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"Schichtwechsel" bei der AWo
Schnuppertag in der Werkstatt

Martin Hoffmann von „Anlauf Siegen“ (l.) und Christian Kaufmann klären neben der Arbeit das Wichtigste: Was gibt es zum Mittagessen?
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sos Deuz. „Das war nix!“ Marcel Euler, der sich selbst – offenbar zu Recht – als streng bezeichnet, ist nicht zufrieden mit Axel Theuers Arbeit. Gut, dass er ihn nur an einem Testkabel hat üben lassen. In weiser Voraussicht, schließlich ist Theuer eigentlich Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Wittgenstein und hat von der sogenannten Kabelkonfektion keine Ahnung. Muss er ja auch nicht. Im Rahmen der bundesweiten Aktion „Schichtwechsel“ nutzte er gestern trotzdem die Möglichkeit, die AWo-Werkstatt in Deuz bei einem Arbeitsplatztausch kennenzulernen.

sos Deuz. „Das war nix!“ Marcel Euler, der sich selbst – offenbar zu Recht – als streng bezeichnet, ist nicht zufrieden mit Axel Theuers Arbeit. Gut, dass er ihn nur an einem Testkabel hat üben lassen. In weiser Voraussicht, schließlich ist Theuer eigentlich Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Wittgenstein und hat von der sogenannten Kabelkonfektion keine Ahnung. Muss er ja auch nicht. Im Rahmen der bundesweiten Aktion „Schichtwechsel“ nutzte er gestern trotzdem die Möglichkeit, die AWo-Werkstatt in Deuz bei einem Arbeitsplatztausch kennenzulernen. So auch Martin Hoffmann vom Unternehmen „Anlauf Siegen“, das unter anderem den Siegerländer Firmenlauf organisiert, und Andreas Neumann, Geschäftsführer des AWo-Kreisverbandes Siegen-Wittgenstein/Olpe, die am Donnerstag ebenfalls für einen Schnuppertag in die Werkstatt kamen.

Die wichtigen Fragen werden geklärt

Während Axel Theuer sich unter strenger Aufsicht mit dem Kabel abmüht, hilft Martin Hoffmann beim Einsortieren von kleinen Scheiben. Die Abfallprodukte, die bei der Herstellung von Bierfässern entstehen, müssen mit der scharfkantigen Seite nach oben penibel genau aufeinander gestapelt werden. Pate Christian Kaufmann führt vor, wie es richtig geht. Später werden die Scheiben zu Ventilen weiterverarbeitet; 10 000 Stück passen in eine Kiste. Hauptthema bei den beiden ist aber das Mittagessen: Was gibt es heute, welche Marke braucht man für welches Essen, und wann ist es endlich soweit? Arbeit macht bekanntermaßen hungrig …

"Nicht vorab verkomplizieren"

Martin Hoffmann beteiligt sich an dem Projekt, weil die Begegnung von Menschen mit und ohne Behinderung wichtig sei, sagt er. Wie genau der Tausch ablaufen würde, darüber habe er sich im Vorfeld gar nicht genau informiert, gibt er zu. Er habe darauf vertraut, dass alles funktionieren werde. „Man muss es nicht vorab verkomplizieren“, findet er. Er habe auch nicht gefragt, welche Beeinträchtigungen die beiden AWo-Mitarbeiter haben, die an diesem Tag bei ihm im Büro dabei helfen, 6000 Urkunden vom diesjährigen Firmenlauf zu verpacken und für den Versand vorzubereiten.

Späße sind erlaubt

Ein paar Räume weiter zeigt Claudia Krone AWo-Geschäftsführer Neumann, wie der kleine Ventilator für ein Belüftungssystem zusammengeschraubt wird. Wichtig: „Wenn man es richtig macht, hört man ein Klacken“, hat Andreas Neumann schon gelernt. Und seine Patin hört genau hin; bei der letzten Schraube „war es hart an der Grenze“, mahnt sie freundlich, aber mit Nachdruck an. „Hier wird alles wie ein rohes Ei behandelt“, erklärt sie, denn wenn die Anlage mal in Betrieb ist, dürfe kein Schleifgeräusch zu hören sein. Bei allem Ernst seien Gespräche zwischendurch aber auch erlaubt. „Manchmal haben wir unsere gecken fünf Minuten“, lacht sie. Dass heute ein Gast mithilft, und dann auch noch der Geschäftsführer der AWo, findet sie gar nicht seltsam. Vielmehr freue sie sich, dass sie ihm zeigen könne, was die Mitarbeiter den ganzen Tag leisten.

Bestätigung ist wichtig

Im Grunde suche doch jeder Bestätigung, erklärt Fertigungsleiter Alexander Voigt. Deswegen sei es von großer Bedeutung, dass alle an dem Fertigungsprozess beteiligt seien, sei es nun beim Schrauben oder beim Einpacken des Produkts. Und die Mitarbeiter seien stolz auf das Geleistete, weiß Betriebsleiter Joachim Mohr.

Zufrieden mit der Arbeit

Axel Theuer befindet sich bei der Fertigstellung des Kabels inzwischen in den letzten Zügen, wobei Marcel Euler einige Arbeitsschritte doch lieber selbst übernimmt. Der Auftrag sei nun mal kompliziert. Große Erwartungen hatte er anfangs deswegen gar nicht: „Hauptsache, nichts geht kaputt!“ Letztlich zeigt er sich aber doch zufrieden mit seinem Helfer. „Ich bin begeistert, das haben Sie sehr gut gemacht“, lobt er. Gerne dürfe der Sparkassenchef wiederkommen – vor allem, wenn Euler selbst mal keine Lust auf die Arbeit habe, sagt er verschmitzt.

Modell umdenken

Auch der Vorstandsvorsitzende ist glücklich und lädt seinen Paten gleich zu sich nach Wittgenstein ein. Dort ist an diesem Tag nämlich kein AWo-Beschäftigter, weil die Aufgaben des Chefs für einen Tausch doch zu diffizil seien, erläutert er. Über einen Besuch würde er sich dennoch freuen und nimmt damit Uda Lodes Vorschlag auf. Die Projektinitiatorin von „Schichtwechsel“ hatte zuvor die Idee geäußert, das Model vielleicht so zu umzudenken, dass die Aktion nicht am selben Tag stattfindet. Stattdessen könnten die Beteiligten die Zeit im Unternehmen bzw. in der Werkstatt zusammen verbringen.

Zehn Unternehmen machen mit

Insgesamt zehn Unternehmen haben sich bisher bereit erklärt, an dem Projekt teilzunehmen, einige hätten zunächst aufs nächste Jahr vertröstet, so Joachim Mohr. „Es muss erst mal gären“, glaubt er. Und er betont, dass die Werkstatt Besuchern von außen, die sich für die tägliche Arbeit dort interessieren, ohnehin immer offen stehe. Gleichermaßen gehöre es zum Konzept der Werkstatt, den Mitarbeitern Arbeitsplätze auf dem ersten Arbeitsmarkt oder das Kennenlernen von anderen Betrieben zu ermöglichen. Und das sei eine Bereicherung für alle, auch weil die AWo-Beschäftigten „eine andere Kultur ins Unternehmen bringen“. Denn für sie sei es normal, aufeinander zu achten und vielleicht etwas lockerer mit der Arbeitswelt umzugehen. „Und auch das ,Guten Morgen’ kommt manchmal fröhlicher um die Ecke.“
In jedem Fall bringe der Aktionstag gewinnbringende Begegnungen für beide Seiten mit sich, bei denen ganz nebenbei das Verständnis für das Gegenüber wächst. Oder wie Alexander Voigt treffend sagt: „Die Arbeit ist nicht der Mittelpunkt. Die Arbeit ist das Mittel. Punkt.“

Autor:

Sonja Schweisfurth (Redakteurin) aus Siegen

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