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Besonderes Projekt der Schule am Sonnenhang in Deuz
Schüler gewinnen Selbstvertrauen beim Tauchen

Vor ihrem Tauchgang hatte Katja (l.) Bedenken. Doch Tauchlehrerin Heidi Völkel beruhigte sie, und schon nach zwei oder drei Atemzügen war alles in Ordnung und jegliche Angst vergessen.
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  • Vor ihrem Tauchgang hatte Katja (l.) Bedenken. Doch Tauchlehrerin Heidi Völkel beruhigte sie, und schon nach zwei oder drei Atemzügen war alles in Ordnung und jegliche Angst vergessen.
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sos Deuz. „Tief einatmen, tief ausatmen.“ Was sich so einfach anhört, ist es nicht unbedingt. Wenn sich der Kopf beispielsweise unter Wasser befindet und die Atemluft über einen Schlauch aus der Flasche kommt. Deswegen erinnert Tauchlehrer Günter Bach Adrian mit ruhiger Stimme an das, was sonst ganz automatisch passiert. Mit Erfolg. Der 16-Jährige wird gelassener und lässt sich auf das Abenteuer ein. Mit ihm rund ein Dutzend andere Schüler der Förderschule Am Sonnenhang in Deuz, die an diesem Tag Alltags- gegen Badekleidung tauschen.
Verlassen auf andereIns Rollen gebracht hatte das Projekt Förderschullehrer André Siebel. Er ist selbst Mitglied beim Tauchclub Octopus Siegen und hat zwei Tauchlehrer eingeladen.

sos Deuz. „Tief einatmen, tief ausatmen.“ Was sich so einfach anhört, ist es nicht unbedingt. Wenn sich der Kopf beispielsweise unter Wasser befindet und die Atemluft über einen Schlauch aus der Flasche kommt. Deswegen erinnert Tauchlehrer Günter Bach Adrian mit ruhiger Stimme an das, was sonst ganz automatisch passiert. Mit Erfolg. Der 16-Jährige wird gelassener und lässt sich auf das Abenteuer ein. Mit ihm rund ein Dutzend andere Schüler der Förderschule Am Sonnenhang in Deuz, die an diesem Tag Alltags- gegen Badekleidung tauschen.

Verlassen auf andere

Ins Rollen gebracht hatte das Projekt Förderschullehrer André Siebel. Er ist selbst Mitglied beim Tauchclub Octopus Siegen und hat zwei Tauchlehrer eingeladen. Sein Grundgedanke war, es den Schülern zu ermöglichen, einmal im Wasser zu schweben und zu atmen. Vor allem für diejenigen, die unsicher oder unruhig sind, sei die Maßnahme ein großer Gewinn, weil sie dabei lernten, sich auf andere zu verlassen. „Tauchen ist ein Partnersport.“

Vertrauen ist Voraussetzung

Velino ist einer der ersten, der die Ausrüstung umgehängt bekommt. „Das war echt abgefahren“, bringt er seine Gefühle gleich nach dem Tauchgang auf den Punkt. Sofort würde der 14-Jährige das noch einmal wiederholen. Katja hingegen hat alles noch vor sich. Sie ist aufgeregt und nicht sicher, ob sie es schafft. Dann aber klappt alles reibungslos. „Erst hat sie gezittert“, so Tauchlehrerin Heidi Völkel, die jede Angst ernst nimmt. „Aber nach zwei bis drei Atemzügen hat es super geklappt, das ist ganz toll.“ Voraussetzung dafür ist Vertrauen. Das war zwischen Katja und Heidi Völkel sofort gegeben: „Man hat ja immer ein bisschen Angst, aber als ich untergegangen bin, war es wie mit einer Person, die ich kenne.“ Sie habe es sogar geschafft, die Ringe vom Beckengrund aufzuheben, sagt sie stolz. Wie sie sich unter Wasser gefühlt hat? „Als würde ich schlafen.“

Ein beruhigender Sport

Das sei das Schöne an diesem Sport, findet auch die Tauchlehrerin. „Man kommt runter, hört nur den eigenen Atem – das ist ganz beruhigend.“ Um das zu spüren, müsse man sich aber auf die Hilfsgeräte einlassen und das Kopfkino ausschalten. Das fällt Justin nicht ganz so leicht. „Ich hatte Angst, dass die Flasche leer ist.“ Heidi Völkel aber spricht ihm gut zu: Er solle sie anschauen, ganz ruhig bleiben und per Handzeichen – Daumen hoch – mitteilen, ob er lieber auftauchen möchte.

Tauchurlaub steht auf der Wunschliste

Adrian hat anfangs Probleme mit dem Mundstück, das immer wieder herausfällt. Doch plötzlich platzt der Knoten, und er schwebt durchs Wasser. „Das war super, 1A!“, ruft er und klatscht mit André Siebel ab, als er aus dem Wasser kommt. Mit dem Förderschullehrer möchte er jetzt am liebsten zum Tauchen nach Ägypten fliegen.

Niemand wird gezwungen

Die Zeit in Deuz ist auch für die beiden Tauchlehrer etwas Besonderes, wobei die jeweilige Behinderung der Schüler gar keine Rolle spiele, sondern vielmehr die Tatsache, dass sie sich vorher noch nie begegnet seien. „Wir kennen die Hintergründe nicht.“ Das merkt Günter Bach beispielsweise, als er mit Lukas im Becken unterwegs ist. Schnell wird klar, dass der Schüler sich nicht wohlfühlt; er zittert und traut sich nicht unterzutauchen. „Da muss man eigentlich mit Schwimmen und Schnorcheln anfangen“, sagt Bach, „sonst hat das keinen Zweck.“ Behutsam begleitet er seinen Schützling zum Beckenrand, wo Lukas sich mit der Zeit wieder entspannt.

Förderschwerpunkt geistige Entwicklung

Alle Schüler, die sich freiwillig für den Tauchkurs gemeldet haben, besuchen die obere Berufspraxisstufe, sind zwischen 14 und gut 20 Jahren alt. Sie haben den Förderschwerpunkt geistige Entwicklung, wobei sich die Art der Behinderung unterscheidet.

Selbstvertrauen gewinnen

Nach den rund zwei Stunden im Hallenbad zieht André Siebel ein positives Fazit: „Es war spitze, die Schüler hatten Spaß!“ Seine Hoffnung: „Wenn nach diesem Tag auch nur ein Schüler sein Freizeitverhalten ändert, wäre das ein gutes Ergebnis“; der Tauchclub sei dafür offen. Im besten Fall hätten die Teilnehmer gelernt, dass sie auch Situationen, die auf den ersten Blick schwierig erscheinen, meistern können. Daraus müsse sich nicht zwangsläufig die Mitgliedschaft in einem Tauchverein ergeben, aber vielleicht zumindest das Selbstvertrauen, neue Herausforderungen mutig anzugehen.

Autor:

Sonja Schweisfurth (Redakteurin) aus Siegen

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