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Irmgarteichen feiert Jubiläum
Der Tradition verbunden

Die erste Erwähnung von Irmgarteichen ist in einer Urkunde vom 30. August 1270 zu finden. Entsprechend möchte das Dorf in diesem Jahr seinen Geburtstag feiern. Los geht es schon im Februar mit einem Konzert.
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  • Die erste Erwähnung von Irmgarteichen ist in einer Urkunde vom 30. August 1270 zu finden. Entsprechend möchte das Dorf in diesem Jahr seinen Geburtstag feiern. Los geht es schon im Februar mit einem Konzert.
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sos Irmgarteichen. Wenn ein Wort in Irmgarteichen großgeschrieben wird, dann ist es wohl „Tradition“. Insbesondere verschiedene Brauchtümer des kath. Glaubens haben eine große Bedeutung in dem südlichsten Ortsteil der Keilerkommune, aber auch alljährliche „weltliche“ Veranstaltungen wie der weit über die Grenzen Netphens bekannte Kleintier- und Ökomarkt sind längst nicht mehr wegzudenken. Nun feiern die „Hermedeicher“ ihr 750-jähriges Bestehen. Und bei so einem hohen Alter ist es mit einem Wochenende im Jahr nicht getan, weswegen 2020 gleich fünf Termine im Kalender eingetragen werden dürfen.
Frederico de IrmgengarteichenErstmals erwähnt wurde das idyllische Dorf, das inzwischen 825 Bewohner zählt (Stand Mitte Januar 2019), in einer Urkunde vom 30.

sos Irmgarteichen. Wenn ein Wort in Irmgarteichen großgeschrieben wird, dann ist es wohl „Tradition“. Insbesondere verschiedene Brauchtümer des kath. Glaubens haben eine große Bedeutung in dem südlichsten Ortsteil der Keilerkommune, aber auch alljährliche „weltliche“ Veranstaltungen wie der weit über die Grenzen Netphens bekannte Kleintier- und Ökomarkt sind längst nicht mehr wegzudenken. Nun feiern die „Hermedeicher“ ihr 750-jähriges Bestehen. Und bei so einem hohen Alter ist es mit einem Wochenende im Jahr nicht getan, weswegen 2020 gleich fünf Termine im Kalender eingetragen werden dürfen.

Frederico de Irmgengarteichen

Erstmals erwähnt wurde das idyllische Dorf, das inzwischen 825 Bewohner zählt (Stand Mitte Januar 2019), in einer Urkunde vom 30. August 1270, in der „Frederico de Irmengartechen“ als Ratsherr der Stadt Siegen genannt wird. Über die Entstehung ist nicht allzu viel bekannt, wohl aber, dass sich die Bewohner um die Pfarrkirche St. Cäcilia herum ansiedelten, die im 13. Jahrhundert erbaut wurde.

Verschwundene Eichen

Eine alte Sage beschreibt die Geschichte des Standortes des Gotteshauses:
Die fromme Jungfrau Irmengart gelobte während einer langen Krankheitsphase, sie werde eine Kirche errichten, wenn sie von ihrem Leid erlöst werde. Tatsächlich wurde sie gesund und wollte ihr Versprechen schließlich in die Tat umsetzen. Auf der Anhöhe zwischen den späteren Dörfern Gernsdorf und Irmgarteichen sollte die Kirche entstehen. Einige Eichen waren für das Vorhaben schon gefällt und die Stämme zu dem vorgesehenen Platz transportiert. Bald darauf aber waren diese verschwunden und wurden im Tal aufgefunden. Sie wurden wieder auf der Anhöhe abgelegt, wurden kurze Zeit später aber wieder weiter unterhalb gesichtet. Der Vorgang wiederholte sich mehrere Male, sodass Irmengart dies letztendlich als Zeichen ansah, das Gotteshaus dort zu bauen.

Stifterin der Kirche

Der Wahrheitsgehalt dieser Geschichte ist sicher gering, doch ist sie deutlich unterhaltsamer als der wahrscheinlichere Hintergrund der Namensgebung. So könnte es sich beim Ursprung beispielsweise um eine Stifterin der Kirche gehandelt haben. Fest steht, dass im Jahr 1725 eine neue Kirche auf dem Grund des alten Gebäudes gebaut wurde. 1932 dann wurde das Gotteshaus noch einmal neu errichtet; nur der Turm von 1725 blieb erhalten.

Prozessionen fester Bestandteil

Früher war der Ort, in dem sich seit etlichen Jahren gleich zwei Gaststätten halten, fast ausschließlich von Katholiken bewohnt (außer während des Reformationszeitalters); heute sind laut Stadt Netphen neben 466 katholischen Einwohnern 195 evangelische in Irmgarteichen gemeldet. Fester Bestandteil des Kirchenjahres sind noch immer die Prozessionen am Dreifaltigkeitssonntag (von Irmgarteichen über Werthenbach und Hainchen und zurück) sowie an Fronleichnam (durch Irmgarteichen).

Kreuzweg auf Vordermann gebracht

14 in Bruchsteinmauerwerk gefasste Reliefblöcke bilden den Kreuzweg, der das Leiden Jesu abbildet. Diese wurden 1880 von den Eheleuten Heinrich und Karoline Schäfer geb. Ley gestiftet. 1930 wurden die Blöcke für den Neubau der Kirche der Scheune des Pfarrhauses eingelagert, „wo sie nahezu vergessen wurden“, wie die SZ am 11. April 1974 berichtete. Im Zuge der Teilnahme am Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ entwickelte sich bei der Schützenbruderschaft St. Hubertus die Idee, die Tafeln erneut in den Mittelpunkt zu rücken. Gesagt, getan, doch mit der Zeit machte sich die Witterung bemerkbar. Ende der 80er-Jahre wurden die Sandsteinreliefs von einem Fachunternehmen restauriert und dann in eigene Häuschen gesetzt. Alle übrigen Arbeiten, also das Ausschachten, das Gießen der Fundamente und das Zimmern der Dächer, übernahmen damals die Irmgarteichener selbst in rund 1350 Arbeitsstunden. Noch heute werde der Weg – wenn das Wetter es zulasse – jeden Freitag um 15 Uhr von einer Handvoll Männer und Frauen gegangen, sagt Dorfchronist Heinrich Bruch.

Holzklappern statt Glockenläuten

Ein Brauch, der sich – wenn auch in kleiner Form – bis heute halten konnte, ist das Holzklappern, das an Karfreitag und -samstag das Glockengeläut ersetzt. „Der dumpfe Holzschlag soll an die stillste Zeit der Kartage in den kath. Kirchen erinnern“, hieß es 1985 in der SZ. „Vereinzelt machen die Kinder das noch“, so Heinrich Bruch: Um 6, 12 und 18 Uhr kündigen sie mit ihren „Instrumenten“ die Tageszeit an.
Von Ehrenamt können auch der Sonnenwegverein, der sich um die Pflege des Rundwanderweges kümmert, und der Heimatverein Oberes Johannland ein Lied singen.

Heimatstube und Kleintiermarkt

Im Gründungsjahr 1988 öffnete der Verein die Heimatstube in der alten Volksschule. Nach zwischenzeitlichen Querelen, als eine Aussiedlerfamilie dringend Wohnraum benötigte und der Verein die ehemalige Lehrerwohnung gegen den Willen räumen sollte, renovierten die Mitglieder die Räumlichkeiten 1992, drei Jahre später wurde Eröffnung gefeiert.
Nachdem der traditionelle Viehmarkt in Irmgarteichen vor dem finanziellen Aus gestanden hatte, nahm sich der Heimatverein Anfang der 90er auch diesem an. Im Herbst 1992 ließ er die alte Tradition wieder aufleben; seitdem wird beim Kleintier-, Bauern-, Öko- und Trödelmarkt wieder regelmäßig begutachtet, gefachsimpelt und gefeilscht.

Schützenverein und MGV

Der erste Schützenverein im damaligen Amt Netphen gründete sich in Irmgarteichen. 1958 wurde der Schießstand der Schützenbruderschaft „St. Hubertus“ in Betrieb genommen, zehn Jahre später dann wurde mit einem Neubau begonnen, der 1970 erweitert wurde. Ältester Verein im Ort ist der MGV „Cäcilia“ Irmgarteichen, der bereits 1862 ins Leben gerufen wurde.

"Hermedeicher Jonge"

Ab 1950 zogen die „Hermedeicher Jonge“ jahrzehntelang am „Dretten Chrestach“ durch das Dorf und verlasen Kuriositäten des ablaufenden Jahres. Dabei sammelten sie Würste für eine Suppe ein, die abends gemeinsam verspeist wurde. Im Jahr 2013 aber fand der Umzug zum letzten Mal statt. Der Grund: Nachwuchsprobleme.

Tradition weiterführen

Apropos Nachwuchs: Seit August 2019 sorgt ein Kindergarten der Caritas in der Ortsmitte für die Betreuung von über 70 Kindern, und die Jugendfreizeitstätte KOT im Pfarrheim der kath. Kirchengemeinde St. Cäcilia öffnet viermal die Woche für junge „Hermedeicher“. Eine gute Grundlage dafür, dass die Traditionen und Bräuche auch in den kommenden Generationen im Dorf verankert bleiben.

Das Programm

Das genaue Programm wird noch bekanntgegeben, einen kleinen Überblick für die eigene Terminplanung soll es aber schon vorab geben: 

  • 29. Februar: Eröffnungskonzert in der Pfarrkirche;
  • 28. Juni: Wanderung zur Sommersonnenwende und Dorf-Vorstellung;
  • 29./30. August: Festwochenende im Schützenhaus;
  • 19. September: Seifenkistenrennen;
  • 12./13. Dezember: Weihnachtsmarkt.
Autor:

Sonja Schweisfurth (Redakteurin) aus Siegen

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