Gestaltung statt »Kasernenhof«

Hauptschule entwarf Pausenraum-Konzept / Lehrer fühlen sich von Politik übergangen

avb Deuz. Mit »dem üblichen Kasernenhof« kann man die Hauptschüler heute nicht mehr zur Bewegung motivieren, sagt Lehrerin Anne Holzbrecher. Das habe auch Folgen für deren geistige Leistungsfähigkeit. An der Deuzer Hauptschule machen sich Pädagogen und Gestaltungsexperten daher seit langem Gedanken, wie der triste Hof möglichst wirkungsvoll und sparsam aufgewertet werden könnte. Um so enttäuschter sei man nun, dass der Netphener Schulausschuss den Plänen kaum Beachtung schenkte.

»Diese Ablehnung kann eigentlich nur an meiner Person liegen, – sonst gibt es keine Erklärung dafür«, argwöhnt Rektor Peter Katz, der selbst dem Schulausschuss lange vorsaß und inzwischen Politik und Partei den Rücken gekehrt hat. Die Pläne für die Schulhof-Gestaltung liegen fertig auf dem Tisch. Verwaltungsarchitekt Bernd Wiezorek habe sie in eine professionelle Planung aufgenommen, die Kosten seien mit rund 45000e ermittelt worden, und Kämmerer Heinz-Joachim Hengstenberg habe das Vorhaben, gestreckt auf ein paar Jahre, für finanzierbar angesehen. »Es hätte ein Musterbeispiel dafür sein können, wie man etwas gemeinsam entwickelt«, so Katz.

Weniger mustergültig fand er, dass der Fachausschuss sich den Hof ansah, ohne einen Vertreter der Hauptschule dazu einzuladen. So sei auch der gefasste Beschluss von mangelnder Sachkenntnis geprägt. Danach soll auf der durch den Pavillonabriss entstandenen Freifläche ein Basketballkorb installiert werden mit einem Ballfangzaun dahinter. Der Spielplatz unterhalb des Schulgebäudes, den die Hauptschule jetzt für die jüngeren Schüler in den Pausen mit nutzt, soll mit Rücksicht auf die ihn pflegende Elterninitiative nicht einbezogen werden. Alles weitere bleibt zunächst, verbunden mit verschiedenen Recherche-Aufträgen an die Verwaltung, offen.

In der Hauptschule ist man mit den Gedanken schon erheblich weiter. Vor anderthalb Jahren begannen Lehrer und Schüler mit ihrer Ideensammlung und Konzeption. Sie wollten unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht werden, Platz für Spiel und Sport bieten wie auch für Kommunikation und Ruhe. Der Neubau ermöglichte das Anlegen einer grünen Außen-Klasse für den Unterricht unter freiem Himmel. Mit der Pavillonfläche soll aus Sicht der Schule vor allem eines nicht geschehen: »Wir wollen dort keine Schwarzdecke draufbekommen, – dann wäre eine große Chance vertan«, so Holzbrecher. Stattdessen stelle man sich einen leicht tiefer gelegten, von Sitzstufen eingerahmten Ballsportbereich mit weichem Sportboden vor und daneben einen »Aussichtshügel« aus dem Aushub-Material. Einen neuen Zaun entlang des Hofs »wollen wir im Rahmen einer Projektwoche begrünen«, erläutert Marie-Luise Diehl.

Im bisher ungenutzten Bereich zwischen Hintereingang und Werkstatt soll es gemütlich werden: »Hier wünschen sich unsere Schüler – besonders die Mädchen – eine Ruhezone«, sagen die Pädagogen. Die jüngeren Schüler weichen zurzeit auf besagten Spielplatz unterhalb der Schule aus, wo sie sich nach Herzenslust bewegen können. »Selbstverständlich haben wir mit den Betreibern gesprochen und beteiligen uns an der Pflege. Sie haben nichts dagegen«, so Katz. »Für unsere Pläne haben wir auch die volle Unterstützung des Schulamtes«, berichtet Anne Holzbrecher. In das pädagogische Konzept haben sich drei Lehrer (neben Holzbrecher und Diehl auch Manfred Albers) »hineingekniet«. An der Finanzierung und Umsetzung wolle man sich ebenfalls beteiligen. »Was die Schüler selbst angelegt haben, halten sie auch länger in Ordnung«, weiß Katz. Geld könne man eventuell mit Hilfe eines Sponsorenlaufes erwirtschaften. All das wollen Lehrer und Schulpflegschaft der Hauptschule von der Politik berücksichtigt wissen.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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