Kein »Persilschein« für Mobilfunk

Basisstation auf Unglinghäuser Bürgerhaus steht schon:

Vor eventuellem Sendestart zwei Experten in Ausschuss gehört / Bürger haben Bedenken

Unglinghausen. Es knistert in der Bürgerschaft von Unglinghausen, die D 2-Basisstation ist bereits auf dem Dach der Bürgerbegegnungsstätte montiert, einzig der Startschuss zum Sendebetrieb fehlt. Weitere Gespräche mit dem Mobilfunkbetreiber stehen an, sind aber noch nicht terminiert. Erst wollte man die gestrige Sitzung des Umweltausschusses abwarten - und der tagte im Schatten der Antenne, eben in der Bürgerbegegungsstätte.

Zwei Experten waren geladen, ihre Thesen konnten kaum konträrer ausfallen. Markus Munkenbeck, Beauftragter für elektromagnetische Verträglichkeit im D 2-Vodafone-Konzern, stritt jegliche Gesundheitsgefahren ab; Dr. Werner Mühlnickel (Unglinghausen), Strahlen-Mediziner am Siegener Marienhospital, sah sehr wohl erhebliche Risiken.

Doch der Reihe nach: D 2-Mitarbeiter Munkenbeck verteidigte das Bestreben des Mobilfunk-Providers, man orientiere sich »strikt am Bedarf der Kunden«. Soll heißen: die jetzt schon 50 Millionen Handy-Telefonierer müssen versorgt werden, möglichst ohne dauernde Funklöcher. Mit Sektoralantennen werde »nicht alles rundum bestrahlt«, vielmehr handele es sich um eine punktförmige, horizontale Ausrichtung der Stationen. Randlagen nutzten nichts, in solchen Fällen müsse die Sendeleistung erhöht werden.

Nur einzelne Wissenschaftler befürchten, so Munkenbecks gestrige Darstellung, gesundheitliche Gefahren. Der Großteil der Experten könne diese Risiken auf der Basis von 20000 Studien nicht bestätigen. Die geltenden Grenzwerte berücksichtigten alle Personengruppen, jede Anlage müsse per Standortbescheinigung genehmigt werden. Ein Handy könne man so lange ans Ohr halten, wie jeder Einzelne das wünsche, »das ist absolut unbedenklich«. Und für die Mobilfunkstationen seien die geforderten vier Meter Sicherheitsabstand vollkommen ausreichend. Hörfunksender bedürften 9,5 Meter, TV-Sender gar 45 bis 180 Meter, »und die stehen überall im Siegerland herum, aber keiner regt sich auf«.

Dr. Werner Mühlnickel mochte die bedenkenfreien Aussagen des D 2-Mannes nicht bestätigen. Sendesignale seien »gepulste elektromagnetische Felder«. Die davon ausgehende Energie könne auch von biochemischen Prozessen (Zellaufbau und -teilung, Hormonbildung, Bildung von Botenstoffen im Gehirn) aufgenommen werden. Deren Beeinflussung durch gepulste Strahlung sei bisher wenig untersucht worden, die geltenden Grenzwerte machten dazu keine Aussagen. Mühlnickels Forderung: »Keine gepulste Strahlung mehr verwenden, in den USA funktioniert das doch auch.« Dass ein Großteil der Wissenschaftler keine Gefahren sehe, kommentierte er so: »Die Studien sichern sich gegenseitig ab.«

In einer per Geschäftsordnungsantrag von der SPD durchgesetzten Pause durfte das Publikum etwas sagen und vor allem fragen. Eine Feststellung aus dem Saal: Besagte Grenzwerte seien, so hieß es, in Italien, der Schweiz und Schweden wesentlich niedriger. Manfred Heinz (SPD) zitierte das Bundesamt für Strahlenschutz, demzufolge durch die Anlagen Störungen beim Stoffwechsel zu befürchten seien, Handys nicht von Kindern benutzt werden sollten. Munkenbeck: »Die Grenzwerte für den Gesundheitsschutz sind ausreichend.«

Zugleich räumte er ein, beim Handy-Telefonieren werde das Gewebe am Ohr um 0,1 Grad erwärmt. Eine Zuhörerin aus dem Publikum sah drastischere Folgen. Ihre Befürchtung: »Hirnströme werden beeinflusst«. Munkenbeck stritt das ab, »vereinzelt behaupten das Wissenschaftler, nichts ist gesichert«.

SPD-Chef Heinz fragte zudem an, ob denn nicht der in Unglinghausen schon vorhandene Sendemast (D 1) von mehreren Anbietern benutzt werden könne. Munkenbeck räumte ein, eine solche Mehrfach-Nutzung werde zwar angestrebt, sei aber nicht immer möglich.

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Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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