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Facebook-Kommentare gelöscht
Stadt Netphen wird Zensur vorgeworfen

Einige Nutzer werfen der Stadt Netphen vor, Kommentare zu löschen. Das sei im "demokratischen Sinne überhaupt nicht nachvollziehbar", heißt es da beispielsweise.
  • Einige Nutzer werfen der Stadt Netphen vor, Kommentare zu löschen. Das sei im "demokratischen Sinne überhaupt nicht nachvollziehbar", heißt es da beispielsweise.
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sos Netphen. Löscht die Stadt Netphen unliebsame Kommentare auf ihrer Facebook-Seite? Das werfen ihr zumindest mehrere Nutzer vor, die glauben, dass auf diese Weise Politik und Wahlkampf betrieben werden.
Mehrere Nutzer hatten sich darüber beschwert, dass Kommentare bezüglich des Bürgermeister-Videos zum Thema Freibad-Schließung gelöscht wurden. Das Bad in Netphen öffnet in diesem Jahr bekanntlich nicht, weil die Corona-Auflagen nicht erfüllt werden können.
Zu hoher AufwandDie Beschwerden sind klar formuliert. Aber die „Redaktion StadtNetphen“ verweist auf den Arbeitsaufwand, aufgrund dessen sie keine Kommentare zulassen könne. Komisch an der Argumentation: tatsächlich sind noch etliche Antworten zu lesen.
Und die Vorwürfe der Nutzer gehen noch weiter. Ins Persönliche.

sos Netphen. Löscht die Stadt Netphen unliebsame Kommentare auf ihrer Facebook-Seite? Das werfen ihr zumindest mehrere Nutzer vor, die glauben, dass auf diese Weise Politik und Wahlkampf betrieben werden.
Mehrere Nutzer hatten sich darüber beschwert, dass Kommentare bezüglich des Bürgermeister-Videos zum Thema Freibad-Schließung gelöscht wurden. Das Bad in Netphen öffnet in diesem Jahr bekanntlich nicht, weil die Corona-Auflagen nicht erfüllt werden können.

Zu hoher Aufwand

Die Beschwerden sind klar formuliert. Aber die „Redaktion StadtNetphen“ verweist auf den Arbeitsaufwand, aufgrund dessen sie keine Kommentare zulassen könne. Komisch an der Argumentation: tatsächlich sind noch etliche Antworten zu lesen.
Und die Vorwürfe der Nutzer gehen noch weiter. Ins Persönliche. Genauer gesagt: gegen Bürgermeister Paul Wagener. „Ich dachte, dass auf dieser Facebook-Seite keine Kommentare zugelassen sind. Oder gilt das etwa nur für solche, die gewissen Personen nicht passen? Ein Schelm, wer Böses denkt – da wird doch nicht jemand eine offizielle Seite der Stadt Netphen zu Zwecken der Wahlwerbung missbrauchen?“, mutmaßt ein Nutzer unter einem Post von Mitte Mai. Wer genau die entsprechenden Posts löscht bzw. wer dies beauftragt, ist nicht nachvollziehbar.

Neuer Nutzer

Bis Mitte März war es noch die „Stadt Netphen“ in der Funktion als Autorin, die auf Kommentare geantwortet hatte. Am 21. Mai dann tritt ein Nutzer unter dem Namen „Redaktion StadtNetphen“ in Erscheinung und erklärt die Löschung von unliebsamen Kommentaren. Wer sich hinter dem neuen Profil verbirgt, bleibt offen: „Redaktion StadtNetphen“ hat bei Facebook keine Freunde, keine Fotos und auch sonst keinerlei Infos. Etwas unüblich für das Mitglied eines sozialen Netzwerks, bei dem es doch eigentlich darum geht, sich in der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Keine Kommentare erlaubt

Und das eigenartige Verständnis der Neuen Medien geht noch weiter. Zitat: „Bitte, haben Sie Verständnis dafür, dass wir auf dieser städtischen FB-Seite keine Kommentare zulassen.“ Es sei aus zeitlichen Gründen nicht möglich, die „teilweise unwahren und ehrenrührigen Äußerungen“ zu analysieren. „Deshalb schließen wir alle Kommentare aus.“ Alle? Davon kann beileibe keine Rede sein, denn nach wie vor gibt es noch jede Menge Posts zum Thema Freibad-Schließung.
Dass Kommentare unter dem Hauptpost der Stadt Netphen gelöscht werden, sei „im demokratischen Sinne überhaupt nicht nachvollziehbar“, echauffiert sich eine Nutzerin auf der privaten Facebook-Seite des Bürgermeisters. „Vor allem, wenn sie in keinster Weise unfreundlich, rassistisch oder in anderer Weise verletzend sind/waren. Mir gibt das zu denken!“ Paul Wagener bittet daraufhin um Verständnis: „Vergleichen Sie es mit Ihrem Haus. Dort lassen Sie auch nicht jeden rein!“

Nutzer: Facebook heißt Diskussion

Zudem spricht der Bürgermeister von „z. T. äußerst unflätigen Kommentaren gegenüber städtischen Mitarbeitern“, und er wiederholt die Aussage, dass alle Kommentare „notgedrungen“ ausgeschlossen würden. Diese Antwort geht einem Nutzer gegen den Strich, schließlich bestehe der Sinn von Facebook doch darin, frei zu diskutieren. Sei das nicht gewünscht, solle die Seite der Verwaltung eben komplett geschlossen werden.
Nach welchen Kriterien Kommentare auf der städtischen Seite gelöscht werden, bleibt unklar, denn einige negative Äußerungen sind weiterhin vorhanden. Paul Wagener – diesmal mit seinem persönlichen Profil – reagiert sogar darauf.

CDU setzt Thema auf Tagesordnung

Der Zensurvorwurf wiegt schwer, wird möglicherweise auch von Sympathisanten des politischen Gegners genutzt, um Stimmung gegen das Vorgehen der Stadt Netphen bzw. des Bürgermeisters zu machen. Konkret zu den Vorwürfen äußern will sich Paul Wagener im SZ-Gespräch nicht, „sonst nimmt die CDU mir das übel“, so der Bürgermeister.
Inzwischen haben die Netphener Christdemokraten das Thema nämlich per Anfrage auf die politische Tagesordnung der Keilerkommune gesetzt. Auf diese werde die Verwaltung in einer Vorlage antworten. Denn in der politischen Debatte sind die Gepflogenheiten klar geregelt, einen Beitrag kann man dort nicht einfach beiseite wischen. Das unterscheidet die Ratsarbeit eben von Facebook.

Autor:

Sonja Schweisfurth (Redakteurin) aus Siegen

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