Tristesse streift Schmuckstück

Gelände neben dem Alten Bahnhof Deuz ist alles andere als ein Blickfang

ph Deuz. Manche Pfützen sind so tief, dass darin Fische gute Überlebenschancen hätten. Holzmasten lagern seit Jahr und Tag am Rand des unbefestigten Platzes. Gräser und Sträucher wuchern über den verwaisten Schienensträngen. Die Fläche zwischen Bahnhof und »Kreml« macht einen verwahrlosten Eindruck. Autofahrer haben sie als Parkmöglichkeit entdeckt. Das zum schmucken Bürgerhaus umgestaltete Stationsgebäude lässt das Gelände nebenan um so grauer erscheinen. Vom Blickfang zur Tristesse sind es nur ein paar Schritte über die Gleise. Und das an exponierter Stelle.

Eigentümerin des Platzes ist die Siegener Kreisbahn. Faktisch ist die Kleinbahnverbindung Weidenau-Deuz längst außer Betrieb. Das Entwidmungsverfahren läuft, ist aber noch nicht abgeschlossen. Erst wenn die Johannland-Strecke aus dem Regionalplan raus ist, kann die Entwidmung vollzogen werden. Im Frühjahr nächsten Jahres, schätzt Kreisbahn-Geschäftsführer Martin Lauffer, könnte es soweit sein. Vorher steht der angestrebte Verkauf des Areals nicht zur Debatte.

An einen Alleingang denkt das Unternehmen dabei nicht. »Es ist vollkommen klar«, so Lauffer, »dass die künftige Planung mit der Stadt Netphen abgestimmt wird.« Erste Kontakte hat es bereits gegeben, doch auch bei der Netpher Stadtverwaltung möchte man nicht über ungelegte Eier brüten. Bau-Fachbereichsleiter Erwin Rahrbach: »Explizite Pläne gibt es im Augenblick nicht.« So lange der Regionalplan nicht durch sei, ruhe das Entwidmungsverfahren, und so lange stehe das Gelände auch für Veränderungen nicht zur Verfügung. Was, wenn beim bevorstehenden Erörterungstermin bei der Bezirksregierung zumindest eine Trasse für etwaige spätere Schienenlegungen festgeschrieben würde? Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich. In diesem Fall, so Rahrbach, müsste über die Zukunft der Fläche erneut gänzlich neu nachgedacht werden. Dann lieber abwarten, bis Sicherheit herrscht, lautet offenkundig die Devise im Rathaus.

Druck machen möchte indes der Deuzer Ortsvorsteher Udo Siebel. Seit langem ärgert sich der Christdemokrat schwarz über den unansehnlichen Zustand des Areals. Aber: »Es passiert einfach nichts.« »Die Bahn«, dessen ist er sicher, »wird nicht mehr in Betrieb gehen.« Der Schienenstrang sei marode und in Netphen und Deuz teilweise schon unterbrochen. Mit Blick auf die bevorstehende Entwidmung sieht er keinen triftigen Grund mehr, zügig Gestaltungsideen zu entwickeln. Die gab es übrigens schon vor längerer Zeit einmal durch Studierende der Universität Siegen.

»In die Pötte« kommen möchte Siebel nicht zuletzt auch deshalb, weil er die letzte Möglichkeit sieht, das Bahngrundstück als Ortsmittelpunkt attraktiv herzurichten und damit auch »alte Bausünden« wie den »Kreml« auszugleichen. Vorstellen könnte sich der Ortsvorsteher einen Dorfplatz mit parkähnlichem Ambiente unter Einbeziehung der Umgebung vom Einkaufszentrum »Kälberhof« bis zum Naturerlebnisbad. Auch die örtliche Geschäftswelt müsste nach Einschätzung Siebels ein Interesse an einem ansehnlichen Umfeld haben. Er selbst könne es nicht verstehen, »dass man in Verwaltung und Politik von einer aufstrebenden Stadt und von Werbung für Tourismus spricht und dann solche Zustände seit vielen Jahren zulässt«. Schließlich verfüge Deuz über eine bemerkenswerte Infrastruktur mit Handel, Gewerbe, Industrie, Bildung, Gesundheitswesen, Vereinen, religiösen Angeboten und Freizeitmöglichkeiten. Da falle ein solcher Missstand um so mehr auf. Ein Dorn im Auge ist dem Ortsvorsteher und dem Förderverein Alter Bahnhof Deuz auch die Firmenzufahrt direkt am Bürgerhaus entlang. Zwischen der eher umstrittenen Skulptur des Altenkirchener Künstlers Erwin Wortelkamp und der Plastik »Oma mit Kind auf Bahnreise« des Salchendorfers Bernd Heinemann bahnen sich schwere Laster ihren Weg. Firmenvorstöße, auf eigene Kosten eine provisorische Zufahrt auf der gegenüberliegenden Seite – also weiter weg von der Begegnungsstätte, dafür über die Gleise – anzulegen, scheiterte am Veto der Kreisbahn GmbH. Stimmt, war aus deren Büros zu vernehmen. Eben weil die Kleinbahnstrecke noch nicht entwidmet sei, habe man so etwas nicht zulassen dürfen.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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