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3 Millionen werden nicht einfach abgelehnt
Diskussion über Eishalle kehrt zurück

Der Deckel ist noch nicht ganz drauf: Die Diskussion um die Zukunft der Eishalle Netphen kehrt zurück.
  • Der Deckel ist noch nicht ganz drauf: Die Diskussion um die Zukunft der Eishalle Netphen kehrt zurück.
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  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

js Netphen. Manche Nachrichten sind einfach zu schön, um wahr zu sein. So wie diese hier: Ein warmer Geldregen soll über Netphen niedergehen und 3 Millionen Euro in den Stadtsäckel spülen – der Bund lässt die Keilerkommune kräftig in einen Fördertopf greifen, um ihre Eissporthalle zu sanieren. Mit dieser frohen Kunde sorgte Volkmar Klein, Bundestagsabgeordneter der CDU, am Mittwochnachmittag für eine waschechte Überraschung in seinem Heimatwahlkreis – und Lobeshymnen in den sozialen Netzwerken. Aber Moment mal, da war doch was? Ist die Schlittschuhanlage in Netphen nicht in der vergangenen Wintersaison erst komplett auf Eis gelegt worden?

In der Tat.

js Netphen. Manche Nachrichten sind einfach zu schön, um wahr zu sein. So wie diese hier: Ein warmer Geldregen soll über Netphen niedergehen und 3 Millionen Euro in den Stadtsäckel spülen – der Bund lässt die Keilerkommune kräftig in einen Fördertopf greifen, um ihre Eissporthalle zu sanieren. Mit dieser frohen Kunde sorgte Volkmar Klein, Bundestagsabgeordneter der CDU, am Mittwochnachmittag für eine waschechte Überraschung in seinem Heimatwahlkreis – und Lobeshymnen in den sozialen Netzwerken. Aber Moment mal, da war doch was? Ist die Schlittschuhanlage in Netphen nicht in der vergangenen Wintersaison erst komplett auf Eis gelegt worden?

In der Tat. Der satte Zuschuss aus dem Sanierungsprogramm für kommunale Sport-, Jugend- und Kulturstätten mag verlockend klingen, er kommt aber eigentlich zu spät – und passt auch gar nicht in die aktuelle Beschlusslage vor Ort. Denn: Auch wenn die Stadt im vergangenen Jahr abermals einen Antrag auf Förderung gestellt hat – einige waren zuvor im Sande verlaufen –, so haben die Entscheidungsträger schlussendlich einen Rückzieher gemacht. Ein Wirtschaftlichkeitsgutachten hat der Stadt attestiert, dass sie sich mit der Eissporthalle einen ziemlich teuren Spaß leistete – eine Attraktion, in die dauerhaft reingebuttert werden muss.

Antrag im Dezember zurückgenommen

Der Rat zog die Notbremse. Am 10. Dezember beschloss er mit großer Mehrheit, die Eissporthalle an den Nagel zu hängen. Auf vier Tage später datiert ist ein Schreiben von Bürgermeister Paul Wagener, in dem er konsequenterweise den Förderantrag auf das Projekt „Beach and Ice 57“ zurücknimmt. „Nach Einstellung einer Markt-/Kosten-Analyse sowie Wirtschaftlichkeitsuntersuchung für die Eissporthalle Netphen musste festgestellt werden, dass die Kosten für den Betrieb der geplanten Anlage durch die Stadt Netphen nicht dauerhaft getragen werden kann“, begründet der Verwaltungschef gegenüber den Fördergebern.

"Ich halte loyal zum bestehenden Ratsbeschluss."
- Netphens Bürgermeister Paul Wagener

Ob dieser Brief jemals an seinem Ziel angekommen ist, ließ sich bislang nicht verifizieren. Laut Bürgermeister wurde er auf dem guten alten Postweg auf die Reise geschickt – adressiert an das Berliner Postfach des zuständigen Projektträgers, das Forschungszentrum Jülich.

„Ich halte loyal zum bestehenden Ratsbeschluss“, sagt Paul Wagener, der selbst nicht hinter dieser Mehrheitsentscheidung gestanden habe. Mit den nun in Aussicht gestellten 3 Millionen Euro sei die Finanzierung der Netphener Eissport-Zukunft ohnehin noch nicht erledigt. Der beim Förderantrag genannte Eigenanteil von 850 000 Euro werde mutmaßlich nicht ausreichen. Zudem fehlten die notwendigen Personalkapazitäten im Rathaus, viereinhalb Zusatzstellen seien nicht genehmigt worden, so Paul Wagener – die seien aber nötig für ein Vorantreiben des Eishallen-Projekts.

„Die 3 Millionen würden nur so dahin schmelzen.“ Auch die jährlichen Folgekosten müssten gestemmt werden, mit einer runden Million Euro müsse man rechnen, gibt der Bürgermeister zu bedenken und lässt das Wort Steuererhöhung fallen. Ohne eine solche die gehe es seiner Meinung nach nicht.

Förderbescheid soll nicht sofort im Müll landen

Zwei Fragen bleiben: Wie geht Netphen nun mit dem versprochenen Geldsegen um – und was ist aus dem Rücknahme-Schreiben geworden? Über den Umgang mit dem Berliner „Überraschungsei“ sprach Wagener am Donnerstagnachmittag mit den Fraktionsvorsitzenden. „Eine Förderung gegen den erklärten Willen des Stadtrates wäre mehr als unüblich“, hatte er noch am Mittag mitteilen lassen. Und genau deshalb soll dieser nun noch einmal zu Wort kommen.

Nach intensiver Diskussion einigten sich die Fraktionschefs und der Bürgermeister am frühen Abend darauf, dass der Föderbescheid nicht sofort in der Tonne landen soll, wenn er eintrifft. „Wir werden dann genau nachsehen, welche Bedingungen darin festgeschrieben sind“, so Wagener. In einer Sondersitzung des Rates soll dann rasch darüber beraten werden, ob das Projekt noch einmal auf den Prüfstein kommt. Dabei sollen der Finanzbedarf transparent gemacht und Folgekosten dargestellt werden.

Teures Alleinstellungsmerkmal

Wichtiger Punkt: Es soll eine Beteiligung der Bürger geben. „Die Euphorie, die durch die Nachricht aus Berlin ausgelöst wurde, soll auf einer sachliche Ebene diskutiert werden.“ Die Frage müsse sein: „Können und wollen wir uns dieses Alleinstellungsmerkmal angesichts der mit ihm verbundenen Kosten leisten?“ Möglicherweise müsse auch noch einmal externe Expertise eingeholt werden.

Was den Verbleib des Förder-Rückziehers angeht, ließ sich noch nicht genau klären. Irgendwo hat es mit der Kommunikation nicht funktioniert – irgendwo zwischen Netphen und Berlin mag das Schreiben verloren gegangen sein.

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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