SZ

Ein Beruf als echte Berufung
Friseurinnen seit 60 Jahren

Marija Wunderlich (l.) arbeitet meist an den kundenstarken Samstagen. Marianne Hoffmann (r.) war früher die Chefin im Salon an der Dreis-Tiefenbacher Siegstraße.
  • Marija Wunderlich (l.) arbeitet meist an den kundenstarken Samstagen. Marianne Hoffmann (r.) war früher die Chefin im Salon an der Dreis-Tiefenbacher Siegstraße.
  • Foto: kay
  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

ihm Dreis-Tiefenbach. Waschen, schneiden, wickeln, föhnen – ein Leben ohne den Friseursalon können sie sich nicht vorstellen. Marianne Hoffmann und Marija Wunderlich sind beide 74 Jahre alt, und beide sind seit genau 60 Jahren im Friseurberuf. Immer noch lassen sie im Dreis-Tiefenbacher Salon „Friseur Duo“ die Scheren klappern – die Rente kann warten.

Bestens gelaunt sind die beiden Freundinnen beim Besuch der SZ. Der Fotograf bekommt klare Anweisungen: „Wir wollen schön aussehen!“ Das tun sie sowieso mit den schnittigen Kurzhaarfrisuren – dunkel Marija Wunderlich, silbergrau mit dunkler Tolle Marianne Hoffmann.
Die Chemie stimmtMarianne Hoffmann war früher die Chefin im Laden an der Siegstraße.

ihm Dreis-Tiefenbach. Waschen, schneiden, wickeln, föhnen – ein Leben ohne den Friseursalon können sie sich nicht vorstellen. Marianne Hoffmann und Marija Wunderlich sind beide 74 Jahre alt, und beide sind seit genau 60 Jahren im Friseurberuf. Immer noch lassen sie im Dreis-Tiefenbacher Salon „Friseur Duo“ die Scheren klappern – die Rente kann warten.

Bestens gelaunt sind die beiden Freundinnen beim Besuch der SZ. Der Fotograf bekommt klare Anweisungen: „Wir wollen schön aussehen!“ Das tun sie sowieso mit den schnittigen Kurzhaarfrisuren – dunkel Marija Wunderlich, silbergrau mit dunkler Tolle Marianne Hoffmann.

Die Chemie stimmt

Marianne Hoffmann war früher die Chefin im Laden an der Siegstraße. 2009 hat sie das Geschäft an Nadia Gebauer und Marija Kobas übergeben – „meine Mädchen“, wie sie liebevoll sagt. Sie haben das Handwerk bei ihr gelernt. Der respektvolle Ton ist geblieben.

Die Chemie stimmt im „Friseur Duo“. Die vier Friseurinnen und die Auszubildende sind ein eingespieltes Team. Als drei von ihnen an Corona erkrankten, haben alle zusammen auch diesen Schock bewältigt. Umso penibler wird jetzt auf die Hygiene geachtet. Wer in den Laden kommt, muss sich erst gründlich die Hände am Haarwaschbecken waschen, dann wird desinfiziert, erst dann geht es an die Haare.

Rente wird ständig verschoben

Wie lange wollen die beiden Senior-Friseurinnen denn noch arbeiten? Beide lachen. Marianne Hoffmann, die auf zehn Zentimeter hohen High-Heels den Tag am Friseurstuhl buchstäblich durchsteht, zeigt auf ihre schicken Pumps und sagt: „Wenn ich das mal nicht mehr kann, dann höre ich auf!“ Marija Wunderlich erzählt ihren Freunden seit Jahren, dass nächstes Jahr Schluss ist. „Aber dann bring ich das doch nicht fertig. Dieser Salon ist mein zweites Zuhause!“

Die Kundinnen sind mit den beiden Friseurinnen älter geworden. Viele sind im Lauf der Jahre gestorben, manche wurden noch in der letzten Lebensphase zu Hause frisiert, wenn sie das Haus nicht mehr verlassen konnten.

Ein Ort es Miteinanders

Christel Brodüffel ist wohl die älteste Stammkundin von Marianne Hoffmann. Sie kommt jede Woche zum Waschen und Legen, alle Vierteljahr ist eine neue Dauerwelle fällig. Die 80-Jährige hat mit 14 zur Konfirmation ihre erste Dauerwelle bekommen – so war das damals.
Inzwischen spielen Farbe und Föhn bei den Frisuren eine viel größere Rolle als die Wickler und die beißende Dauerwellflüssigkeit. Sechs Jahrzehnte Frisurenmode haben die beiden Damen miterlebt. Jetzt teilt man sich mit der jungen Generation die Aufgaben nach Neigung auf. Marianne Hoffmann zum Beispiel hat es gar nicht mit Föhn-Frisuren, das überlässt sie den Kolleginnen.

Schwere Krankheiten, Schicksalsschläge, wunderschöne Erlebnisse – so ein Friseursalon ist ein Ort des Miteinanders. „Wir wissen alles voneinander“ – da nicken alle vier. Denn Sprechen ist beim Friseur mindestens so wichtig wie Schneiden. Der Lockdown hat das schmerzhaft bewiesen.

Corona-Hilfe von Unbekannt

Um so gerührter, ja fast schon fassungslos waren die Frauen über einen anonymen Brief, der während der erzwungenen Schließung im Kasten lag. Da schrieb jemand, er hoffe, dass die schwere Zeit bald überstanden sei. Marija Kobas: „Und im Kuvert steckte eine sehr hohe Geldsumme!“ Der oder die Unbekannte schrieb, das sei die Coronahilfe, die er oder sie selbst nicht brauche. „Wir wissen bis heute nicht, von wem das Geld kam, aber das hat uns gezeigt, wie sehr wir geschätzt werden.“

Autor:

Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin) aus Siegen

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