SZ

Joshua Stoffers befasst sich mit aufflammendem Judenhass
Der Antisemitismus ist zurück

In Deutschland nimmt der Hass auf Juden wieder zu.

cs Netphen. Joshua Stoffers musste nicht lange überlegen. Als am Netphener Gymnasium den Schülerinnen und Schülern das Verfassen einer Reportage aufgetragen wurde, stand das Thema für den 13-Jährigen schnell fest. Mit dem wieder aufflammenden Antisemitismus in Deutschland befasst sich Joshuas umfangreiches Werk, das mit der Bestnote bewertet wurde. „Haben wir denn aus der Geschichte gar nichts gelernt? Haben wir nicht eine besondere Verantwortung gegenüber den Juden? Sollten sie sich nicht sicher fühlen bei uns? Wie ist es möglich, dass sich 80 Jahre nach den Geschehnissen des Dritten Reichs der Antisemitismus in Deutschland wieder ausbreitet?“, fragt Joshua in der Einleitung seines Textes.

cs Netphen. Joshua Stoffers musste nicht lange überlegen. Als am Netphener Gymnasium den Schülerinnen und Schülern das Verfassen einer Reportage aufgetragen wurde, stand das Thema für den 13-Jährigen schnell fest. Mit dem wieder aufflammenden Antisemitismus in Deutschland befasst sich Joshuas umfangreiches Werk, das mit der Bestnote bewertet wurde. „Haben wir denn aus der Geschichte gar nichts gelernt? Haben wir nicht eine besondere Verantwortung gegenüber den Juden? Sollten sie sich nicht sicher fühlen bei uns? Wie ist es möglich, dass sich 80 Jahre nach den Geschehnissen des Dritten Reichs der Antisemitismus in Deutschland wieder ausbreitet?“, fragt Joshua in der Einleitung seines Textes. Bohrende Fragen, hinter denen sich die hässliche Fratze unserer Gesellschaft verbirgt, schwere Kost – nicht nur für einen 13-Jährigen. „Ich finde das Thema wichtig“, antwortet Joshua im SZ-Gespräch auf die Frage nach der Auswahl seines Themas – eine gleichermaßen saloppe wie bemerkenswerte Erklärung.

Verbindung zwischen Historie und Gegenwart

In jeder einzelnen Zeile des Aufsatzes zeigt sich, wie sehr sich Joshua mit dem dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte auseinandergesetzt hat. Zielsicher wird eine Verbindung zwischen historischen Ereignissen und Geschehnissen der Gegenwart geschlagen; angefangen mit der Machtergreifung Adolf Hitlers im Jahr 1933, über die zwei Jahre später folgenden Rassegesetze sowie die Reichspogromnacht im November 1938 bis zum Oktober 2019. „Ein 27-jähriger Mann versucht, sich Zugang zu einer Synagoge in Halle, einer Stadt in Sachsen-Anhalt, zu verschaffen, ausgerüstet mit mehreren Schusswaffen, Sprengsätzen und Munition. Sein Motiv: rechtsextremer Rassenwahn. Sein Ziel: möglichst viele Juden töten. Nach mehrmaligem Versuch, die Türen aufzuschießen, gibt er es schließlich auf, in die Synagoge, in der sich gerade 50 bis 60 Gläubige befinden, einzudringen. Sie entgehen nur knapp einem Massaker.“ Mit erzählerischer Kreativität beschreibt Joshua den Anschlag auf die Synagoge in Halle (Saale), der die gesamte Bundesrepublik erschütterte. Die Tat stehe symptomatisch für die vergangenen Jahre, seit einiger Zeit nehme der Antisemitismus in Deutschland wieder zu, konstatiert Joshua. Von Anpöbeleien über Internetbeleidigungen bis hin zu körperlichen Angriffen und Attentaten wie in Halle reiche das Gewaltspektrum.

Zunehmender Judenhass unter muslimischen Migranten

„Ortswechsel. Freiburg im Breisgau.“ Gnadenlos hält Joshua der Gesellschaft den Spiegel vor, geht auf einen ebenso alarmierenden Vorfall aus dem Süden Deutschlands ein. Im November 2019 wurde ein 19-Jähriger von einem Unbekannten als „schmutziger Jude“ beschimpft, der Angreifer riss dem Studenten dabei die Kippa vom Kopf und entsorgte sie kurzerhand im Müll. Für Joshua besonders schlimm: Niemand sei dem jungen Mann zu Hilfe geeilt. Zivilcourage? Fehlanzeige.
Joshuas Schlussfolgerung: „Übergriffe wie die in Halle oder Freiburg erfolgen meist aus rechtsradikalen und islamistischen Kreisen. In nicht wenigen Moscheen wird Hass gegen Israel gepredigt, die Auslöschung des Staates Israel gefordert, werden Attentate von palästinensischen Terrororganisationen wie der Hamas und der Hisbollah gefeiert.“ Keine Frage: Der zunehmende Judenhass, gerade unter muslimischen Migranten, entwickelt sich auf deutschem Staatsgebiet zu einem immer ernst zu nehmenderem Problem.

Rechtsradikale als zweite Tätergruppe

Die zweite Gruppe, von der Anschläge gegen Juden ausgingen, seien Rechtsradikale, erklärt der 13-Jährige in seiner Reportage. In seinem Text schildert der junge Siegerländer zudem unmissverständlich seine Sicht auf die aktuelle deutsche Politik. Im Parteienspektrum finde sich antisemitisches Gedankengut fast ausschließlich in Reihen der AfD. „Führende Repräsentanten dieser Strömung sind der Holocaust-Leugner Björn Höcke und Alexander Gauland, der die Nazizeit einmal als ,Fliegenschiss’ in der deutschen Geschichte bezeichnet hat“, analysiert Joshua, warnt aber zugleich davor, AfD-Wähler unter Generalverdacht zu stellen.

Auch ein ehemaliger Bundespräsident bekommt sein Fett weg

Schließlich befänden sich unter ihnen auch viele Protestwähler, Menschen, die sich im Agieren der etablierten Parteien nicht wiederfinden und die insbesondere auch davon überzeugt sind, dass der Islam zum christlich-jüdisch geprägten Deutschland nicht dazugehört. Damit bekommt auch der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff sein Fett weg, aus dessen kurzer Amtszeit vor allem die umstrittene Feststellung, dass der Islam inzwischen auch zu Deutschland gehöre, nachhaltig in Erinnerung geblieben ist. Auch in Richtung Bundeskanzlerin Angela Merkel teilt Joshua Stoffers aus, deren Grenzöffnung im Jahr 2015 habe der AfD überhaupt erst den Weg zum Aufstieg geebnet. „Wir schaffen das“, habe sich dabei rasch als folgenreiche Fehleinschätzung herausgestellt. Die Flüchtlingspolitik insgesamt sei „ein großer Schutt Öl ins Feuer der AfD“ gewesen. Die aktuelle Lage in Deutschland sei „eigentlich unvorstellbar und doch irgendwie erklärbar“.

Konkrete Gegenmaßnahmen

Joshua nutzte seine Reportage nicht nur dazu, mahnend den Zeigefinger zu heben, auch Gegenmaßnahmen listete der Netphener auf und nennt etwa ein entschiedeneres Vorgehen gegen rassistische und antisemitische Übergriffe sowie gegen Hass- und Drohbotschaften im Netz, die umgehende Löschung durch den Netzbetreiber sowie eine konsequentere Strafverfolgung.
Die Welt verändert der Aufsatz von Joshua Stoffers sicher nicht. Dennoch: Dass sich ein 13-Jähriger im Rahmen eines Schüleraufsatzes dem Antisemitismus mit all seinen Facetten annimmt, ist ein starkes Signal. Gerade in diesen Zeiten.

Autor:

Christian Schwermer (Redakteur) aus Siegen

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