Höchste Widerstandseiche gegen FELS gepflanzt

Aktivisten pflanzten eine Widerstandseiche auf der Lichtenhardt als Zeichen ihres Protests gegen den geplanten Bau der Fernstraße Kreuztal-Hattenbach.  Foto: sib
  • Aktivisten pflanzten eine Widerstandseiche auf der Lichtenhardt als Zeichen ihres Protests gegen den geplanten Bau der Fernstraße Kreuztal-Hattenbach. Foto: sib
  • hochgeladen von Archiv-Artikel Siegener Zeitung

sib Unglinghausen. Die 13. Widerstandseiche entlang der geplanten Fernstraße Kreuztal-.Hattenbach (FELS) steht seit Sonntag auf der Lichtenhardt an der Sineborn-Quelle, dem geographisch höchsten Punkt von Unglinghausen. Vertreter der Interessengemeinschaft der betroffenen Waldgenossenschaften Buschhütten, Kredenbach, Unglinghausen, Hof Stöcken, Grund, Ruckersfeld, Oechelhausen (I.d.b.W.) und der Bürgerinitiative Unglinghausen „Pro Mensch und Natur“ setzten die junge Pflanze in die Erde. Die Straße dürfe wegen der schwerwiegenden Beeinträchtigungen für Mensch und Natur nicht gebaut werden, deshalb sei jetzt geschlossener Widerstand angezeigt, um die Planungen zu stoppen, hieß es im Teilnahme-Aufruf. Allein in Unglinghausen würden über eine Länge von rund 2,5 Kilometern die schönsten Plätze und Quellgebiete unwiederbringlich vernichtet.

Zwischendurch fassten die Beteiligten die Argumente gegen die FELS noch einmal zusammen. Dr. Werner Mühlnickel von der BI Unglinghausen wiederholte die wichtigsten Forderungen, die bereits vor geraumer Zeit in einer Resolution zusammengefasst worden waren. Bereits seit Sommer 2009 werde offiziell von einer Bundesfernstraße gesprochen. Die BI wehre sich gegen die schwerwiegenden Beeinträchtigungen der Lebensqualität in Unglinghausen, auch gegen den Bau der geplanten Südumgehung für Kreuztal, denn inzwischen habe man es schriftlich, dass diese der Auftakt für die Bundesfernstraße sei. Mittlerweile haben sich etwa 60 Bürgerinitiativen und Verbände mit rund 90 000 Mitgliedern im Netzwerk „Stop A4“ zusammengeschlossen, um den Bau der Straße zu verhindern. Es bleibe dennoch viel Überzeugungsarbeit zu leisten, meinte Mühlnickel. Er stellte noch einmal klar, dass aus Sicht der BI der Bau der FELS eben nicht nur eine Ortsumgehung oder die Anbindung Wittgensteins bedeute, sondern dass es sich dabei um eine Bundesfernstraße handele. Argumente gegen den Bau brachte auch die Unglinghäuser Ortsbürgermeisterin Elke Bruch ein: Allein der Bau des Streckenabschnitts bis Erndtebrück schlüge mit rund 238 bis 317 Millionen Euro zu Buche, das Gesamtbauwerk bis Hattenbach solle laut Machbarkeitsstudie über zwei Milliarden Euro kosten, wobei die Erfahrung zeige, dass so etwas in der Regel teurer als geplant sei.

Hoch sensible Naturbereiche seien betroffen, beispielsweise das durch EU-Richtlinie geschützte FFH-Gebiet Rothaarkamm und Wiesentäler zwischen Allenbach, Lützel und Erndtebrück. Zudem sei der ortsentlastende Charakter einer Ortsumgehung durch die weit auseinander liegenden Auf- und Abfahrten nicht in dem Maße gegeben wie bei einer echten Ortsumgehungsstraße. Es gäbe nur eine geringe Zeit- und Kilometerersparnis und die Straße würde zusätzlichen Verkehr durch die Maut-Freiheit anziehen.

Entschieden gegen den FELS-Bau wenden sich auch die rund 500 Waldbauern, die in der I.d.b.W. zusammengefasst sind. Ihr Sprecher Eberhard Kämpfer, Waldvorsteher von Unglinghausen, stellte klar, dass der Trassenverlauf fast ausschließlich auf Grund und Boden der Waldgenossen liege. Die Waldgenossenschaften stellen schon seit Jahrhunderten ihr Eigentum der Bevölkerung zur Verfügung und wollen auch künftig diese Naherholungsgebiete für alle erhalten. In Zeiten knapper Kassen sei so ein Projekt wie die FELS ein unverantwortlicher Wahnsinn, auch mit Blick auf die folgenden Generationen. „Naturkatastrophen können wir nicht verhindern, aber wir werden alles tun, um dieses unnötige Straßenmonster zu verhindern“, sagte Kämpfer.

In den nächsten Tagen wird auch noch eine Widerstandsbank vor die neue Eiche gestellt, damit Vorbeikommende die Aussicht ins Tal genießen können. Die Teilnehmer der Pflanzaktion hatten vorher die Möglichkeit, in einem Sternmarsch zum Standort der Eiche zu laufen. Dort warteten nach einigen Kurzansprachen auch Kaffee, Kuchen, Grillwurst und kalte Getränke auf die Gäste. Diese sangen nach erfolgter Pflanzung gemeinsam den Protestsong „Wehr euch, leistet Widerstand!“ als Kanon.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Eine/r folgt diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung einbetten

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.