Kapelle fest in Schäfer-Hand

Eheleute Schäfer sind seit 30 Jahren Küster in Helgersdorf

matz Helgersdorf. Der 1. Mai ist nicht nur der Tag der Arbeit. Nein. Seit 1973 ist dies auch das Datum, an dem sich der Tag der Übernahme des Küsteramtes in der St.-Elisabeth-Kapelle in Helgersdorf durch die Eheleute Gerhard und Elisabeth Schäfer jährt. Gestern also zum 30. Mal. Und irgendwie scheint es den Schäfers in die Wiege gelegt zu werden. Denn bereits 1910 hatte Johannes Schäfer, der Großvater Gerhard Schäfers, dieses Amt übernommen. »So lange es in Helgersdorf eine Kapelle gibt, übernehmen die Schäfers dort Aufgaben«, erinnert sich Elisabeth Schäfer.

Die 66-Jährige kennt die Geschichte ihrer Vorgängerinnen und Vorgänger. »Auf Johannes Schäfer folgte seinerzeit dessen Tochter Katharina.« Auf Katharina folgten Karl und schon einmal Elisabeth Schäfer, die während der Kriegsjahre und der Nachkriegszeit die Kapelle schmückten sowie die Kerzen anzündeten. »Die alte Kapelle war noch ohne Zentralheizung«, berichtet die jetzige Küsterin. »Damals ist Katharina Schäfer morgens um 4 Uhr aufgestanden, um sie zu heizen.« 1958, etwa zu der Zeit, als die neue Kapelle eingeweiht wurde, übergaben Karl und Elisabeth ihre Tätigkeit an Edmund Schäfer, den Onkel Gerhard Schäfers.

Zum 1. Mai 1973 schließlich übernahm Gerhard Schäfer zusammen mit seiner Frau von seinem Onkel den Posten des Küsters. »Er starb am 25. Mai 1973«, denkt Gerhard Schäfer zurück. »Das war meine erste Beerdigung.« Noch wenige Wochen zuvor habe er ihm versprochen, das Amt in der Familie fortzuführen.

Seitdem teilen sich die Schäfers die Arbeit: Elisabeth schmückt die Kapelle und wäscht die Kirchenwäsche, Gerhard kümmert sich um das sonntägliche Geläut zum Gottesdienst und um die Weihnachtsbäume. Elisabeth Schäfer: »Und morgens im Hellen schließt einer von uns die Kirche auf und abends schließt sie einer, bevor es dunkel wird, wieder zu.«

Sie kann sich auch noch gut an eine Episode erinnern, bei der es ihr eiskalt den Rücken herunterlief. »Ich wollte eines Morgens, das ist jetzt vielleicht 15 Jahre her, die Kapelle aufschließen.« Da bemerkte sie, dass sich jemand am Schloss zu schaffen gemacht hatte. Da die Tür aber noch verschlossen war, schloss sie auf und ging hinein. »Plötzlich sah ich vor dem Altar ein Gewehr liegen.« Wie sich später herausstellte, hatte ein Dorfbewohner mit diesem ein Seitenfenster eingeschlagen, um es in der Kapelle vor der Polizei zu verstecken. »Er hatte wohl am Vorabend damit Dummheiten gemacht«, vermutet Elisabeth Schäfer.

Wissen die Eheleute denn auch schon, welche(r) Schäfer ihre Nachfolge antritt? »Ich bin es jedenfalls nicht«, meldet sich Schwiegertochter Karola zu Wort. »Vielleicht aber eines der beiden Enkelkinder.« Die dreijährige Janina jedenfalls begleitet den Opa fast täglich.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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