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Familienvater und Feuerbeherrscher

„Ohne grillen“, sagt Thorsten Prust, „geht bei mir heute gar nichts mehr.“ Er hat sein Hobby zum Beruf gemacht und gibt im SZ-Interview Einblicke in die große weite Welt des Grillens.
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  • „Ohne grillen“, sagt Thorsten Prust, „geht bei mir heute gar nichts mehr.“ Er hat sein Hobby zum Beruf gemacht und gibt im SZ-Interview Einblicke in die große weite Welt des Grillens.
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sabe Afholderbach. Der Ketchup ist sein größter Feind. Thorsten „Totti“ Prust, 47, für den „ohne grillen gar nichts mehr geht“, hat seine Leidenschaft vor einigen Jahren zum Beruf gemacht. Seit 2014 ist er, wenn nicht gerade eine Pandemie ist, als Weber-Grillmeister unterwegs, bietet für private Anlässe, Firmenfeiern, Junggesellenabschiede – solche Sachen – Spezialseminare an, die je nach Anliegen ganz individuell gestalten werden können.

Nur einem Wunsch wird er dabei nicht nachkommen. Auch nicht, wenn man ganz lieb fragt. „Es gibt keine Fertigsauce zum Steak“, sagt er. „Die machen wir schön selber. Ist ja auch ruck zuck gemacht.

sabe Afholderbach. Der Ketchup ist sein größter Feind. Thorsten „Totti“ Prust, 47, für den „ohne grillen gar nichts mehr geht“, hat seine Leidenschaft vor einigen Jahren zum Beruf gemacht. Seit 2014 ist er, wenn nicht gerade eine Pandemie ist, als Weber-Grillmeister unterwegs, bietet für private Anlässe, Firmenfeiern, Junggesellenabschiede – solche Sachen – Spezialseminare an, die je nach Anliegen ganz individuell gestalten werden können.

Nur einem Wunsch wird er dabei nicht nachkommen. Auch nicht, wenn man ganz lieb fragt. „Es gibt keine Fertigsauce zum Steak“, sagt er. „Die machen wir schön selber. Ist ja auch ruck zuck gemacht.“ Die gleiche Mentalität übrigens bei Marinaden: Der Geschmack des Grillguts (und das bricht dem Profi sichtbar das Herz), trete viel zu oft in den Hintergrund, alles werde mit Saucen überladen. „Du siehst ja vor lauter Marinade manchmal das Fleisch darunter gar nicht.“ Das Grundprodukt, sagt er, könne man sich so komplett zunichte machen. Erste goldene Grillregel also: Weniger ist manchmal mehr.

Wirklich gutes Fleisch in der Region

Außerdem wirbt Prust dafür, auf die Qualität der Produkte zu achten, gerade hier in der Region gebe es ja auch wunderbare Möglichkeiten, wirklich gutes Fleisch, beispielsweise direkt von den Hofläden, zu bekommen. Viel Schnickschnack hat er heute also nicht dabei. In einer Schüssel liegen Champignons, die will er mit Frischkäse, Kräutern und Parmaschinken füllen, das Highlight, ein australisches Rinderfilet, soll später „nur mit ein wenig Grillpfeffer“ gewürzt werden. „Mehr brauchen wir dazu nicht.“ Keine Saucen, sondern natürlich. Prust bleibt sich treu. Zweite goldene Grillregel also: Qualität macht Geschmack.

Seit ziemlich genau vier Jahren hat Prust die Küche nicht mehr benutzt. Zumindest die im hübsch verklinkerten Familienhaus nicht. Mit einem guten Grill sagt er, könne man alles machen, was man auch in einer Küche machen kann. Garen, grillen, rösten, backen, dünsten. Wenn man sich anhört, was Prust auf dem Rost so alles zaubern kann, kommt einem die Bratwurst ganz schön „basic“ vor. Ob Muscheln, Pizza oder ein süßer Crumble – es gibt nichts, was er nicht grillt. „Und man muss drinnen nicht putzen“, lacht er.

Bedürfnisse muss man kennen

Zum Kochen zieht es ihn also an seine Feuerstellen. Und er hat viele davon. Draußen, auf dem Balkon steht ein Exemplar, sogar überdacht, da kann auch Siegerländer Starkregen nichts, oder ein paar Schritte weiter, hin zu Gartenhütte, wo eine stattliche Outdoor-Küche wartet. „Papas Reich“ steht an der Holzfassade angeschlagen. Hat Thorsten Prust sein Territorium einmal betreten, ist er in seinem Element. Familienvater und Feuerbeherscher. Gasgrill links, Holzkohlegrill rechts, für ihn gibt es kein entweder oder, kein besser oder schlechter – und damit eine dritte goldene Grillregel: „Man muss seine Bedürfnisse kennen.“ Was will ich in welchem Umfang, mit welchem Zeitaufwand auf den Rost schmeißen?

Das sieht doch einfach nur zum Anbeißen aus: Champignonsmit Frischkäse, Kräutern und Parmaschinken gefüllt und dazu noch ein australisches Rinderfilet,
  • Das sieht doch einfach nur zum Anbeißen aus: Champignonsmit Frischkäse, Kräutern und Parmaschinken gefüllt und dazu noch ein australisches Rinderfilet,
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Die Spielwiese zum Austoben in Form, Funktion und Farbe ist riesig. Der Preis passt sich an.
Mit dem passenden Grill ist es, wie fast immer im Leben: Es gibt nichts, was es nicht gibt. Von 70 Euro bis 7000 Euro ist alles dabei. Wenn man die schnelle Hitze will, eine bessere Temperaturregulierung oder auf die Rauchentwicklung verzichten möchte, weil man vielleicht in der Stadt auf seinem kleinen Balkon den Grill anschmeißen möchte, dann empfiehlt der Profi allerdings die Gas-Variante. „Die ist auch gut für die Terrasse geeignet.“ Das Wichtigste allerdings, das gilt für Gas wie Holzkohle gleichermaßen (und ist damit die vierte goldene Grillregel): „Der Grill braucht einen Deckel, sonst ist es kein richtiger Grill.“ Die Erklärung: Das grundsätzliche Prinzip des Grillens basiert auf Ober- und Unterhitze.“

Grill-App gibt Alarm

Der Profi entscheidet sich mit seinem australisches Rinderfilet für die Gas-Variante, ein schweres Weber-Modell, Genesis, drei Brenner mit einer sogenannten „Sear Zone“(ein zusätzlicher Brenner für besonders starke Hitze), das schöne Stück Fleisch kommt für das besondere Branding und das richtige Aroma kurz in die Zone mit der direkter Hitze, 350 Grad, um dann bei niedriger Hitze, Prust nennt das den „indirekten Bereich“, weiter zu garen. Dort liegt es dann vis a vis zu den Champions, bis es seine 55 Grad erreicht. Die misst Prust mit einem Einstichthermometer. Und das kann er sogar mit seinem Handy verbinden. Eine extra Grill-App gibt Alarm, wenn das Filet vom Feuer muss. Fünfte goldene Grillregel also: Die Grillfläche in direkte und indirekte Hitze einteilen. Die sechste: Gadgets wie ein Grillthermometer machen das Leben leichter und das Fleisch rosiger.

So sieht das fertige australische Rinderfilet aus, das bei 55 Grad gegart wurde.
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Nicht die ganze Zeit vorm Rost stehen zu müssen, sondern, während parallel das Essen fertig wird, Zeit für einen gemütlichen Wein oder ein Bierchen mit Freunden zu haben, das, sagt Prust, mache für ihn den Begriff „modernes Grillen“, der gerade zu Lifestyle und Lebensgefühl werde. „Grillen ist schon sehr beliebt und wird immer beliebter.“ Weil das Spektrum eben so groß sei, von der Garagenparty bis zum Fünf-Gänge-Menü alles möglich und vom Veganer bis zum Fleischliebhaber für jeden etwas auf die Fläche passt. Gerade während der Pandemie beobachte er, dass die Grillfreuden noch ausgefallener, noch kreativer werden. Die Leute hätten ja auch Zeit. „Grillen ist mehr als nur Steaks und Würstchen. Wichtig ist, sich auszuprobieren.“

So ist die Rechtslage Das Grillen auf dem Balkon oder der Terasse ist grundsätzlich erlaubt. Wenn aber im Mietvertrag explizit ein Verbot steht, sollten sich die Mieter daran halten. Auch wenn die Wohnbedigungen der Nachbarn durch den Qualm beeinträchtigt werden, kann das Grillen im Nachhinhein verboten werden. Rechtsexperten empfehlen, vom Holzkohlegrill auf einen Gas- oder Elektrogrill umzusteigen, damit Nachbarn weniger gestört werden. Bei Wohnungseigentum gilt ebenfalls Gebot der Rücksichtnahme, ebenso wie im Garten.
Autor:

Sarah Benscheidt (Redakteurin) aus Siegen

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