Abriss steht vermutlich 2020 bevor
Traum vom Eis (fast) aufgegeben

Einstimmig sprach sich der Netphener Stadtentwicklungsausschuss für einen Abriss der Eishalle aus, falls bis Mitte 2020 keine passende Fördermöglichkeit aufgetan werden kann.
  • Einstimmig sprach sich der Netphener Stadtentwicklungsausschuss für einen Abriss der Eishalle aus, falls bis Mitte 2020 keine passende Fördermöglichkeit aufgetan werden kann.
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  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

sos Netphen. Immer wieder fielen am Montag Wörter wie „Traum“ als es um die Frage nach der Zukunft der Eishalle in Netphen ging. „Wenn jemand glaubt, für einen Neubau gebe es noch Geld, dann ist er wohl ein Träumer“, stellte Alexandra Wunderlich (CDU) gleich zu Beginn fest - und die restlichen Mitglieder des Stadtentwicklungsausschusses teilten ihren Eindruck. Erneut beschäftigte sich das Gremium damit, ob die Umsetzung einer Multifunktionshalle noch machbar ist oder ob ein Abriss der einzig vernünftige Schritt ist.

Drei Alternativen

Drei Alternativen hatte die Verwaltung erarbeitet. A: Sie beantragt einen Zuschuss über die Städtebauförderung in Höhe von 70 Prozent. B: Sie stellt einen Antrag für eine 90-prozentige Förderung, wobei noch nicht klar ist, ob ein solches Programm überhaupt aufgelegt wird. C: Die Eishalle wird abgerissen.
Es sei ein trauriger Abschluss, aber ein Abriss werde sich vermutlich nicht vermeiden lassen, sagte Wunderlich. Deswegen sollten die Kosten dafür im kommenden Jahr in den Haushalt eingestellt werden. Dezernent Rahrbach beschrieb den Zustand des Gebäudes jedenfalls mit klaren Worten: „Die Halle hat so keine Zukunft.“ Baurechtlich sei sie nicht zugelassen, ein komplett neues Dach und eine komplett neue Eisanlage seien unerlässlich. Er plädierte für eine Mischung aus den Alternativen B und C: Die Verwaltung sucht so lange nach einer Förderung in Höhe von 90 Prozent, bis die Abrissmaßnahme ausgeschrieben ist.

Verwaltung laut Wagener immer für Eissport

Manfred Heinz (SPD) wollte von Bürgermeister Paul Wagener wissen, ob er hinter der Verwaltungsvorlage stehe. „Ist das Ihre Meinung? Können wir uns darauf verlassen oder zielen sie auf die große Lösung, nämlich dass Netphen den Eissport behält?“ In den sozialen Medien erwecke der Bürgermeister nämlich den Eindruck, als wolle er „die Bevölkerung heiß machen“ und „Populismus betreiben“, indem er auf Beiträge verweise, die für die Eishalle sprächen. Dementsprechend herrsche in den Kommentaren der Tenor, dass im Rat nur „Idioten“ säßen.
Schweren Herzens habe die Verwaltung diesen Vorschlag unterbreitet, so Wagener. Dazu hätte es seiner Meinung nach gar nicht kommen müssen, denn im Herbst 2015 habe die Stadt die Chance auf eine Förderung in Millionenhöhe verpasst, weil der Ältestenrat sich gegen die Antragsstellung entschieden habe. Die Verwaltung hingegen habe sich stets für den Erhalt des Eissports eingesetzt. Dass das Thema die Leute interessiere, hätten die Reaktionen im Internet deutlich gezeigt. „Und die Wünsche der Bürger sollte man sich vor Augen führen“, fand er. Dann müsse der Bürgermeister aber auch sagen, wie diese Wünsche finanziert werden könnten, entgegnete Heinz.

Nothaushalt keine Lösung für Ältestenrat

Außerdem vergesse Wagener einen wichtigen Punkt, so Manfred Heinz, nämlich die Bedingungen für die mögliche Bezuschussung vor vier Jahren: „Wir sollten künstlich einen Nothaushalt konstruieren!“ Nach diesem Schritt hätten keine freiwilligen Leistungen mehr erbracht werden können.
Heute gehe es darum, den Bürgern klar zu machen, dass Netphen nicht alles kann. „Wir müssen Prioritäten setzen“, und die lägen derzeit bei Schulen, Hallen und Sportplätzen. Hier stünden große Investitionen an.
Laut Alfred Oehm (CDU) wurde die Eishalle ohnehin hauptsächlich von Auswärtigen genutzt. „Dafür den Nothaushalt beschließen und Maßnahmen für die Ortschaften nicht mehr ermöglichen? Mit einem gesunden Menschenverstand wäre das nicht zu erklären gewesen.“
Paul Legge (CDU) fragte sich, woher das Geld für das Wiederbeleben des Eissports kommen solle: „Spielt der Bürgermeister in der Lotterie mit oder ist er ein Träumer?“ Würde die Stadt das Eisstadion bauen, so baue sie es am Ende für den Kreis, der von dem Angebot profitiere. Er hoffe, dass eine Förderung nicht zustande komme, schließlich müsse man auch die Folgekosten einkalkulieren. „Wir sind auf dem Gebiet nicht mehr handlungsfähig.“

Förderung bleibt wahrscheinlich ein Traum

Es seien die vielen Nadelstiche, sprich: Anträge, gewesen, die zum Tod des Eissports in Netphen beigetragen hätte, klagte Helmut Buttler (UWG). Sie bekenne sie sich gerne dazu, immer wieder nachgehakt zu haben, sagte Helga Rock (Grüne). Denn nur so sei herausgekommen, dass SPS jahrelang keine Betriebsgenehmigung mehr hatte. „Der Rat hat die Notbremse gezogen.“ Eine Förderung sei etwas Wunderbares, aber niemand wisse, ob ein Programm mit einer so hohen Bezuschussung noch einmal aufgelegt werde. „Wenn nicht, ist es ein schöner Traum.“

Endgültige Entscheidung im kommenden Jahr

Nach langer Diskussion, die vor allem um Unstimmigkeiten aus der Vergangenheit kreiste, sprachen sich die Mitglieder des Stadtentwicklungsausschusses einstimmig dafür aus, zunächst weiterhin nach einer Förderung zu suchen, die 90 Prozent der Kosten trägt. Trotzdem sollen die Mittel für den Abriss der Eishalle in den kommenden Haushalt aufgenommen werden. Wurde bis 1. Juli 2020 keine passende Bezuschussung gefunden, kommt die Abrissbirne zum Einsatz. Der Rat entscheidet am 4. Juli über die Alternativen.

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