SZ

Kapelle auf dem Weg zum Wohnhaus
Die Kirche im Dorf lassen

Heike Dilling und ihr Architekt Dietmar Winkel deuten an, wie breit die Tür an der Südseite der Kapelle vor dem Kompromiss hätte werden dürfen.
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  • Heike Dilling und ihr Architekt Dietmar Winkel deuten an, wie breit die Tür an der Südseite der Kapelle vor dem Kompromiss hätte werden dürfen.
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nja Nenkersdorf. Es gilt, bildlich gesprochen, Kröten zu schlucken: Auf dem Weg, aus der Nenkersdorfer Kapelle ein Eigenheim entstehen zu lassen, haben sich die Münsteraner Denkmalbehörde und Heike Dilling, die das ehemalige Gotteshaus kaufen und in ihr Zuhause umwandeln möchte, offensichtlich auf einen wichtigen Kompromiss geeinigt.

Die Erleichterung darüber war der Geisweiderin anzusehen – aber so ganz unzerknirscht war der Gesichtsausdruck dann auch wieder nicht. Der Knackpunkt: Jene schmale Wand hinter dem früheren Altar – die Sonnenlicht verheißende Südseite. Folgende Frage galt es zu klären: Wie groß darf dort eine neue Glastür ausfallen?
Auflagengerecht Wohnatmosphäre einhauchenWie berichtet, wurde die ev. Kapelle der Kirchengemeinde Deuz im Juni 2020 feierlich entwidmet.

nja Nenkersdorf. Es gilt, bildlich gesprochen, Kröten zu schlucken: Auf dem Weg, aus der Nenkersdorfer Kapelle ein Eigenheim entstehen zu lassen, haben sich die Münsteraner Denkmalbehörde und Heike Dilling, die das ehemalige Gotteshaus kaufen und in ihr Zuhause umwandeln möchte, offensichtlich auf einen wichtigen Kompromiss geeinigt.

Die Erleichterung darüber war der Geisweiderin anzusehen – aber so ganz unzerknirscht war der Gesichtsausdruck dann auch wieder nicht. Der Knackpunkt: Jene schmale Wand hinter dem früheren Altar – die Sonnenlicht verheißende Südseite. Folgende Frage galt es zu klären: Wie groß darf dort eine neue Glastür ausfallen?

Auflagengerecht Wohnatmosphäre einhauchen

Wie berichtet, wurde die ev. Kapelle der Kirchengemeinde Deuz im Juni 2020 feierlich entwidmet. Heike Dilling stellte seinerzeit ihre Pläne für das bisherige Gotteshaus – Baujahr 1956 – vor und wurde von den Nenkersdorfern herzlich willkommen geheißen. Im August erzählte die damals 49-Jährige der SZ mit glänzenden Augen der Vorfreude, wie sie dem nun ja nicht mehr sakralen Gebäude, das allerdings seit dem 18. Juni unter Denkmalschutz steht, auflagengerecht Wohnatmosphäre einhauchen möchte.

„Ursprünglich habe ich von einem scheunentorgroßen Glasausgang an der Altarseite geträumt. Als klar wurde, dass dies nicht mit dem Denkmalschutz vereinbar ist, haben wir eine 5 Meter breite Glasfront mit Tür nach draußen, in den Garten, geplant“, erzählen Heike Dilling und ihr Architekt Dietmar Winkel. Doch auch dies stieß beim Münsteraner Amt für Denkmalpflege auf eine Absage. Die Behörde sprach vielmehr von einer Türbreite von 1,20 Metern. Der Kompromiss sieht nun Folgendes vor: Aus 5 Metern werden 2,90 Meter – und die beiden Kirchenfenster mit buntem Glasmosaik müssen darüber erhalten bleiben.

Als Kirche unter Denkmalschutz

„Das Gebäude steht als Kirche unter Denkmalschutz“, erläutert der Architekt das Problem: „Es muss als Kirche erkennbar bleiben – außen und auch innen. Das ist schon ein wenig merkwürdig. Denn wenn Frau Dilling hier eingezogen ist, ist das Gebäude innen doch nur noch privat genutzt.“ Klar war von vornherein: Der Turm und auch die großen Buntglasfenster zur Sieg-Lahn-Straße hin bleiben erhalten.
Die beiden Fenster hinten raus, zum Bach hin, darf Heike Dilling bodentief ziehen und mit Klarglas ausstatten. „Ich möchte natürlich Sonnenlicht im Wohnraum haben und auch hinausschauen können“, betont die „Vertrieblerin“ im Außendienst, die aus gutem Grund bislang noch keinen Kaufvertrag unterzeichnet hat – dies aber sehr gerne mit einem guten Gefühl tun möchte. „Das geschieht aber erst, wenn ich alle Stempel unter der Baugenehmigung habe.“

Aus dieser Kapelle soll bald ein Wohnhaus entstehen.
  • Aus dieser Kapelle soll bald ein Wohnhaus entstehen.
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Seit Oktober 2019 ist sie mit dem Projekt gedanklich beschäftigt. Eigentlich hatte sie im Spätherbst vergangenen Jahres ihren 50. Geburtstag in der entwidmeten Kapelle feiern wollen. Trug sie sich zwischendurch mit dem Gedanken, das Handtuch zu werfen? „Ja, vor Weihnachten hab ich echt gedacht: Ich will nicht mehr! Ich habe schlecht geschlafen, und ich war es leid. Ich habe mich ernsthaft gefragt: Ist es das wert? Wie groß wird die Anstrengung sein – und macht das alles überhaupt Sinn?“

Möglichst wenig in Gebäudesubstanz eingreifen

Nun also scheint die Unterschrift unter den Kaufvertrag in greifbare Nähe gerückt zu sein. Wie das LWL-Amt für Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen auf Anfrage mitteilt, werde bei entwidmeten Gotteshäusern immer individuell entschieden, was möglich und nötig sei. Es gehe wie im Falle der Nenkersdorfer Kapelle darum, den Denkmalwert zu erhalten, möglichst wenig in die Gebäudesubstanz einzugreifen – und dennoch eine Weiternutzung zu ermöglichen: Zwischen diesen beiden Polen gelte es Entscheidungen zu treffen.

Heike Dilling und ihr Architekt Dietmar Winkel deuten an, wie breit die Tür an der Südseite der Kapelle vor dem Kompromiss hätte werden dürfen.
Aus dieser Kapelle soll bald ein Wohnhaus entstehen.
Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

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