Opfer müssen einen Namen haben

Vereinigung spricht sich für individuelles Gedenken an die jüdische Familie Faber aus

avb Netphen. Für das Gedenken an die jüdische Familie Faber, die bis zu ihrer Deportation 1941 in der damaligen Sieg-Lahn-Straße in Netphen gewohnt hat, setzt sich die »Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten« ein. In einem Schreiben an Bürgermeister Rüdiger Bartsch, das er auch der Politik und der Presse zuleitete, spricht sich Joachim Mertens von der Vereinigung für die namentliche Erinnerung an die Familie aus.

Wie berichtet, hatte die SPD-Fraktion in den Kulturausschuss den Antrag eingebracht, am ehemaligen Wohnhaus der Fabers an der Lahnstraße eine Gedenktafel anzubringen. Der Ausschuss hatte sich schließlich darauf geeinigt, stattdessen im Bereich des Petersplatzes (an der Kapelle oder am geplanten Kulturhaus, dem alten Feuerwehrgerätehaus) an alle jüdischen Bürger der Stadt zu erinnern, die dem Nazi-Terror zum Opfer gefallen sind. Das dürfe jedoch nicht zu einem allgemeinen Text führen, so Mertens.

»Das Besondere am regionalen Gedenken ist es, die allgemeinen historischen Ereignisse in einen regionalen Bezug zu setzen, um den Menschen die Geschichte leichter begreifbar zu machen«, schreibt er an Bartsch. Hinter Opferzahlen ständen einzelne Menschen und individuelle Schicksale. Diese gelte es zu benennen. Noch gebe es Menschen, die sich an die Familie Faber erinnern könnten. Bis zu deren erzwungener Schließung 1938 führten die Fabers eine Metzgerei in Netphen und waren angesehene Bürger. 1941 wurden laut Mertens Vater Gustav, Mutter Klara und die erst 15 Jahre alte Tochter Anita-Ruth mit dem zweiten Transport jüdischer Menschen aus dem Siegerland nach Theresienstadt deportiert, später in das Todeslager Auschwitz, wo sie ermordet wurden.

Zuvor hatte Anita-Ruth eine normale Kindheit in Netphen erlebt. Sie ging zur Schule, bis die Nazis es ihr untersagten, weil sie Jüdin war. »Wenn heutigen Teenagern der Wahnsinn des nationalsozialistischen Terrors deutlich gemacht werden soll, wie ließe sich das besser erklären, als anhand der erschütternden Biografie einer Gleichaltrigen, mit der sie sich identifizieren können?«, fragt Mertens. Die Namen der Opfer gehörten auf eine Gedenktafel, damit sie nicht in Vergessenheit gerieten. Ebenso habe man es im Falle der Ehrentafeln für die Gefallenen der beiden Weltkriege gehalten. Er halte es für falsch, es gerade im Falle der Fabers anders zu handhaben.

Auf offene Ohren trifft dieser Wunsch Mertens’ bei Kulturausschussvorsitzendem Manfred Schröder (CDU). »Die Alteingesessenen kennen die Namen, warum sollten wir sie nicht nennen?«, so Schröder. Im Baugebiet Wellerseifen erinnere bereits die »Gustav-Faber-Straße« an das Familienoberhaupt.

Auf einer Gedenktafel am Petersplatz sollten seiner Ansicht nach jedoch auch die Namen anderer Opfer der Nationalsozialisten genannt werden.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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