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Die Großabnehmer fehlen
Masken made in Netphen

Das Vlies wird abgerollt, wird für den Mund- und Nasenraum gefaltet, erhält Nasenclip und Ohrbänder – all dies vollautomatisch, aber unter ständiger Kontrolle. Die ITS Industriebedarf GmbH produziert Einwegmasken für den täglichen, aber auch den medizinischen Gebrauch.
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  • Das Vlies wird abgerollt, wird für den Mund- und Nasenraum gefaltet, erhält Nasenclip und Ohrbänder – all dies vollautomatisch, aber unter ständiger Kontrolle. Die ITS Industriebedarf GmbH produziert Einwegmasken für den täglichen, aber auch den medizinischen Gebrauch.
  • Foto: Anja Bieler-Barth
  • hochgeladen von Katja Fünfsinn (Redakteurin)

nja Netphen. Eher zufällig stieß Konrad Henkel im April auf eine Ausschreibung des Bundesgesundheitsministeriums, die sein Leben bis auf Weiteres durcheinander wirbeln sollte. 100 000-fach landet das Ergebnis derzeit pro Tag in handlichen Kartons: Mund-Nasen-Schutzmasken aus dreilagigem Vlies für jedermann und für den täglichen Gebrauch. Gefertigt in einer neuen Dependance der Firma ITS Industriebedarf an der Unteren Industriestraße in Netphen. Derzeit läuft zudem das Zertifizierungsverfahren für die Herstellung von vierlagigen, hochwertigen OP-Masken.
Vlies statt Metall als ArbeitsmaterialDas Unternehmen mit Hauptsitz an der Setzer Straße in Buschhütten, seit rund 40 Jahren in Familienbesitz, ist eigentlich im Metallbau tätig.

nja Netphen. Eher zufällig stieß Konrad Henkel im April auf eine Ausschreibung des Bundesgesundheitsministeriums, die sein Leben bis auf Weiteres durcheinander wirbeln sollte. 100 000-fach landet das Ergebnis derzeit pro Tag in handlichen Kartons: Mund-Nasen-Schutzmasken aus dreilagigem Vlies für jedermann und für den täglichen Gebrauch. Gefertigt in einer neuen Dependance der Firma ITS Industriebedarf an der Unteren Industriestraße in Netphen. Derzeit läuft zudem das Zertifizierungsverfahren für die Herstellung von vierlagigen, hochwertigen OP-Masken.

Vlies statt Metall als Arbeitsmaterial

Das Unternehmen mit Hauptsitz an der Setzer Straße in Buschhütten, seit rund 40 Jahren in Familienbesitz, ist eigentlich im Metallbau tätig. Als die Coronapandemie im Frühjahr weite Teile der Wirtschaft weltweit lahmzulegen drohte, nahm der 25-jährige Sohn von Geschäftsführer Frithjof Henkel im Internet die Recherchen nach denkbaren Produktionsnischen auf: Gab es z. B. Bedarf im Bereich Krankenhausbetten? Dabei stieß er auf besagte Ausschreibung des Spahn-Ministeriums. Vlies statt Metall als Arbeitsmaterial – das wäre in normalen Zeiten wahrscheinlich keine Überlegung wert gewesen. Doch was ist in diesem Jahr schon normal. Kurzum: Mit einem – damals noch – befreundeten Partner nahm Henkel an dem Verfahren teil – und die Partner sicherten sich auch ein Los. „Binnen einer Woche ist das Projekt bei uns angelaufen. Wir haben an der Unteren Industriestraße Hallen angemietet und eine neue Fertigung aufgebaut“, erzählt Konrad Henkel, dessen Wirtschaftsingenieurs-Studium an der Uni Siegen nun vorerst ruht: „Man muss Prioritäten setzen.“Dann aber kam alles anders: Die Kooperation mit besagtem Partner sei doch nicht zustande gekommen; dieser bediene nun den Bundesauftrag allein – „wie auch immer ohne eigene Produktion“, sagt Henkel. Der partnerschaftliche Handschlag vor der Bewerbung sei dann doch nicht verbindlich gewesen.
Einen „sechsstelligen Eurobetrag“ hat ITS derweil investiert – u. a. in zwei Produktionsmaschinen aus China, die hierzulande noch auf den aktuellen Standard angepasst wurden. Das junge Team ist auf 40 Studenten, von denen viele bisher in der Gastronomie gearbeitet haben, angewachsen; die Warteliste umfasst weitere 30 Namen.

Hohe Qualität, faire Bedingungen und Preise

Das Material, so Konrad Henkel, kommt aus deutschen Landen. Er setze auf hohe Qualität, faire Bedingungen und Preise. Ein 50er-Karton kostet derzeit „deutlich unter 20 Euro“. Die fertigen Masken – samt Nasenclip und Ohrbändern – werden „händisch“ kontrolliert, nachdem sie die Produktionsstraße durchlaufen haben. Während jeder der zurzeit zwei Schichten werden bis zu 50 000 Exemplare hergestellt. Die zweite Maschine für die medizinischen Masken wird derzeit noch aufgerüstet. Henkel: „Wir können mehr als 2,5 Millionen Masken im Monat produzieren und planen darüber hinaus eine dritte Schicht.“ Langfristig könne man problemlos 3 bis 4 Millionen im Monat fertigen – Platz für zwei weitere Maschinen gibt es. Das klingt alles hervorragend. Noch aber landet das Gros auf dem Lager, das auf rund 500 000 Gesichtsbedeckungen angewachsen ist: Nun nämlich fehlen große Abnehmer; der Markt scheine vorerst durch chinesische Ware gesättigt. Nach wie vor, so Henkel, lande auch ungeprüfte Ware aus China auf dem Markt.

Lagerverkauf ist in Planung

„Wir haben das Unternehmen aufgebaut auch auf die damals propagierte Planungssicherheit der Politik und fühlen uns nun im Stich gelassen“, moniert Konrad Henkel: „Wir legen der Politik ans Herz, die tatsächlichen Produktionsstätten für den Bundesauftrag auch zu überprüfen und auch bei einheimischen Produzenten zu kaufen.“ Er suchte den Kontakt zum amerikanischen Konsulat, nimmt an europäischen Ausschreibungen teil, hat u. a. den Kreis Siegen-Wittgenstein, Kliniken und Kommunen kontaktiert und auch die Bundesländer angeschrieben. Ohne spürbaren Erfolg. ITS beliefert derzeit vor allem Händler im Bereich Medizintechnik und Apotheken. Der größte Auftrag bislang lief über 20 000 Masken. Insgesamt hat das junge Start-up-Unternehmen bislang 150 000 Exemplare veräußert. Ein Lagerverkauf an der Unteren Industriestraße ist in Planung. Konrad Henkel und seinem Team ist an einem guten Ruf und an langfristigen Kundenbeziehungen gelegen. Ein Wunsch: Das Kennzeichen „CE“, das seiner Erfahrung nach viele Maskenkartons zu unrecht ziere, solle flächendeckend wieder für „europäische Konformität“ stehen. Und nicht auch für „chinesischer Export.“

Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

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