Bürokratismus lähmt den effizienten Bahntransport

Unternehmer Gräbener will nicht »abgekoppelt« werden

avb Werthenbach. Der Unfall am Donnerstag in Hainchen, als von einem Schwertransporter ein großes Werkstück auf den Gehweg knallte (die SZ berichtete), hat es ihm noch einmal vor Augen geführt: »So ein Teil gehört auf die Schiene«, sagt Dr. Theodor Gräbener, Geschäftsführer der Verson-Pressentechnik GmbH in Werthenbach, sehr deutlich. Ebenso klar ist ihm allerdings auch, dass die Bahn »wegen der Organisation des Betreibers nicht wettbewerbsfähig« ist – Bundesbahn und auch Siegener Kreisbahn litten unter Formalismus, Bürokratie und einem Wust von lähmenden Bundes- und Landesvorgaben. Dennoch glaubt der Unternehmer an eine Renaissance der Bahn. Der Druck von der Straße auf die Schiene werde immer stärker werden.

Gräbener ist selbst »Eisenbahninfrastruktur-Unternehmer«: Er habe seine Firma an der Bahn angesiedelt, Gleisanlagen gekauft, in ihre Instandsetzung investiert und weitere Ansiedlungen betrieben. Noch vor wenigen Jahren kaufte er von der Siegener Kreisbahn (SKB) Grundstücke und Gleise. Einen »Akt der Fairness« sieht er darin, seine freien Hallen nur an Unternehmen zu vermieten, die die Bahn auch nutzen – z.B. an die Spedition Pracht. Als weniger fair empfindet er die Gerüchte, die Kreisbahn habe bereits die Stilllegung für den Schienenweg zwischen Deuz und Werthenbach beantragt, ohne mit ihm als einem Hauptbetroffenen zu reden. Landrat Elmar Schneider als Vorsitzender des SKB-Aufsichtrates habe ihm gegenüber allerdings dementiert, dass man einen solchen Antrag schon gestellt habe. Am heutigen Dienstag wird sich der Kreiswirtschaftsförderungsausschuss eingehender mit dem Thema befassen. Gräbener hofft, dass nun genug Staub aufgewirbelt wurde, um das Gespräch mit ihm zu suchen.

Eine plötzliche Stilllegung der Strecke hält er schon rechtlich für nicht durchsetzbar. Man lasse auch niemanden ein Haus bauen und beseitige dann die Straße, an dem es liegt. Zudem kalkuliert Gräbener, dass die SKB allein durch die Firma Pracht auf der Kleinbahnstrecke 90 Prozent ihrer Einnahmen einfährt – um so unverständlicher wäre das Ansinnen, diese Firma zuerst vom Gleis abzukoppeln bzw. zu vertreiben. Die Bahn an sich sei ein sehr attraktives Transportmittel: Bekomme man auf einen Lkw mit Mühe und Not zwei große Coils geladen, könne allein ein einziger Güterwaggon bereits acht von ihnen fassen: »Die Schiene ist viel effizienter für diese Produkte«, so Dr. Gräbener. Ineffizient sei nur ihre Vermarktung.

Der Unternehmer betrachtet jedoch größere Zeiträume in der Erwartung, dass sich unternehmerisches Denken auch in den Bahnbetrieben durchsetzt. Dann will er seinen Schienenweg noch zur Verfügung haben: »Was weg ist, ist endgültig weg« – eine zurückgebaute Strecke könne man nie wieder durchsetzen, schätzt Dr. Theodor Gräbener.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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