SZ

Sohlbach feiert Jubiläum
Kleinster Ortsteil von Netphen wird 675 Jahre alt

Schon am Ortseingang von Sohlbach wird auf das Jubiläum hingewiesen.
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sos Netphen-Sohlbach. Dass die Sohlbacher auch ganz gut alleine zurecht kommen könnten, haben sie schon vor 30 Jahren bewiesen, als sie ihr Dorf zum Freistaat erklärten. Wer hier hinein wollte, der musste einen Mindestsatz zahlen und zollpflichtige Waren angeben. Es gab einen Präsidenten – den einstigen Ortsbürgermeister Friedhelm Klöckner –, Senate wurden gebildet, das Wanderheim wurde zur Klinik umfunktioniert und die Schützenhalle diente als Schule.
Eine auswärtige Versorgung mit Lebensmitteln habe Sohlbach jetzt nicht mehr nötig, hatte der Präsident der SZ im April 1989 versichert: „Die Fischereizuchten, Imkereien, Obstbauern und landwirtschaftlichen Betriebe werden dafür sorgen, daß niemand Hunger leiden muß.

sos Netphen-Sohlbach. Dass die Sohlbacher auch ganz gut alleine zurecht kommen könnten, haben sie schon vor 30 Jahren bewiesen, als sie ihr Dorf zum Freistaat erklärten. Wer hier hinein wollte, der musste einen Mindestsatz zahlen und zollpflichtige Waren angeben. Es gab einen Präsidenten – den einstigen Ortsbürgermeister Friedhelm Klöckner –, Senate wurden gebildet, das Wanderheim wurde zur Klinik umfunktioniert und die Schützenhalle diente als Schule.
Eine auswärtige Versorgung mit Lebensmitteln habe Sohlbach jetzt nicht mehr nötig, hatte der Präsident der SZ im April 1989 versichert: „Die Fischereizuchten, Imkereien, Obstbauern und landwirtschaftlichen Betriebe werden dafür sorgen, daß niemand Hunger leiden muß.“ Alles war gut geplant und durchdacht, die Weichen für eine unabhängige Zukunft waren gestellt – doch lange hielt sich der „Freistaat“ nicht, genau genommen nur einen Tag. Der Grund: Es handelte sich um einen Aprilscherz. Am Freitag und Samstag, 13. und 14. September, feiert die kleinste Netphener Ortschaft ihr 675-jähriges Bestehen und setzt damit den Schlusspunkt der Netphener Dorfjubiläen in diesem Jahr.

Jugendherberge war gut besucht

Auch wenn das Sackgassendorf nicht so autark war, wie spaßeshalber angenommen, so wartete das Dorf doch lange mit vielen Angeboten auf, die für seine Größe nicht unbedingt üblich waren. Besonders die Jugendherberge zog ab 1926 zahlreiche Wanderer nach Sohlbach. „Mitten im Dorf das mächtige Bauernhaus mit schwarzen Balken, über und über mit Kränzen geschmückt“, beschrieb die SZ das Bild am Tag der feierlichen Einweihung. Erbaut worden war das eindrucksvolle Gebäude wohl schon im 17. Jahrhundert, erster Herbergsvater war Karl Klein.
Der Zulauf war groß: „Welche Gemeinde von der Größe dieses Dorfes kann sich im Siegerland rühmen, einen so starken Fremdenbesuch zu haben wie Sohlbach? Allein in diesem Jahre zählte man bis jetzt 4500 Wanderer, die von nah und fern gekommen waren, Ausländer sogar, Holländer und Belgier, Engländer und Franzosen, jugendliche Wanderer, die Einkehr hielten in der Jugendherberge“, schrieb die SZ im September 1952.

SGV übernahm das Gebäude

Während des Zweiten Weltkriegs war es mit dem Wandern fast vorbei, anschließend fanden in dem Gebäude zwei Jahre lang Kinder des Siegener Fürst-Johann-Moritz-Stifts Zuflucht. Irgendwann genügte die Herberge den Ansprüchen der Gäste nicht mehr, eine Renovierung aber wäre zu aufwändig gewesen. So wurde das Haus 1972 an den SGV (Abteilung Siegen) verkauft, der es zu einem Wanderheim umgestaltete.

Feriendorf stand zur Debatte

In den 80er-Jahren überlegten Politik und Verwaltung, die idyllische Ruhe des kleinsten Netphener Ortsteils für touristische Ziele zu nutzen. Ein Feriendorf „hat Zukunft und ist eine saubere Sache“, hatte Gemeindedirektor Dr. Bernd Jartwig im Juli 1980 verkündet; zehn Häuser könnten vorm Ortseingang errichtet werden. Umgesetzt wurde dieses Idee bekanntlich nicht.

Drei Gasthäuser bei 100 Einwohnern

1983 gab es „zwei gutgehende und gernbesuchte gastronomische Betriebe“, so die SZ, als sie über die Teilnahme des Ortes am Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ berichtete – nicht schlecht, bei damals gut 100 Einwohnern. Bis heute hat sich eine Gaststätte gehalten, die immer am Wochenende geöffnet hat. „Da sind wir auch sehr froh drum“, sagt Ortsbürgermeister Mike Klöckner.

Sohlbacher Weiher stand auf der Kippe

An heißen Tagen bot der Sohlbacher Weiher Abkühlung. In den 80er-Jahren übernahm der Angelsportverein „Obernautal“ Brauersdorf die Pacht, was damals für Diskussionsstoff sorgte: Mit einer Schranke und Schildern hatte der Verein darauf hingewiesen, dass es sich um Privatgelände handelt. Die Sohlbacher aber hätten sich gewünscht, dass der Weiher jedem frei zugänglich gemacht würde.
Vor einigen Jahren dann gab es Überlegungen, den Weiher zurückzubauen; „aus wasserwirtschaftlicher Sicht“ sei er nicht mehr erforderlich, hatte der Wasserverband Siegen-Wittgenstein 2014 erklärt. Doch die Stadt erklärte sich im März 2018 bereit, den Weiher zu übernehmen, wenn der Angelsportverein sich weiterhin um die Wartung kümmere und der Wasserverband den Weiher ertüchtige. Bislang habe sich diesbezüglich leider noch nichts getan, berichtet Mike Klöckner. Immerhin: Den Sohlbachern bleibt das Kleinod erhalten.

Unbekannte Graf-Gerlachs-Burg

Immer wieder geriet auch die Graf-Gerlachs-Burg in die Schlagzeilen, wobei über diese im Vergleich zu anderen Siegerländer Burgen – wie beispielsweise der in Hainchen – eigentlich gar nicht so viel bekannt ist. „Sie liegt auf einem als Bergzunge ausgebildeten Südwestausläufer des Dicken Rücken (621 m) in der Nähe der alten vorgeschichtlichen Süd-Nord-Verbindung, der Eisenstraße, in 515 Meter Höhe“, beschrieb die SZ 1960 den Standort.
Vermutungen, der Name gehe auf einen Grafen Gerlach von Nassau zurück, der von etwa 1280 bis 1361 nachweisbar ist, stellten sich 14 Jahre später als falsch heraus. Kurz zuvor hatten zwei Mitglieder des Netphener Heimatvereins sich durch die Erde gewühlt und nach historischen Schätzen gesucht. Weil das ohne Erlaubnis geschah, sagte die Gemeinde Netphen dem Heimatverein 3000 DM für eine „Rettungsgrabung“ zu. Dabei förderten Archäologiestudenten Tonscherben zutage und datierten die freigelegten Mauerreste eindeutig auf die Wende vom 11. zum 12. Jahrhundert. Damit schied Graf Gerlach als Namensgeber aus. Und: Alles spreche dafür, dass hier einmal eine Raubritterburg stand, hieß es damals.

Schützenverein prägt Leben im Dorf

Mittelpunkt des Dorflebens ist das Schützen- und Bürgerhaus, das vor 26 Jahren gebaut wurde. Zu dieser Zeit war von rund 130 Einwohnern etwa jeder zweite Mitglied im Schützenverein; das allgemeine Interesse an dem Versammlungsort war dementsprechend groß.
Wie in vielen anderen Ortschaften war die Umsetzung jedoch nicht ohne das große Engagement der Bürger möglich; bis zum Richtfest investierten sie über 2000 Arbeitsstunden. Seit den 60ern hatte ein Sparkassengebäude aus Werdohl als Treffpunkt gedient, das dort ab- und hier wieder aufgebaut worden war. Nach 25 Jahren im Einsatz wurde es abgerissen und durch den Neubau ersetzt. Gestaltet wurde dieser nach einem Modell des Schützenvereinsvorsitzenden und Tiefbauingenieurs Harold Blecher.

Mehr Mitglieder als Einwohner

Heute sind übrigens sogar mehr Mitglieder im Verein als es Einwohner gibt, berichtet Ortsbürgermeister Mike Klöckner: „Da sind wir auch ein Stück weit stolz drauf“; auch auswärtige Mitglieder würden sich immer wieder finden. Ansonsten sei Sohlbach „vereinslos“, im Grunde übernehme der Schützenverein auch die Rolle eines Heimatvereins. Das sei gar nicht schlecht, so Klöckner, schließlich entstehe so keine Konkurrenzsituation unter den Vereinen.

Festtage Mitte September

Harmonisch soll es auch am Freitag zugehen, wenn die Sohlbacher zu einem dorfinternen Heimatabend zusammenkommen. Die weiteren Feierlichkeiten des 120-Seelen-Orts (Stand 31. Dezember 2018) finden am Sonntag ab Uhr rund um den Dorfbrunnen statt und sind offen für alle Besucher (siehe Kasten). Krönender Abschluss des Festes ist der große Zapfenstreich um 22 Uhr.

Festprogramm am 13. und 14. September Freitag

Ab 18.30 Uhr dorfinterner Heimatabend im Dorfgemeinschafts- und Schützenhaus; Einladungen werden im Ort verteilt.

Samstag

Ab 11 Uhr laden die Sohlbacher zu einem kleinen Dorfmarkt im Unterdorf ein. Hier werden Bastel-, Strick- und Holzarbeiten sowie Leckereien angeboten. Außerdem gibt es diverse Infostände und Angebote für Kinder.

Das Bühnenprogramm: 13 Uhr: Begrüßung; 13.30 Uhr: Vorlesestunde „Pettersson und Findus“; 14.30 Uhr: Jubiläums-Chor Sohlbach; 15.30 Uhr: Vorlesestunde Janosch; 16 Uhr: Jagdhornbläsergruppe Hegering Netphen; 17 Uhr: Chor Vocale Arioso; 18 Uhr: MGV Eschenbach; 19 Uhr: Tambourcorps Erndtebrück; 20 Uhr: Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Netphen; 21 Uhr: Jubiläums-Chor Sohlbach; 22 Uhr: großer Zapfenstreich.

Sperrungen

Am Samstag ist der Bereich an Weiherstraße von Hausnummer 6 bis 11 und Lützeler Weg bis Kreuzung Nöckelstraße sowie die gesamte Nöckelstraße von 10 bis 23 Uhr für den Verkehr gesperrt.

Autor:

Sonja Schweisfurth (Redakteurin) aus Siegen

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