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Hochwasser und Starkregen im Fokus
Sturzflut auch für Netphen ein Risiko

Beispiel Oelgershausen: Die Wohnbebauung im Tal reicht mitunter nah ran an den kleinen Breitenbach. In normalen Zeiten ist das problemlos, bei einem extremen Hochwasser aber ein nicht zu unterschätzendes Risiko.
  • Beispiel Oelgershausen: Die Wohnbebauung im Tal reicht mitunter nah ran an den kleinen Breitenbach. In normalen Zeiten ist das problemlos, bei einem extremen Hochwasser aber ein nicht zu unterschätzendes Risiko.
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js Netphen. Sind Hochwasser- und Starkregengefahren in Netphen ein unterschätztes Risiko? Für Wasserbauexperte Professor Dr. Jürgen Jensen war die titelgebende Frage seines Vortrags vor dem Netphener Stadtentwicklungsausschuss am Montagabend rasch beantwortet: auf jeden Fall. Über viele Jahre habe die Keilerkommune in dieser Hinsicht Glück gehabt, in Nachbarstädten habe es immer wieder folgenreiche Starkregenereignisse gegeben, erinnerte Jensen an die weggespülten Särge von Kaan-Marienborn und wiederholtes Landunter in Kreuztal. „Es ist extrem wichtig, die Gefahren auch für unsere Region aufzuzeigen.“ Oberste Prämisse müsse stets sein, dass es keine Toten durch Hochwasser und Starkregen gebe.

js Netphen. Sind Hochwasser- und Starkregengefahren in Netphen ein unterschätztes Risiko? Für Wasserbauexperte Professor Dr. Jürgen Jensen war die titelgebende Frage seines Vortrags vor dem Netphener Stadtentwicklungsausschuss am Montagabend rasch beantwortet: auf jeden Fall. Über viele Jahre habe die Keilerkommune in dieser Hinsicht Glück gehabt, in Nachbarstädten habe es immer wieder folgenreiche Starkregenereignisse gegeben, erinnerte Jensen an die weggespülten Särge von Kaan-Marienborn und wiederholtes Landunter in Kreuztal. „Es ist extrem wichtig, die Gefahren auch für unsere Region aufzuzeigen.“ Oberste Prämisse müsse stets sein, dass es keine Toten durch Hochwasser und Starkregen gebe. Dass bei der Flutkatastrophe im Juli rund 200 Menschen in Deutschland ums Leben gekommen seien, war aus Sicht des Professors vermeidbar. Sachschäden hingegen gehörten zu den Risiken, mit denen Betroffene und Gesellschaft umgehen müssten.

Es ist extrem wichtig, die Gefahren auch für unsere Region aufzuzeigen.
Prof. Dr. Jürgen Jensen
Experte für Wasserbau

Richtig konkret werden wollte Jensen in der Sondersitzung des Ausschusses nicht; zumindest nicht, was einzelne Bachläufe oder Grundstücke angeht – der mahnende Zeigefinger richtete sich an Jedermann. Insgesamt sieht er im Stadtgebiet aber durchaus Bereiche, die bei Hochwasser oder Starkregen gefährdet seien – etwa den Innenstadtbereich ums Rathaus. Diese beiden Ereignisse sind durchaus sehr unterschiedlich: Während ein Flusshochwasser durch lang andauernde, räumlich ausgedehnte und ergiebige Niederschläge oder eine Schneeschmelze entsteht, ist die Ursache von Starkregen und Sturzfluten in kurzen, lokal begrenzten und besonders ergiebigen Niederschlagsereignissen zu suchen. Letztere können überall auftreten und haben anders als ein Hochwasser nur eine kurze oder gar keine Vorwarnzeit. Dementsprechend gilt es, andere Maßnahmen zu ergreifen, um diesen Naturkatastrophen zu begegnen. Hochwasserschutz muss vor allem an den Gewässern geschaffen werden. Für den Schutz vor Starkregen-Folgen müssen die Entwässerungsstruktur und die städtebauliche Oberflächengestaltung adäquat ausgebaut werden. Wichtig sei es, die Leistungsfähigkeit der Gewässer und des Kanalnetzes zu erhalten, mahnte Professor Jensen. Im Ahrtal habe man leidvoll sehen müssen, dass sich das Wasser sonst neue Wege suche.

Hausbesitzer sind auch gefragt

Zurück zu Netphen. Zahlreiche kleinere bis mittlere Bäche gibt es auch hier, an Hochwasserrisikokarten – die von städtischer Seite aus noch verfeinert werden sollen –, lässt sich ablesen, dass Teile der Siedlungsbereiche schon bei Jahrhunderthochwassern in die Bredouille kommen, bei extremen Vorkommnissen wie im Ahrtal aber seien eine ganze Reihe von Ortslagen nicht vor problematischen Folgen gefeit. Jensen wirbt nicht nur dafür, dass die Stadt Netphen noch einmal genauer hinschaut, was den Hochwasserschutz angeht. Auch die Hausbesitzer selbst seien gefordert. Rückstauklappen einzubauen sei wichtig, aber auch eine konstruktive Erhöhung von Lichtschächten sei mitunter angebracht. Grundstücksbesitzer sollten Einsickerungsmöglichkeiten schaffen und Abläufe/Gullys reinigen.

Bachlauf muss leistungsfähig bleiben

Wie sieht der ideale Bachlauf aus? „Er muss leistungsfähig bleiben“, betont Jensen. Gewässerpflege sei angezeigt bei Bächen in urbaner Umgebung. Auch wenn dies teilweise anderen Gesetzgebungen widerspreche. Dass Wehre allerorten abgebaut worden seien im Rahmen der EU-Wasserrahmenrichtlinie (Stichworte: Renaturierung und Durchlässigkeit für Fische), ist seines Erachtens nicht immer fachkundig verlaufen. Vielmehr hätten Förderbedingungen und Ideologie Entscheidungshilfe geleistet. Eine zusätzliche Gefahr sieht Jensen in den von der Borkenkäferplage betroffenen Waldgebieten. Nach der Abholzung hätten die Harvester tiefe Rinnen gezogen, einige Hanglagen drohten, instabil zu werden. „Man muss vorbereitet sein für den Notfall“, plädiert der Wasserbauexperte – und richtet sich sowohl an die Kommune als auch an die Bürger. Ein vorbereitetes
Starkregenrisikomanagement sei ausgesprochen wichtig – und wird immer wichtiger: Dass Starkregenereignisse als Folge des Klimawandels zunehmen, ist aus seiner Sicht nämlich überhaupt keine Frage.

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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