht mehr: An der Industriestraße werden hauptsächlich Büroräume benötigt, weil die Lagersysteme im Ausland produziert werden. Die Ideen aber, die entstehen hier in der Region. Und das seit über 60 Jahren.

Autor:

Sonja Schweisfurth (Redakteurin) aus Siegen

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