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Alte Bestattungskultur bleibt erhalten
Nachbarschaftshilfe soll weitergeführt werden

Bislang wurde der Bauhof auf dem Friedhof in Afholderbach nur in Ausnahmefällen tätig, weil Nachbarn sich seit Jahrzehnten um das Ausschachten kümmern. Wie lange diese Tradition aufrecht erhalten bleiben kann, wird die Zukunft zeigen.
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  • Bislang wurde der Bauhof auf dem Friedhof in Afholderbach nur in Ausnahmefällen tätig, weil Nachbarn sich seit Jahrzehnten um das Ausschachten kümmern. Wie lange diese Tradition aufrecht erhalten bleiben kann, wird die Zukunft zeigen.
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sos Afholderbach. Seit der Totengräber des Dorfes im Netphetal 1946 starb, kümmern sich die Nachbarn des Verstorbenen darum, die Grabstätte für die Beerdigung vorzubereiten. Eine anstrengende und durchaus zeitaufwendige Arbeit, die in Netphen neben Afholderbach nur noch in Beienbach im Hand- und Spanndienst durchgeführt wird. Ob diese Tradition weiterhin aufrecht erhalten werden soll, war Thema auf der jüngsten Bürgerversammlung im Afholderbacher Dorfgemeinschaftshaus.
Fällt die Tradition aus der Zeit?„Träger zu finden, das funktioniert eigentlich immer gut. Aber sechs Leute zusammenzubekommen, die zwei oder zweieinhalb Tage ein Grab ausschachten, das ist schon mal schwierig“, berichtete Ortsbürgermeister Marc Seelbach von seinen Erfahrungen.

sos Afholderbach. Seit der Totengräber des Dorfes im Netphetal 1946 starb, kümmern sich die Nachbarn des Verstorbenen darum, die Grabstätte für die Beerdigung vorzubereiten. Eine anstrengende und durchaus zeitaufwendige Arbeit, die in Netphen neben Afholderbach nur noch in Beienbach im Hand- und Spanndienst durchgeführt wird. Ob diese Tradition weiterhin aufrecht erhalten werden soll, war Thema auf der jüngsten Bürgerversammlung im Afholderbacher Dorfgemeinschaftshaus.

Fällt die Tradition aus der Zeit?

„Träger zu finden, das funktioniert eigentlich immer gut. Aber sechs Leute zusammenzubekommen, die zwei oder zweieinhalb Tage ein Grab ausschachten, das ist schon mal schwierig“, berichtete Ortsbürgermeister Marc Seelbach von seinen Erfahrungen. Vielleicht lasse die heutige Berufswelt dies nicht mehr zu. Sollte dies der Fall sein, müsse die Stadt die Ausschachtung übernehmen. „Es drängt sich die Frage auf, wie Afholderbach sich die Grabherstellung vorstellt.“

Zuwegung muss verbessert werden

Sollte der Bauhof die Aufgabe übernehmen, müssten allerdings einige Veränderungen vorgenommen werden. Zum einen müsste das schmiedeeiserne Tor ersetzt werden, weil es zu schmal für den Bagger ist. Damit es trotzdem erhalten bleibt, könnte oberhalb des Friedhofs ein zweiter Zugang in der Mitte der Hecke angelegt werden. Zudem sollte der Weg verbreitert und die Böschung angeglichen werden, sofern dem vorhandene Gräber nicht im Weg stehen.

"Ein großes Gut und ein großes Pfund"

Diese Maßnahmen seien so oder so sinnvoll, fand ein Afholderbacher. Denn auch im Rahmen der Nachbarschaftshilfe sei der schräge Weg manchmal schwer zu gehen, beispielsweise bei Regen und dementsprechend nassem Untergrund. Zudem sei der Boden teilweise aufgrund des heißen Sommers so trocken gewesen, dass ein Bagger durchaus hilfreich gewesen wäre. Grundsätzlich sprach er sich jedoch für den Erhalt der Tradition aus: „Ich finde, der gemeinschaftliche Dienst an den Mitmenschen ist ein großes Gut und ein großes Pfund.“

Bauhof kostet Geld

Der Stadt sei es im Grunde egal, wie sich das 207 Einwohner zählende Dorf entscheide, erklärte Baudezernent Erwin Rahrbach. Doch wenn der Bauhof eingeschaltet werde, dann müssten die Anpassungen definitiv vorgenommen werden. Und: Dann fielen Bestattungsgebühren an, für ein Reihen- oder Wiesengrab seien das zum Beispiel 582 Euro, für Urnenbestattungen würden 243 Euro fällig. Bislang blieben Angehörige von diesen Summen verschont. Ein Zuhörer schlug eine Mischlösung vor: Der Bauhof gräbt das Loch, und die Nachbarn erledigen den Rest, das heißt sie fahren die Erde weg und schaufeln das Grab zu. „Das Loch selber zu machen, ist eine Menge Arbeit. Das kannst du den Leuten nicht verkaufen.“

Ausschachtung ist der größte Aufwand

Die Gebührensatzung sehe dies nicht vor, erklärte Marc Seelbach. Und Erwin Rahrbach fügte hinzu, dass das Ausschachten den größten Aufwand darstelle. Eine Regelung könne man sicher finden, doch die Gebühren würden nicht wesentlich geringer. „Dann versuchen wir, es so oft wie möglich selbst zu machen“, schloss Seelbach aus der Diskussion. „Und wenn der Bauhof es machen soll, dann komplett.“
Wenn die Bestattung jedoch über die Stadt laufe, so Rahrbach, sollten sich die Afholderbacher darüber im Klaren sein, dass Angehörige dann möglicherweise nicht ihren Wunschtermin für die Beerdigung erhalten. Kurz gesagt: „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.“
Die drei Aufträge, das Tor zu versetzen, den Weg zu verbreitern und die Böschung anzugleichen, nehme er ins Rathaus mit. „Wann das passiert ist aber unklar“, betonte er. „Wir müssen gucken, ob es nächstes Jahr untergebracht werden kann.“

Auch Beienbach hält an der Tradition fest

Auch die Beienbacher wollen im Übrigen an der Tradition festhalten. Wie Ortsbürgermeisterin Rosel Flender auf Nachfrage mitteilte, sei es zwar in der Tat teilweise nicht einfach, Freiwillige zu mobilisieren. „Im Großen und Ganzen haben wir uns aber dafür ausgesprochen.“ Zudem würden vermehrt Urnengräber angelegt. „Das ist ja dann auch keine große Sache mehr.“

Autor:

Sonja Schweisfurth (Redakteurin) aus Siegen

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