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Werthenbacher verabschieden sich von Altsohlstätten
Es folgt der Zusammenschluss mit zwei Waldgenossenschaften

Die Altsohlstätten in Werthenbach sind die letzten im Kreis Siegen-Wittgenstein. Laut Ratsbeschluss sollen diese nun abgelöst werden – dafür müssen sich die Altsohlstättenberechtigten zunächst mit der Stadt Netphen über die Flächenzuteilung einig werden.
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  • Die Altsohlstätten in Werthenbach sind die letzten im Kreis Siegen-Wittgenstein. Laut Ratsbeschluss sollen diese nun abgelöst werden – dafür müssen sich die Altsohlstättenberechtigten zunächst mit der Stadt Netphen über die Flächenzuteilung einig werden.
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sos Werthenbach. „Ich trage die Altsohlstätten zu Grabe, einfach ist das nicht.“ Reinhard Koop zeigt auf den Wald am gegenüberliegenden Berg: „Das gehört alles dazu – und noch viel mehr!“ Seit 2009 ist er Vorsteher der Altsohlstätten Werthenbach, auch sein Vater hatte diese Position schon inne. Nun aber soll es diese alte Art des Nutzungsrechtes nicht mehr geben. Sowohl die entsprechenden Werthenbacher Familien als auch die Stadt Netphen haben sich dazu entschieden; per Ratsbeschluss ist nun die Bezirksregierung Arnsberg damit beschäftigt, die Ablösung vorzubereiten.
Vor gut 50 Jahren schon einmal ThemaBei Altsohlstätten handelt es sich um Flächen, die in diesem Fall der Stadt Netphen gehören und von den Werthenbachern genutzt werden, vor allem werden sie als Hauberg bewirtschaftet.

sos Werthenbach. „Ich trage die Altsohlstätten zu Grabe, einfach ist das nicht.“ Reinhard Koop zeigt auf den Wald am gegenüberliegenden Berg: „Das gehört alles dazu – und noch viel mehr!“ Seit 2009 ist er Vorsteher der Altsohlstätten Werthenbach, auch sein Vater hatte diese Position schon inne. Nun aber soll es diese alte Art des Nutzungsrechtes nicht mehr geben. Sowohl die entsprechenden Werthenbacher Familien als auch die Stadt Netphen haben sich dazu entschieden; per Ratsbeschluss ist nun die Bezirksregierung Arnsberg damit beschäftigt, die Ablösung vorzubereiten.

Vor gut 50 Jahren schon einmal Thema

Bei Altsohlstätten handelt es sich um Flächen, die in diesem Fall der Stadt Netphen gehören und von den Werthenbachern genutzt werden, vor allem werden sie als Hauberg bewirtschaftet. Am 25. Mai 1860 wurden die Parzellen an die damaligen Häuser in Werthenbach verteilt. Während die übrigen, damals noch selbstständigen Gemeinden im Netpherland sich schon vor Jahrzehnten von diesem Nutzungsrecht verabschiedet haben, hat das Dorf im Johannland diesen Schritt offenbar versäumt. Laut Verwaltung sei die Ablösung 1967 zwar beschlossen worden, doch zu einer Umsetzung sei es nie gekommen.

Zusammenschluss mit Komplex A und C

Immer wieder habe das Thema im Raum gestanden, so Koop, im September 2018 sei es bei einer Versammlung erneut auf den Tisch gekommen. Damals hätten sich die Altsohlstätter aber noch dagegen entschieden. „Wir wollten eigentlich eigenständig bleiben“, erinnert er sich. Nur wenige Monate später habe sich eine große Mehrheit (19 Ja-, zwei Neinstimmen) nach Ausführungen der Bezirksregierung jedoch für die Ablösung und gleichzeitig den Zusammenschluss mit den beiden größten Waldgenossenschaften in Werthenbach, Komplex A und C, ausgesprochen. Zum einen müsse so nicht extra eine zusätzliche Genossenschaft gegründet werden, erklärt Reinhard Koop, zum anderen sei die Zusammenlegung auch für die Vermarktung des Holzes gut.

Eigentumsrecht schaffen

„Die Werthenbacher sind die letzten Altsohlstättenberechtigten, die wir noch haben“, so Bernd Schönling, Fachbereichsleiter Liegenschaften und Immobilienservice der Stadt Netphen. Mit der Ablösung würden jetzt endlich Eigentumsrechte geschaffen. So sei es den Familien dann auch möglich, Flächen zu verkaufen – bislang darf das Nutzungsrecht der insgesamt 23 Anteile nur vererbt werden.
Zunächst müssen die genauen Flächen jedoch definiert werden. Damit ist die Bezirksregierung derzeit beschäftigt. Dann bekommt die Stadt ein Drittel der entsprechenden Bereiche, die Altsohlstätter erhalten zwei Drittel. „Sie haben ihr Eigentum dann endlich im Grundbuch“, zeigt Schönling den Vorteil für die Werthenbacher auf. „Hauptsache, es wird kein Flickenteppich“, hofft Reinhard Koop auf eine gute Aufteilung.

Flickenteppich vermeiden

Laut der Unterlagen von vor rund 50 Jahren, als schon einmal eine Ablösung stattfinden sollte, geht es um 170 Morgen, umgerechnet 42,5 Hektar. Einige Flächen befinden sich in Richtung Nenkersdorf, andere zum Lahnhof hin, wieder andere grenzen an die Werthenbacher Wohnbebauung. „Alles, wo Bäume draufstehen, möchten wir gerne behalten“, sagt Koop, allein wegen des Zusammenschlusses mit den Waldgenossenschaften. Die Wiesen aber, zum Beispiel Rummwäldchen und Gosewiese, seien für die Waldbewirtschafter von wenig Nutzen. Zudem sei es sinnvoll, den Werthenbachern solche Flächen zuzuschreiben, die beispielsweise zwischen Komplex A und C liegen, damit eben kein Flickenteppich entstehe. „Da müssen wir uns einig werden.“
Die Verwaltung erklärte dazu bereits in der entsprechenden Vorlage: „Die Aufteilung der dem Nutzungsrecht unterliegenden Grundstücke erfolgt grundsätzlich nach dem Gesichtspunkt, dass die Altsohlstättenberechtigten nach Möglichkeit eine zusammenhängende Waldfläche erhalten und dass die Stadt die ortsnahen Flächen behält.“

Bezirksregierung errechnet die Flächen

Ungewissheit herrscht seitens der Altsohlstätter bezüglich solcher Bereiche, die irgendwann im Laufe der Jahre bebaut wurden. Der Platz, auf dem das Bürgerhaus stehe, sei so einer, erklärt Koop. Fallen die entsprechenden Quadratmeter aus der Berechnung raus? Dafür werde die Bezirksregierung eine Lösung finden, ist er sicher.
Bis diese jedoch zu einem Ergebnis kommt, wird es eine Weile dauern: Alte Karten würden gewälzt, gegebenenfalls vor Ort vermessen, dann müsse noch der Wert der jeweiligen Flächen festgestellt werden – all das nehme Zeit in Anspruch, erläutert Christoph Söbbeler von der Pressestelle der Bezirksregierung. Auch Bernd Schönling rechnet damit, dass bis zur vollständigen Ablösung noch ein bis eineinhalb Jahre vergehen werden.
Ob Werthenbach im Kreis Siegen-Wittgenstein der letzte Ort mit Altsohlstättenbesitz ist, konnte nicht ganz geklärt werden. Die Bezirksregierung geht davon aus; laut Katasteramt des Kreises sind hingegen noch sieben eingetragen. Es sei jedoch möglich, dass diese sich bereits in einem Ablöseverfahren befänden, so Manuel Freudenstein von der Pressestelle.

Autor:

Sonja Schweisfurth (Redakteurin) aus Siegen

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