Musik und Psychologie

Die Pianistin Ana-Marija Markovina präsentierte lebendige und faszinierende Interpretationen von Werken Schumanns, Beethovens und Liszts.  Foto: anne
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anne Netphen. Musik hört man gar nicht, zumindest nicht einfach so. Dahinter steckt viel mehr, wie am Samstagabend Prof. Dr. Helmut Reuter von der Uni Bremen in der Georg-Heimann-Halle Netphen vor leider nur wenigen Zuhörer erklärte. „Musik findet immer nur in unserem Kopf statt. Wir, die wir Musik hören, gestalten diese Musik“ sagte der Kunst- und Kulturpsychologe, der sich auch mit Kognitions-, Persönlichkeits- und Sozialpsychologie beschäftigt.

Aber das war nur die Einleitung in das eigentliche Thema, die Einführung in die Psyche der Zeit von Robert Schumann, Ludwig van Beethoven und Franz Liszt. Es sollte eine Art Gesprächskonzert werden, allerdings nicht mit rein musikwissenschaftlichen Informationen, sondern eben mit psychologischen. Die genannten Komponisten beschäftigten sich, wie es für die Romantik üblich war, mit dem Jenseitigen. Dabei war die Gestaltung jedoch unterschiedlich.

Schumann bezog sich in den „Papillons op. 2“ auf Jean Pauls „Flegeljahre“. Dennoch ist es keine Programmmusik, sondern eine durch die Stimmung des Textes inspirierte Musik. Die Poesie war zu dieser Zeit Teil der Gesellschaftskultur und Thema in den „Salons“. Die Zuhörer konnten sich an diesem Abend auch aktiv von der Wirkung dieser Musik überzeugen. Die in Kroatien geborene und in Köln lebende, bekannte Pianistin Ana-Marija Markovina spielte das Werk Schumanns mit viel Aussagekraft und lebendiger Gestaltung.

Voller Leichtigkeit, flatternd und geschäftig begann das Stück, wurde dann aber schnell mit energischen Passagen kontrastiert. Dieser Wechsel zwischen tänzerisch unbeschwerten Takten, die sich im träumerischen Klang verlieren, und vorwärtsdrängenden Abschnitten war ein regelrechtes Wechselbad der Gefühle und machte den Reiz der „Papillons“ aus.

Auch für die „Kreislerianer op. 16“ diente Schumann ein literarisches Werk als Vorbild. E.T.A. Hoffmanns dem Wahnsinn naher Kapellmeister Kreisler passt so ganz in Schumanns hochvirtuose Musik. Ana-Marija Markovinas Interpretation der aneinander gereihten Stücke war nicht weniger lebendig als die der „Papillons“. Stürmisches „Durcheinander“ und umeinander kreisende Figuren verwirrten das Zuhörerohr. Dann pathetische und nachdenkliche Klänge, bevor ein energiegeladenes Aufbrausen von der Tiefe bis in die Höhen faszinierte. Energische, gewaltige Passagen wurden hier wieder ganz unbeschwerten Klängen gegenübergestellt.Und wahrhaft stürmisch ging es dann auch mit Beethovens „Sonate op. 31 Nr. 2“ weiter, der so genannten „Sturmsonate“. Sehr gelungen gestaltete die Pianistin auch hier sowohl die emporsteigenden, eindringlichen Motive als auch die Ruhe ausstrahlenden Takte. Regelrecht „brodelnde“ Klänge in der Tiefe führten zu perlender, fließender Musik.Aber auch der „Titan der Tasten“, Franz Liszt, war im Programm vertreten. Nachdem der Komponist sich entschieden hatte, Abbé zu werden, folgte er dem romantischen Prinzip der Vergeistigung. Sein Werk „Après une lecture de Dante – Fantasia quasi Sonata“ wurde beeinflusst von Dantes „Göttlicher Komödie“. Die Pianistin stellte bei ihrer Interpretation den Gang durch die Höllen schillernd dar. Dunkle, temperamentvolle und rasante Klänge verdeutlichten die Verzweiflung in der vereisten Hölle. Ganz anders wirkte da die Darstellung der Romanze Dantes und Beatrices: Zart und zurückhaltend, nicht ohne Dramatik führte die Musik zu spielerisch wirkenden Passagen. Damit ging ein interessanter Abend mit hervorragend gespielter Klaviermusik zu Ende. Und nach dem Schlussapplaus geizte Ana-Marija Markovina auch nicht mit Zugaben.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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