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20 Wasserbüffel am Ortsrand von Hainchen
Chillen für Zwei- und Vierbeiner

Heinrich Bruch hielt den Moment des Suhlens mit der Kamera fest: Die Wasserbüffel lieben ihr Schlammbad.
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  • Heinrich Bruch hielt den Moment des Suhlens mit der Kamera fest: Die Wasserbüffel lieben ihr Schlammbad.
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nja Hainchen. „Hannes! Sieglinde! Clara! Kommt mal her. Wir haben Besuch!“ Jens Flender muss die Stimme nicht noch einmal erheben. Sein Ruf über die Heiligenhäuschen-Wiese am Ortsrand von Hainchen ist noch nicht ganz verklungen, da machen sich seine 20 Wasserbüffel (13 Kühe, ein Bulle plus Nachzucht) auch schon auf den Weg die Wiese herauf. Gemächlich steuern sie den Hainchener an, der binnen weniger Minuten von den schlamm-ummantelten Kolossen umzingelt ist – und seine Streicheleinheiten möglichst gerecht verteilt. „Hast du heute schon gebadet“, fragt Flender auch Nesthäkchen Sissy. Eine Antwort erhält er nicht. Doch der Anblick des triefenden Fells spricht Bände.

2014 waren Sieglinde und Clara mit Bulle Immo die Begründerinnen der stetig gewachsenen Herde.

nja Hainchen. „Hannes! Sieglinde! Clara! Kommt mal her. Wir haben Besuch!“ Jens Flender muss die Stimme nicht noch einmal erheben. Sein Ruf über die Heiligenhäuschen-Wiese am Ortsrand von Hainchen ist noch nicht ganz verklungen, da machen sich seine 20 Wasserbüffel (13 Kühe, ein Bulle plus Nachzucht) auch schon auf den Weg die Wiese herauf. Gemächlich steuern sie den Hainchener an, der binnen weniger Minuten von den schlamm-ummantelten Kolossen umzingelt ist – und seine Streicheleinheiten möglichst gerecht verteilt. „Hast du heute schon gebadet“, fragt Flender auch Nesthäkchen Sissy. Eine Antwort erhält er nicht. Doch der Anblick des triefenden Fells spricht Bände.

2014 waren Sieglinde und Clara mit Bulle Immo die Begründerinnen der stetig gewachsenen Herde. Warum legte er sich ausgerechnet diese Rinderart zu? „Unsere Väter und Urväter haben Drainagen und Wassergräben angelegt, um die bewirtschafteten Wiesen zu entwässern. Im Naturschutzgebiet hier ist das von den Behörden aber nicht gewollt“, erinnert sich der 45-Jährige an jenen Geistesblitz vor rund sieben Jahren: „Dann besorge ich mir halt Wasserbüffel.“

Wasserbüffel haben weniger Schweißdrüsen als andere Rinder

Seither schaffen Clara, Sieglinde und Co. mit ihren Hörnern Suhlen, in denen sich das Wasser sammelt – und wälzen sich genüsslich im Schlammbad. Sie haben weniger Schweißdrüsen als andere Rinder. Die Abkühlung tut also Not! Schlammpackung für das Borstenfell inklusive. Die Restfläche kann der biozertifizierte Nebenerwerbs-Züchter dann mühelos mähen.

"Sie sind zugänglich und geduldig,
nicht überzüchtet und soziale Wesen."

Jens Flender
Züchter aus Hainchen

Jens Flender ist von seinen nicht alltäglichen Tieren hellauf begeistert: „Sie sind so zugänglich und geduldig, genügsam, essen vor allem Gras und raues Heu, sind nicht überzüchtet, leichtkalbig und soziale Wesen“, schwärmt der Hainchener, der hauptberuflich als Zimmerer seine Brötchen verdient. „Wenn ich mal gestresst bin, gehe ich zu ihnen. Wasserbüffel strahlen eine solche Ruhe aus – da kann man runterfahren und entspannen.“

Zuchtbulle Hannes liebt es, wenn Jens Flender ihn hinter den Ohren krault. Die Wasserbüffel bereiten ihrem Züchter große Freude: „Sie strahlen eine solche Ruhe aus – da kann man gut entspannen“, schwärmt der Hainchener.
  • Zuchtbulle Hannes liebt es, wenn Jens Flender ihn hinter den Ohren krault. Die Wasserbüffel bereiten ihrem Züchter große Freude: „Sie strahlen eine solche Ruhe aus – da kann man gut entspannen“, schwärmt der Hainchener.
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Anhand der Jahresringe am Horn erkenne er das Alter der Tiere, erzählt Flender: Bulle Hannes sorgt demzufolge seit knapp elf Jahren für Nachwuchs. Nicht immer in Hainchen. Flender und ein Züchter nahe Paderborn tauschen ihre Bullen immer wieder mal aus. „Um Inzucht zu vermeiden“, sagt der Hainchener. Wasserbüffel können mit keiner anderen Rinderrasse gekreuzt werden, aber 40 Jahre alt werden, schwärmt er weiter. „Rund elf Monate werden die Kälber ausgetragen. 25 Jahre lang geben die Kühe Milch.“ Ältere Semester wie Clara, die 2003 zur Welt kam, gönnen sich auch längere Pausen zwischen den „Schwangerschaften“. „Das regeln die unter sich“, sagt Flender begeistert.

Ab September kommt Nachwuchs

Ab September erblickt der Nachwuchs in der Regel das Licht der Welt. „Dann hat Hannes alle Hände voll zu tun, die Kälber beisammen zu halten, und nimmt dabei auch schon mal 30 Kilogramm ab.“ Ein Wolf habe keine Chance, ist sich der Haincher sicher. Und zeigt eine Narbe auf seiner Brust. Da war er einem Kälbchen unbedacht zu nahe gekommen. Mutter Sieglinde wies ihn in seine Schranken.

Die Wasserbüffel fühlen sich sichtbar wohl.
  • Die Wasserbüffel fühlen sich sichtbar wohl.
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Wenn sie anderthalb Jahre alt sind, werden die Jungtiere geschlachtet. Noch fährt Jens Flender sie dafür nach Hessen in ein EU-zertifiziertes Schlachthaus, wo die Tiere auch zerlegt werden. 180 bis 200 Kilo Fleisch, das Kilo für 12 Euro, verkauft er sodann an seine Stammkunden. Es würde ihn aber freuen, wenn auch heimische Metzger ihr Sortiment erweitern würden. Die Tiere wüchsen langsam heran: „Das schmeckt man. Das Fleisch ist aromatischer als Rindfleisch. Man muss es weniger würzen.“

Tierwohl hat Vorrang

Im Herbst steht eine Premiere an. Jens Flender hat einen Sachkundelehrgang absolviert und darf nun, in Absprache mit Tierarzt und Veterinäramt, selbst den Weideschuss setzen. „Das erspart den Tieren den Stress des Transports. Ein Knall – und es ist vorüber.“ Nein, das mache ihm nichts aus: „Das Tierwohl hat Vorrang“, sagt er, während er Caro oder Lina hinterm Ohr krault.

Zuchtbulle Hannes und Kuh Käthe lieben es, wenn Jens Flender sie hinter den Ohren krault. Die Wasserbüffel bereiten ihrem Züchter große Freude: „Sie strahlen eine solche Ruhe aus – da kann man gut entspannen“, schwärmt der Hainchener.
  • Zuchtbulle Hannes und Kuh Käthe lieben es, wenn Jens Flender sie hinter den Ohren krault. Die Wasserbüffel bereiten ihrem Züchter große Freude: „Sie strahlen eine solche Ruhe aus – da kann man gut entspannen“, schwärmt der Hainchener.
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Auf welches Tier der Herde wird er als erstes zielen? Die Antwort, die folgt, lässt erahnen, dass der Abschied von einem Mitglied der Herde doch nicht ganz so leicht fällt: „Den Tieren der Nachzucht gebe ich keinen Namen.“

Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

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