Ein Stück aus dem siebten Sanatorien-Himmel

»The Netwoods« gaben »Pension Schöller« in Eschenbach

sib Eschenbach. Einen lang gehegten Traum erfüllte sich die Netphener Theatergruppe »The Netwoods« mit der Inszenierung der »Pension Schöller« von Carl Laufs und Wilhelm Jacoby. Zu sehen war das Stück jetzt im Bürgerhaus in Eschenbach, sozusagen »Stammesland« der Theatergruppe. Rechtliche Fragen und gleichzeitige Aufführungen standen dem Projekt bislang entgegen, doch jetzt konnten die seit 1999 agierenden »Netwoods« endlich losschlagen. Dafür hatten sie sich auch ganz besondere Mühe gegeben, was man schon an der Ausstattung sah: Von der Federboa bis zum Reklame-Blechschild an der Wand stimmte alles bis ins kleinste Detail.

Das durch inzwischen in vier Großaufführungen und zahlreiche Sketche erworbene Theater-Wissen kam dem Ensemble auch diesmal zugute und zahlte sich durch flüssiges Spiel, mimische Prägnanz und saubere Artikulation aller Beteiligten aus. Das Stück aus den 20er Jahren spielt in Berlin. Hier will der reiche Rentner Phillip Klapproth vom Lande etwas ganz Besonderes erleben – nämlich einen Besuch in einer Nervenheilanstalt. Sein Neffe Alfred soll ihm den Besuch ermöglichen, dafür will Philipp sein Künstlercafé-Projekt finanzieren. Dank des Einfallsreichtums eines pfiffigen Kellners greift Alfred in seiner Not zu einer List, führt den Oheim in eine ganz normale Pension, deren Gäste aber so viele Marotten und Schrullen haben, dass sich der Onkel im siebten Sanatorien-Himmel wähnt. Doch wer letztendlich irre ist und wer als geheilt aus dem Verwirrspielchen entlassen werden kann, zeigt sich auf ganz andere Weise als ursprünglich gedacht.

Das Stück besticht vor allem durch viel Wortwitz und jede Menge schräge Vögel. Die liebevoll ausstaffierte Kulisse der Goldenen 20er Jahre tut ihr Übriges, um dem Theaterbesucher die Zeit wie im Fluge vergehen zu lassen. Daran nicht ganz unschuldig sind die Akteure: Zum Beispiel Wolfgang Meiswinkel in der Rolle des quietschfidelen Rentners Philipp Klapproth. Seinem schwärmerisch veranlagten Neffen Alfred hauchte Sven Braun jede Menge Leben ein. Die textlich härteste Rolle im ganzen Stück hatte Iris Reinschmidt übernommen, die als Schauspielschülerin Eugenia Schöller aufgrund einer traumatischen Kindheitserfahrung jedes »L« wie ein »N« ausspricht. Ozrenka Djordjic gab den pfiffigen Kellner, der sich später als Schöller-Tochter und Alfred-Flamme Franziska entpuppt, mit viel Geschick. Auch die kleineren Rollen waren mit Barbara Graf (Ida Klapproth), Christel Kurpanek (Pensionschefin Schöller), Birgit Becker (Josephine Zillertal), Eckhard Reinschmidt (Professor Bernhardy) und Thomas Utsch nebst Christian Schmitz (Major von Mühlen) sorgfältig und aufs Beste besetzt worden.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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