SZ

Nach einer Woche Uni: Erstsemesterstudent Joshua Sting zieht Resümee
Ein Sprung ins kalte Wasser

„Ziemlich orientierungslos“ ging das erste Semester für Joshua Sting aus dem Netphener Stadtteil Beienbach los.
  • „Ziemlich orientierungslos“ ging das erste Semester für Joshua Sting aus dem Netphener Stadtteil Beienbach los.
  • Foto: Alexandra Pfeifer
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

ap Beienbach. „Ziemlich orientierungslos“ ging das erste Semester für Joshua Sting aus Beienbach bei Netphen los. Inmitten seiner Findungsphase sei er „komplett ins kalte Wasser geworfen“ worden, erzählt der 24-Jährige, der zuvor eine Berufsausbildung zum Kaufmann für Büromanagement bei der SPD gemacht hat. Der BWL-Ersti bemängelt: „Die Vorabinformationen hätten schon etwas klarer sein können.“ Erste Unsicherheiten seien bereits vor und in der Einführungswoche aufgekommen.
„Ganz flexibel Seminarinhalte anschauen“Die Erklärungsvideos hätten ahnungslosen Uni-Neulingen zwar gezeigt, wie man sich für Veranstaltungen anmelden kann, die erste Belegungsphase war zu diesem Zeitpunkt aber schon abgeschlossen.

ap Beienbach. „Ziemlich orientierungslos“ ging das erste Semester für Joshua Sting aus Beienbach bei Netphen los. Inmitten seiner Findungsphase sei er „komplett ins kalte Wasser geworfen“ worden, erzählt der 24-Jährige, der zuvor eine Berufsausbildung zum Kaufmann für Büromanagement bei der SPD gemacht hat. Der BWL-Ersti bemängelt: „Die Vorabinformationen hätten schon etwas klarer sein können.“ Erste Unsicherheiten seien bereits vor und in der Einführungswoche aufgekommen.

„Ganz flexibel Seminarinhalte anschauen“

Die Erklärungsvideos hätten ahnungslosen Uni-Neulingen zwar gezeigt, wie man sich für Veranstaltungen anmelden kann, die erste Belegungsphase war zu diesem Zeitpunkt aber schon abgeschlossen. Nachdem der Stundenplan für die zweite Phase dann erstellt und alle Seminare ohne Überschneidungen belegt waren, habe es – und gebe es nach wie vor – einige terminliche Umstrukturierungen der Veranstaltungen gegeben, berichtet der Beienbacher. Teilweise überschnitten sich jetzt Seminare – wegen des digitalen Semesters sei das aber halb so wild. „Man kann nämlich ganz flexibel die Seminarinhalte anschauen“, lobt der Betriebswirtschaftslehre-Student. Und auch aus technischer Sicht seien die Online-Veranstaltungen größtenteils „wirklich gut“ aufbereitet. „Zwei Fächer in meinem Stundenplan sind vorgescriptet mit Videos von vergangenen Semestern. Häufig werden die Vorlesungen aber auch über Zoom (eine Plattform für Videotelefonie, Anm. d. Red.) gehalten“, erklärt Joshua.

Unter dem Deckmantel der Anonymität

Bei den virtuellen Meetings könne man über eine Chat-Funktion mit anderen Teilnehmern interagieren. „Es gibt sogar einige Dozenten, die dort auf Rückfragen von uns eingehen“, erzählt er begeistert, „aber oft wird da auch viel Unsinn reingeschrieben, das muss man wirklich sagen.“ Unter dem Deckmantel der Anonymität führten Studenten teilweise Unterhaltungen fernab von Seminarinhalten, beleidigten unter einem Nicknamen andere Gesprächsteilnehmer und „trollten“ herum, das heißt, provozierten andere Teilnehmer im öffentlichen (Zoom-)Raum. „Das sind aber dann die Leute, die ihr Studium nicht ernst nehmen“, vermutet der Mittzwanziger. Er hingegen habe von Beginn an gewusst, was ihn (inhaltlich) erwarte. Auch hatte er durch seine Berufsausbildung und sein wirtschaftliches Abitur bereits eine konkrete Vorstellung von den Studieninhalten.

Studium – eine Investition „in sich selbst“

Was Joshua dennoch nach wenigen Sitzungen feststellen musste: Der Stoffumfang an einer Universität ist deutlich größer als an einer Wirtschaftsschule. „Bei einer Vorlesung von 90 Minuten kann man schon so mit zwei bis vier Stunden Nachbereitung rechnen“, so seine Erfahrung. Und das läppert sich bei all den Online-Seminaren: „Da muss man sich schon extrem gut selbst motivieren können. Schon nach einer Woche ist mir bewusst geworden, welcher Verantwortung ich gegenüberstehe und wie wichtig eine gute Selbstorganisation ist.“ Die Verlockung sei groß, zu Hause auch andere Dinge zu tun, als Vorlesungen anzuschauen und am Schreibtisch zu büffeln, gibt er zu. Doch eines habe er schon jetzt verstanden: „Man investiert im Studium in erster Linie in sich selbst.“
Deshalb ist er aber trotzdem kein Einzelkämpfer. Joshua vermisst das „richtige Studiengefühl“ und den Kontakt zu seinen Kommilitonen. „Die Situation ist deprimierend. Ich kenne einfach keine einzige Person aus meinem Studiengang“, erzählt er enttäuscht. Kurze Chats können das persönliche Kennenlernen, gemeinsame Biertrinken und ausgelassene Mittwochs-Feiern einfach nicht ersetzen, findet er. „Aber ich verstehe natürlich, dass all meine Präsenzveranstaltungen jetzt online stattfinden. Der Uni kann man nichts vorwerfen. Schade ist es aber trotzdem.“

Autor:

Alexandra Pfeifer

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Folgen Sie diesem Profil als Erste/r
ThemenweltenAnzeige

Tablet-Aktion der Siegener Zeitung
SZ-Abo abschließen und Tablet sichern

Mit einem Abo der Siegener Zeitung kommen Sie jetzt gleichzeitig auch an ein Tablet Ihrer Wahl. Immer und überall informiert mit dem E-Paper... lesen, wo ich will; ... über die Suchfunktion schnell finden, was mich interessiert; ... gleicher Inhalt in praktischer Form; ... mit Zoomfunktion. Jetzt exklusiv: die Tablet-Bundle-Aktion  Beinahe geschenkt: Erhalten Sie kostengünstig ein Tablet Ihrer Wahl bei Abschluss eines Abos der Siegener Zeitung. Möchten Sie Ihr neues Tablet gleich zum Lesen...

Kommentare

Kommentare sind deaktiviert.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen