"Schandfleck an der Westfälischen Pforte"
Herrenloses Schützenhaus sucht Besitzer

Zerbrochene Scheiben und noch viel mehr Unschönes: so präsentiert sich das Schützenhaus in Hainchen.
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  • Zerbrochene Scheiben und noch viel mehr Unschönes: so präsentiert sich das Schützenhaus in Hainchen.
  • Foto: Irene Hermann-Sobotka
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ihm Hainchen. Das grüne Schild „Schützenhaus zur Höhe Hainchen“ mit der Werbung der Irle-Brauerei ist wohl noch der am besten erhaltene Teil dieses Gebäudes. Ansonsten: zerbrochene Fensterscheiben, gesplitterte Glasbausteine, zerschlagenes Inventar und Müll hinter der sperrangelweit offenstehenden Tür, ein verwahrlostes Grundstück. Das Schützenhaus auf der Haincher Höhe steht seit zehn Jahren leer – und es hat keinen Besitzer. Nun war der „Schandfleck an der Westfälischen Pforte“ Thema im Netpher Stadtentwicklungsausschuss.

Nachdem der Schützenverein sich vor zehn Jahren aufgelöst hat, hätte die Stadt das Haus samt Grundstück übernehmen können. Aber damals sprachen sich die Fraktionen im Rat dagegen aus. Die Zeit verging, bis nun das Land in Gestalt des Bau- und Liegenschaftsbetriebs (BLB) auf den Plan trat. Ein „Bieterverfahren“ über das nach wie vor herrenlose Haus wurde eingeleitet, berichtete Beigeordneter Andreas Fresen dem Ausschuss. Es handele sich nicht um eine Versteigerung. In mehreren Bieterrunden werde man Gebote entgegennehmen, der Meistbietende bekommt am Ende die Immobilie.

"Die erklären uns für meschugge."
Kämmerer Hans-Georg-Rosemann
zum Vorschlag, das Bieterverfahren zu stoppen

An diesem Punkt meldete sich die CDU-Fraktion zu Wort. Die Verwaltung möge prüfen, so beantragte sie, ob nicht die Stadt doch das Haus übernehmen könne, unter Umständen sogar, indem sie ein Gebot abgebe. Kämmerer Hans-Georg Rosemann war sichtlich konsterniert. „Das Schützenhaus hätten wir seit zehn Jahren für 0 Euro haben können. Wenn wir jetzt in das Bieterverfahren einsteigen würden, das wäre doch hanebüchen!“

Ein anderer Vorschlag der CDU: Die Stadt solle auf den BLB einwirken, das Verfahren zu stoppen. Auch hier schüttelte Rosemann entgeistert den Kopf: „Wir haben bestimmt 50 Mal da angerufen, um zu fragen, wann das Verfahren endlich losgeht. Jetzt sollen wir da noch mal anrufen und verlangen, dass sie aufhören? Die erklären uns für meschugge.“

Bieter in erster Runde gefunden

Am vergangenen Montag um 24 Uhr ist die erste Bieterrunde zu Ende gegangen. Dem Vernehmen nach liegen beim BLB Gebote vor. Nun werden die Bieter erfahren, wie hoch das Höchstgebot ist. Dann bekommen sie Gelegenheit, ihr eigenes Gebot nachzubessern.

Dieses herrenlose Gebäude samt 3000 Quadratmeter Grundstück steht am Ortseingang von Hainchen. Der Schützenverein „Zur Höhe“ existiert nicht mehr, seit vielen Jahren sucht das verfallende Haus einen neuen Besitzer.
  • Dieses herrenlose Gebäude samt 3000 Quadratmeter Grundstück steht am Ortseingang von Hainchen. Der Schützenverein „Zur Höhe“ existiert nicht mehr, seit vielen Jahren sucht das verfallende Haus einen neuen Besitzer.
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Im Stadtentwicklungsausschuss gab es Vorbehalte gegen ein Engagement der Stadt. Womöglich gebe es kostenträchtige Altlasten auf dem Grundstück, schließlich habe der Schützenverein dort auf der 100-Meter-Schießbahn mit allerlei Munition geschossen. Im Dorf, so berichtete der Ausschussvorsitzende Sebastian Zimmermann (CDU), habe sich um Ortsbürgermeister Tobias Schattenberg eine Initiative gebildet, die sich eine Grillhütte auf dem Schützengrundstück vorstellen könne, vielleicht auch Ausweichparkplätze für die unterhalb liegende Wasserburg. Diese Ideen stießen nicht auf ungeteilten Beifall im Ausschuss.

Abriss wohl alternativlos

Dass das Haus wahrscheinlich abgerissen werden muss, ist wohl unstrittig. Ob und wofür letztlich Fördermittel vom Land in Anspruch genommen werden können, blieb im Unklaren. Die Stadtverwaltung soll nun prüfen, wer die Verkehrssicherungspflicht für Gebäude und Grundstück hat und ob es Fördermöglichkeiten für eine neue Nutzung gibt. Außerdem soll mit dem BLB geklärt werden, wie die Stadt Eigentümerin werden kann.

Die Mehrheiten für die nach einigem Hin und Her formulierten Beschlüsse waren knapp: neun zu acht Stimmen. Abgelehnt wurde der Antrag, schon mal ein Bodengutachten erstellen zu lassen.

Autor:

Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin) aus Siegen

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