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Alternativen zum eigenen Auto
Firma Invers aus Dreis-Tiefenbach rüstet weltweit Carsharer aus

Antonio Garcia vom Hardware-Team analysiert einen elektrogetriebenen Fiat 500. Die Autoinformationen sollen in die CloudBoxx münden.
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  • Antonio Garcia vom Hardware-Team analysiert einen elektrogetriebenen Fiat 500. Die Autoinformationen sollen in die CloudBoxx münden.
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  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

goeb Dreis-Tiefenbach. 22 oder 23 Stunden am Tag steht es nur herum – des Deutschen liebstes Kind: unser Auto. Die Firma Invers in Dreis-Tiefenbach würde das gern ändern. Der "Schlüssel" dazu findet auf einer ausgestreckten Hand Platz und wiegt wenige Hundert Gramm. Die CloudBoxx ist das Flaggschiff des heimischen Hardware- und Software-Herstellers mit Geschäftsaktivitäten in 50 Ländern der Erde. Zu den Kunden, berichtet der Leiter des Projektmanagements und Supports, Thomas Otto, zählen die Deutsche Bahn ebenso wie die Car-Sharing-Unternehmen Share Now (ein Joint Venture von BMW Group und Daimler AG), Cambio oder Miles Mobility.
Verleiher bestimmt über erfasste DatenUnten in der Werkstatt analysiert Antonio Garcia vom Hardware-Team gerade einen flammneuen Fiat 500 sowie einen Mercedes.

goeb Dreis-Tiefenbach. 22 oder 23 Stunden am Tag steht es nur herum – des Deutschen liebstes Kind: unser Auto. Die Firma Invers in Dreis-Tiefenbach würde das gern ändern. Der "Schlüssel" dazu findet auf einer ausgestreckten Hand Platz und wiegt wenige Hundert Gramm. Die CloudBoxx ist das Flaggschiff des heimischen Hardware- und Software-Herstellers mit Geschäftsaktivitäten in 50 Ländern der Erde. Zu den Kunden, berichtet der Leiter des Projektmanagements und Supports, Thomas Otto, zählen die Deutsche Bahn ebenso wie die Car-Sharing-Unternehmen Share Now (ein Joint Venture von BMW Group und Daimler AG), Cambio oder Miles Mobility.

Verleiher bestimmt über erfasste Daten

Unten in der Werkstatt analysiert Antonio Garcia vom Hardware-Team gerade einen flammneuen Fiat 500 sowie einen Mercedes. Der Benz verbraucht noch Benzin, in dem Fiat steckt bereits ein Akku. Zu Garcias Aufgaben gehört es, herauszufinden, welche Informationen im Auto wo zu finden sind, sodass die CloudBoxx, die digitale Seele, wenn man so will, sie in die Software und Apps der Carsharing-Anbieter übermitteln kann. "Als wir anfingen", berichtet Garcia, "wurden vier Standard-Parameter erfasst". Das ist lange her. Heute werden, je nach Wunsch des Carsharing-Anbieters, jede Menge weitere Daten erfasst. Heute weiß der Verleiher sofort, ob der Kofferraum seines Autos noch offen ist, ein Fenster nicht richtig zu, ob die Fahrerin eines Scooters den Helm unter die Sitzbank gelegt hat oder ob ein Fahrzeug einen platten Reifen hat.

Die CloudBoxx kennt die Wahrheit

"Der Betreiber eines Carsharing-Unternehmens muss viel über das Auto wissen, ohne dass er dabei ist", bringt es Dr. Stephanie Altemöller auf den Punkt, bei Invers für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Sie berichtet von einem Fall, den ihr jetzt ein Kunde schilderte. Der hatte ein Auto entliehen, dessen Nutzer sich darüber beschwerte, dass ein Reifen platt sei. Doch die CloudBoxx leistete ganze Arbeit. "In Wahrheit hatte der Mann das Auto eine halbe Stunde vorher gestartet und war damit auf dem Parkplatz wild in Kurven herumgerast. Das hatte den Reifen beschädigt."

System meldet jeden Parkrempler

Entwicklungsingenieur Dr. Christoph Mülder berichtet in seiner Abteilung, was mittels Technik alles möglich ist. Ein Miniaturmodell, das gern auf Messen eingesetzt wird, lässt ein Alarmsignal hören, wenn man es anstößt. Solche Sensoren werden inzwischen auch in echten Autos verbaut und werden sofort aktiviert, wenn jemand zum Beispiel einen Parkrempler verursacht. "Das nennt man Schockerkennung", sagt Mülder. "Auch Kunden, die ständig zu schnell fahren, meldet das System", schildert er weiter. "Wenn es das soll. Denn für die Datenschutzregeln sind die jeweiligen Betreiber verantwortlich. Die Autonutzer müssen es nur wissen."

Invers zählt 165 Mitarbeiter

Siegen und seine Uni sind der Geburtsort von Invers, das sich in den 90ern unter Technikchef Uwe Latsch formierte und heute 165 Mitarbeiter zählt, davon 30 im Kölner Büro und weitere in der Niederlassung in Vancouver. Thomas Otto ist seit dem Jahr 2000 dabei. Bisher fahren 125 000 Fahrzeuge mit den Invers-Produkten, berichtet er. 30 000 Fahrzeuge gibt es in Deutschland, davon 7000 Elektrofahrzeuge. Ein geteiltes Auto ersetzt im Durchschnitt 20 weitere, die die Städte verstopfen, weil sie nicht genutzt werden. Seit Unternehmensgründung ist viel passiert. "Heute muss alles schneller gehen", schildert Otto die Anforderungen. "Die Reaktionszeiten von Technik werden immer kürzer." Invers setzt dazu  Mobilfunktechniken ein. "Heute werden Autos schon mit dem Smartphone geöffnet, und die Fahrt kann losgehen", berichtet er. 

Wirken sich die hohen Spritpreise aufs Geschäft aus? "Mit Sicherheit bringt das Leute ins Nachdenken", sagt Otto. Ebenso die höheren Anschaffungspreise der zunehmend populärer werdenden E-Fahrzeuge. "Besonders jüngere Menschen setzen da ganz andere Maßstäbe. Die geben ihr Geld lieber für andere Sachen aus. Warum soll ich mir ein Auto anschaffen, das ich die meiste Zeit nicht nutze? Lieber teile ich mir eines mit anderen."

Keine Angst mehr vor Neuem

Invers mischt auch bei der Mikromobilität mit, also bei Fahrzeugen mit zwei oder drei Rädern. Städte wie Paris oder Brüssel wollen Autofahrer in diesen Massen nicht mehr. Es gibt inzwischen geschlossene Fahrzeuge in Golfcart-Größe, die man quer zur Straße parken kann. "Da merken wir deutlich: Die Angst vor dem Neuen nimmt ab. Und wenn die Generation, die mit Apps aufgewachsen ist, mal die Mehrheit stellt, wird sich noch einmal vieles ändern."

"Unsere Mitarbeiter müssen Lust haben auf dieses Mobilitätsthema", fasst Thomas Otto zusammen. "Und selbst mobil sein. Wir haben ja viele Projekte im Ausland." Es muss sich dabei nicht immer ums Auto drehen. Die CoudBoxx besitzt eine kleine Schwester aus dem Hause Invers, die sich in Roller einbauen lässt. In Bangalore in Indien hat Invers in wenigen Wochen 20 000 Elektroroller ausgerüstet. Otto berichtet auch von einem Pilotprojekt in Teheran. Die Welt wird nicht so weiter Auto fahren können wie bisher, das steht mal fest. Ressourcen und Brennstoffe werden weltweit knapp, da braucht es Alternativen, denn des Menschen Wunsch nach Mobilität bleibt erhalten.

Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

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