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Telemedizin in Netphen denkbar
Hausärzte sollen entlastet werden

Dr. Veit Braun (r.) unterstützt das Forschungskolleg Siegen mit seiner Fachkenntnis im Bereich Medizin. Ob er die Netphener von der Telemedizin überzeugen konnte, bleibt abzuwarten.
  • Dr. Veit Braun (r.) unterstützt das Forschungskolleg Siegen mit seiner Fachkenntnis im Bereich Medizin. Ob er die Netphener von der Telemedizin überzeugen konnte, bleibt abzuwarten.
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  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

sos Netphen. Weil sich immer weniger Ärzte in ländlichen Regionen niederlassen, könnte der Arztbesuch in Zukunft entfallen – zumindest in einigen Fällen. Das ist die Vision von Dr. Olaf Gaus, Geschäftsführer des Forschungskollegs Siegen (Fokos), und Prof. Dr. Veit Braun, Chefarzt der Neurochirurgie am Siegener Jung-Stilling-Krankenhaus sowie Prodekan der lebenswissenschaftlichen Fakultät der Uni Siegen. Am Dienstagabend stellten sie ihre Ideen auf Einladung der Netphener CDU im Hotel Asador vor; zu Gast waren auch Ärzte aus dem Netpherland.

"Digitale Modellregion Gesundheit Dreiländereck"Im Rahmen des Fokos-Projekts „Digitale Modellregion Gesundheit Dreiländereck“ sollen digitale Helfer den Alltag von Ärzten erleichtern und sie entlasten.

sos Netphen. Weil sich immer weniger Ärzte in ländlichen Regionen niederlassen, könnte der Arztbesuch in Zukunft entfallen – zumindest in einigen Fällen. Das ist die Vision von Dr. Olaf Gaus, Geschäftsführer des Forschungskollegs Siegen (Fokos), und Prof. Dr. Veit Braun, Chefarzt der Neurochirurgie am Siegener Jung-Stilling-Krankenhaus sowie Prodekan der lebenswissenschaftlichen Fakultät der Uni Siegen. Am Dienstagabend stellten sie ihre Ideen auf Einladung der Netphener CDU im Hotel Asador vor; zu Gast waren auch Ärzte aus dem Netpherland.

"Digitale Modellregion Gesundheit Dreiländereck"

Im Rahmen des Fokos-Projekts „Digitale Modellregion Gesundheit Dreiländereck“ sollen digitale Helfer den Alltag von Ärzten erleichtern und sie entlasten. Dabei dürfe aber nicht vernachlässigt werden, was die Patienten eigentlich wollen und worauf sie sich auch tatsächlich einlassen möchten. Aus diesem Grund stünden am Anfang mehrere Interviews mit Experten – also mit Ärzten und Patienten.
„Wenn Sie hier eine arztlose Praxis vorstellen, wird mir schlecht“, merkte Peter Tremmel, Arzt in Herzhausen, an. Genau das sei nicht die Idee, erklärte Gaus. Doch wenn sich nichts ändere, gebe es in zehn Jahren nur noch die Hälfte an Versorgern und das Doppelte an Patienten. Dann sei eine solche technische Hilfestellung durchaus sinnvoll. Wichtige Entscheidungsprozesse sollten aber weiterhin über den Arzt laufen.

Ausbildung in Telemedizin begleiten

Netphen könnte sich an dem Projekt beteiligten, indem die Ärzte die Aus- oder Weiterbildung von nichtärztlichen Praxisassistenten (Näpas) begleiten, so Gaus. In diesem Rahmen würden sie in der telemedizinischen Patienten-Anamnese geschult. Bei einem „Erst-Screening“ per Tablet könnten sie dann feststellen, ob ein Arztbesuch sofort nötig ist oder ob ein Termin zu einem späteren Zeitpunkt ausgemacht werden kann.

Mehrkosten müssen getragen werden

Was aber passiere, wenn mehr Patienten Interesse hätten als gedacht: „Müssen wir die dann gratis behandeln?“, fragte Dr. Hans-Joachim Kraemer aus Deuz nach. Er fürchtete einen finanziellen Nachteil. Ein Teil der Telemedizin werde honoriert, aber ob das ausreiche, müsse man noch diskutieren, gab Gaus zu. Veit Braun fügte hinzu, dass das Projekt erst starte, wenn die Finanzierung sichergestellt sei.
Um die Telemedizin einführen zu können, seien Ausbildungsgänge und Lehrpläne notwendig, sagte Gaus. Das Alleinstellungsmerkmal, das Netphener Praxen dadurch erhalten könnten, „ist aber nur ein Gelegenheitsfenster“; irgendwann führe wohl kein Weg mehr an der Delegation von ärztlichen Aufgaben an Näpas vorbei. Auch Ärztinnen in Mutterschutz könnten eingebunden werden, so Veit Braun, indem sie ein paar Stunden in der Woche eine Online-Sprechstunde übernehmen. 15 Kolleginnen habe er bereits gefragt und alle wären bereit mitzumachen.
Nicht jeder kann sich mit Technik anfreunden

Telemedizin auch für Senioren?

Silvia Glomski, ehemalige Realschulleiterin in Netphen, sah den Einsatz der Technik kritisch, beispielsweise wenn eine 80-Jährige sich mit einem Tablet anfreunden solle. Veit Braun hingegen zeigte sich selbstbewusst: „Das kriegen wir hin!“

"e-Health first" startet mit einer Studie

70 000 Euro stehen für das Projekt „e-Health first“ zur Verfügung; von dem Geld wird für ein Jahr ein wissenschaftlicher Mitarbeiter angestellt, der sich in einer ersten Phase um die Studie kümmert. „Wir wollen dann in die längerfristige Projektentwicklung gehen und dafür mehr Förderungen generieren“, sagte Gaus.

Ärzte werten den Umgang mit Telemedizin aus

„Aber wie ist das Ganze umsetzbar? Was ist meine Aufgabe?“, hakte Dr. Harald Menker aus Netphen nach. Zunächst würden die Praxisangestellten in Form von Trockenübungen in telemedizinischen Prozessen ausgebildet, so der Fokos-Geschäftsführer. Die Ärzte kämen für die Auswertung dazu; sie müssten sich dann überlegen, in welchen Fällen die Näpas selbst entscheiden und wann sie ärztlichen Rat einholen sollten. Pro Quartal rechnete Gaus mit einem Aufwand von zwei bis drei Stunden für die Mediziner – vorausgesetzt, möglichst viele Ärzte machen mit.

Wichtiger Baustein

„Wir würden das gerne in Netphen angehen, ohne diesen Baustein geht es nicht“, machte Olaf Gaus deutlich und fragte gleich ab, wieviele sich darauf einlassen würden. Von sieben Ärzten aus Netphen meldeten sich fünf. Einer aber zeigte sich überrascht, dass das Projekt überhaupt in diesem Rahmen vorgestellt und jetzt schon so ins Detail gehe. Einige Praxen seien doch gar nicht vertreten; ihm sei nicht klar gewesen, dass das alles schon so konkret sei.

Nichts Konkretes

Im Grunde sei es das auch nicht, antwortete Gaus. Sebastian Zimmermann, Vorsitzender des CDU-Stadtverbands, habe bei Fokos angefragt, ob Netphen eine Rolle bei der „Digitalen Modellregion Gesundheit“ spielen könne; daraufhin sei der Infoabend organisiert worden. Natürlich könne man diesen wiederholen, letztendlich müsse sich aber auch die Stadt eine Meinung bilden. „Ein Ratsbeschluss wäre uns wichtig. Dann würden wir auch über die Sicherstellung der Finanzierung sprechen.“ Dementsprechend kündigte Zimmermann an, das Thema bald auch in den Rat zu geben.

Nicht das erste Projekt von Fokos

In einigen Orten des Dreiländerecks ist das Fokos schon mit Studien oder praktischen Projekten unterwegs, beispielsweise in Sondern. Dort möchten die Wissenschaftler herausfinden, wie die Verständigung zwischen Praxis und Klinik, Altenheim sowie Patient verbessert werden kann. Oder in Holzhausen, wo Patienten zu Hause Blutdruck oder Puls messen und die Daten direkt an den Arzt weitergeleitet werden. Der Betroffene wird erst dann in die Praxis beordert, wenn die Ergebnisse besorgniserregend sind (die SZ berichtete).

Autor:

Sonja Schweisfurth (Redakteurin) aus Siegen

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