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Lange Tradition in der Eisenverarbeitung
Walzen Irle aus Deuz wird 200 Jahre alt

Das Kerngeschäft der Jubiläumsfirma ist das Gießen – heute wie vor 200 Jahren. Das Foto stammt aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Produktion von gusseisernen Öfen war damals schon eingestellt worden, man konzentrierte sich auf Walzen.
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  • Das Kerngeschäft der Jubiläumsfirma ist das Gießen – heute wie vor 200 Jahren. Das Foto stammt aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Produktion von gusseisernen Öfen war damals schon eingestellt worden, man konzentrierte sich auf Walzen.
  • Foto: Unternehmen
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

ihm Deuz. Wie oft die Vorsilbe „Ur-“ wohl vor das Wort „Enkel“ gesetzt werden müsste, um die verwandtschaftliche Beziehung von Petrico von Schweinichen zum Firmengründer Johannes Irle zu beschreiben? Der Geschäftsführer ist ratlos. Aber eines weiß er: Es sind sehr, sehr viele „Urs“. Denn sein Vorfahr wurde im Jahr 1666 getauft.
Die Familie Irle und ihre wirtschaftlichen Aktivitäten haben im Siegerland über Jahrhunderte ihre Spuren hinterlassen. Handel und Verarbeitung von Eisen bildeten die Basis der Unternehmungen.
In die Eisenverarbeitung stieg Johannes Irle, Enkel des gleichnamigen Stammvaters, zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein – gusseiserne Heizöfen wurden hergestellt, dazu Ambosse, Platten, Glühpfannen, Ständer und Räder. Die Produktion florierte, man verkaufte bis nach Schlesien.

ihm Deuz. Wie oft die Vorsilbe „Ur-“ wohl vor das Wort „Enkel“ gesetzt werden müsste, um die verwandtschaftliche Beziehung von Petrico von Schweinichen zum Firmengründer Johannes Irle zu beschreiben? Der Geschäftsführer ist ratlos. Aber eines weiß er: Es sind sehr, sehr viele „Urs“. Denn sein Vorfahr wurde im Jahr 1666 getauft.
Die Familie Irle und ihre wirtschaftlichen Aktivitäten haben im Siegerland über Jahrhunderte ihre Spuren hinterlassen. Handel und Verarbeitung von Eisen bildeten die Basis der Unternehmungen.
In die Eisenverarbeitung stieg Johannes Irle, Enkel des gleichnamigen Stammvaters, zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein – gusseiserne Heizöfen wurden hergestellt, dazu Ambosse, Platten, Glühpfannen, Ständer und Räder. Die Produktion florierte, man verkaufte bis nach Schlesien. Womöglich hat hier ein Vorfahr´ von Petrico von Schweinichen schon mit Irle-Gusswaren hantiert, denn die von Schweinichens, die später ins Unternehmen einheirateten, stammen aus Schlesien.

1820 der erste gelungene Walzenguss

Johannes Irle und sein Vater Hermann unternahmen unterdessen die ersten Gussversuche für Walzen. 1820 konnte man den ersten gelungenen Walzenguss melden. Damit war das Datum für das Jubiläum 2020 gesetzt: 200 Jahre Walzenguss bei Irle – damals in Marienborn, heute in Deuz.
Was heute in Werk I und Werk II in Deuz gefertigt wird, hat mit den groben Gusswalzen vor 200 Jahren nicht mehr viel gemein. Die beiden Geschäftsführer, Dr. Petrico von Schweinichen und Thomas Fink, sind stolz auf die Produkte, die mit Recht das Prädikat „hightech“ führen.

Die Unternehmensspitze bei Walzen Irle setzt auf doppelte Kompetenz: Dr. Petrico von Schweinichen (l.) entstammt der Gründerfamilie und ist sozusagen in die Chefrolle hineingewachsen. Thomas Fink ist seit wenigen Monaten als externer Geschäftsführer an Bord.
  • Die Unternehmensspitze bei Walzen Irle setzt auf doppelte Kompetenz: Dr. Petrico von Schweinichen (l.) entstammt der Gründerfamilie und ist sozusagen in die Chefrolle hineingewachsen. Thomas Fink ist seit wenigen Monaten als externer Geschäftsführer an Bord.
  • Foto: Unternehmen
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Walzen für die Stahlindustrie, aber auch für die Papier- und Verpackungsindustrie und andere Industriezweige, in denen gewalzt wird, kommen aus der Gießerei. In der Verarbeitungshalle erhalten sie nach Kundenwunsch den letzten Schliff.
„Wir fertigen hier keine Großserien, sondern eigentlich sind das alles Einzelstücke“, sagt Petrico von Schweinichen, auch wenn Walzen immer im Doppelpack hergestellt werden. Die tonnenschweren Gussteile sind Verschleißprodukte, aber eben keine Massenware. Für die Erstausstattung eines mittleren Walzwerks brauche der Kunde 300 bis 400 Walzen. Um die exakten Toleranzen für das Endprodukt zu garantieren, müssen die Walzen regelmäßig aufgearbeitet werden – auch das machen die Facharbeiter bei Walzen Irle. Und sie machen es offenbar sehr gut: Ein Komplettaustausch der Walzengarnituren steht nicht so häufig an, wie man sich das in Deuz aus geschäftlicher Sicht wünschen würde.

Walzen Irle mit schwierigen Zeiten in den vergangenen Jahren

Noch weniger verschleißanfällig sind die Walzen für die Papier- und die Kunststoffindustrie. Die Kunden aus diesem Bereich sind eine wichtige Säule für das Walzengeschäft geworden – auch wegen Corona. Schließlich hat die Verpackungsindustrie in den vergangenen Monaten gewaltigen Bedarf angemeldet.
Petrico von Schweinichen: „Wir sind keine Spezialisten, sondern sehr breit aufgestellt. Das ist einerseits ein Segen, weil wir in der Krise der Stahlindustrie weitere Standbeine hatten. Andererseits aber auch ein Fluch, weil wir mit jeder Menge Konkurrenz zu tun haben – das drückt die Preise.“
Schwierige Zeiten hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren erlebt. Nachdem man mehrere große Investitionen gestemmt hatte, drückte die Stahlkrise aufs Geschäft. Die Preise fielen, niemand wollte mehr in neue Walzwerke investieren. Gleichzeitig gingen die Kosten kontinuierlich nach oben. Petrico von Schweinichen, der just zu jener Zeit ins Unternehmen einstieg und die Nachfolge seines Vaters Jaxa von Schweinichen antrat, hatte sich den Start sicher angenehmer vorgestellt.

Gemeinsamkeiten Die Nachricht, dass die beiden Walzenhersteller Walzen Irle in Deuz und Gontermann-Peipers in Kaan-Marienborn kooperieren, machte im Sommer 2020 im Siegerland schnell die Runde. Die beiden Konkurrenten jetzt in einem Boot? Petrico von Schweinichen unterstreicht im Gespräch mit der SZ, dass beide Unternehmen keineswegs ihre Eigenständigkeit aufgeben oder gar gemeinsam ihre Produkte vertreiben. Vielmehr erstrecke sich die Vereinbarung auf drei Bereiche: die Ausbildung, den Einkauf und ein bestimmtes technisches Problem: „Es gibt ein Fehlerbild beim Walzenguss, mit dem beide Unternehmen zu kämpfen haben. An der Lösung des Problems wollen wir gemeinsam tüfteln.“ Dass Walzen-Irle und Gontermann-Peipers ansonsten aber weiterhin „ganz klar im Wettbewerb stehen“, daran lässt der Chef in Deuz keinerlei Zweifel.

2016 habe man mit den Banken zusammen einen Sanierungsplan eingeleitet, die Sanierung begann 2017. „Es gab nur einen vergleichsweise geringen Personalabbau im mittleren Management.“ Die Leute in der Produktion habe man gehalten – ohne erfahrene Fachkräfte könne man nicht arbeiten. Ein teilweiser Verzicht auf Urlaubsgeld sei der Beitrag der Belegschaft gewesen: „Alle haben treu zu uns gestanden.“ Das hat sich gelohnt: 2020 ist die Sanierung abgeschlossen worden, Walzen Irle ist wieder zum normalen Haustarifvertrag zurückgekehrt. Rund 300 Mitarbeiter zählt die Firma jetzt – etwa 30 mehr als vor der Krise.

Corona macht der Sause bei Walzen Irle einen Strich durch die Rechnung

Es wäre so schön gewesen: 200 Jahre Walzenguss und die erfolgreiche Restrukturierung wollte man in diesem September ganz groß feiern. Dann kam Corona. Aber die beiden Geschäftsführer legen Wert darauf, dass das Fest nicht ausfällt, sondern nur verschoben ist. Das zweite Wochenende im Juni 2021 ist jetzt schon fest im Kalender markiert. Dann soll das Jubiläum mit Mitarbeitern, Ehemaligen, Kunden und Geschäftspartnern gebührend (nach)gefeiert werden.
Wie sich die Eisenverarbeitung und die Walzengießerei bei Irle im Laufe der Jahrhunderte entwickelt hat, kann man in der sehr anschaulich aufbereiteten Chronik auf der Unternehmens-Homepage nachlesen: https://www.irle-group.com/geschichte/.

Autor:

Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin) aus Siegen

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