Klassiker, neu gewandet

Das TrioReale und The TriHorns brachten Jazz-Standards und Evergreens im völlig neuen Klanggewand auf die Bühne.  Foto: sib
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sib Netphen. Das Haus der Kultur und Begegnung Netphen ist genau der richtige Ort für eine gepflegte Jam-Session und Ereignisse artverwandter Natur: Nicht zu groß und nicht zu klein, spiegelt es die Verbindung von Tradition und Moderne wieder und gab so am Wochenende den perfekten Schauplatz ab für ein Konzert mit Akteuren, deren Musik genau diese Verbindung im Wimpel trug. Jazz-Standard und Schätzchen deutlich älteren Datums wurden in neuen, prickelnden Arrangements von Mario Mammone mit seiner Band TrioReale und den Bläsern von The TriHorns gespielt, präsentiert vom Kulturforum Netphen.

Das TrioReale sind neben Gitarrist und Sänger Mammone Peter Kara am Kontrabass und Michael Nüchtern am Schlagzeug. 2005 feierte das Trio sein 20-jähriges Bestehen und holte sich fürs Jubiläumskonzert die versierten Musikerkollegen Johannes Lemke (Altsax), George Tjong-Ayong (Tenorsax) und Rudolf Kasper (Posaune) an Deck – The TriHorns eben. Dann und wann kommt man für gemeinsame Konzerte zusammen und das Publikum in Netphen kam nun in den Genuss eines eben solchen Zusammenspiels.

In die Schatzkiste langten die Musiker mit einem alten Broadway-Stück aus den 30er Jahren: „Love Me Or Leave Me“ war – hier im Alleingang vom TrioReale – eine lockere Angelegenheit, die lässig angetrabt kam wie ein entspannter Kater nach dem Abendessen. Das gute, alte „House Of The Rising Sun“ gehört wohl zu den meist gecoverten Songs überhaupt, gewann aber in der Mammone-Fassung deutlich an Profil und stillte auch die Lust auf Neues: Mammone gönnte sich und seinen Mitstreitern ein exzessives Spiel mit dem Leitmotiv, bot mit Minibesetzung ein Meisterstück an Bigbandsound, beließ das Ganze tanzbar und rhythmisch und punktete mit einem brachialen Schluss.

Subtiler und als regelrechter Verführungskünstler offenbarte sich die Version des Klassikers „Summertime“. Eine recht geheimnisvolle Sache war das zu Anfang und gegen Ende zunehmend wuchtiger. Ganz ohne Worte wandte sich das Sextett dem Doors-Knüller „Light My Fire“ zu, befreite das bekannte Songkonstrukt vom psychedelischen Wabern, reduzierte es bis aufs Mark und gab Raum für ein fulminantes Tenor-Sax-Solo.

Überhaupt konnte man an diesem Abend auf die Idee kommen, Mario Mammone müsste ein verschmitztes Lächeln im Mundwinkel gehabt haben beim Arrangieren des einen oder anderen Songs, denn im gleichen Maße, wie er diverse „Evergreens“ von der Perfektionsgloriole befreite, fügte er ihnen auch vermeintlich Stilbrechendes hinzu und überraschte mit seinen Musikerkollegen beispielsweise, inspiriert von einem Konzert mit entsprechenden Klängen, mit Elementen der Renaissance mitten in „Smoke On The Water“, angeführt von den quicklebendigen Bläsern und den Bongos.Nein, gelangweilt dürfte sich niemand haben bei diesem an Überraschungen reichen, klangvollen Parforceritt durch die Musikgeschichte, auf dem den Zuhörern beispielsweise auch der Otis-Redding-Hit „Sitting On The Dock Of The Bay“ oder „Hang On Sloopy“ begegneten, gänzlich neu eingekleidet natürlich.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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