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Kirrungen im Wald
Wildschweine dürfen sich bedienen - Rehe nicht

An Kirrstellen dürfen sich Wildschweine gerne bedienen, für Schalenwild sind sie eigentlich nicht gedacht. Deswegen sollten die entsprechenden Bereiche mit Steinen oder Holzscheiben abgedeckt werden.
  • An Kirrstellen dürfen sich Wildschweine gerne bedienen, für Schalenwild sind sie eigentlich nicht gedacht. Deswegen sollten die entsprechenden Bereiche mit Steinen oder Holzscheiben abgedeckt werden.
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sos Irmgarteichen/Helgersdorf. „Das Wild gehört zum Wald wie jeder Baum“, das steht für Johannes Wolff außer Frage. Doch seiner Ansicht nach stünden sich hier zwei Interessen gegenüber: die der Jäger und die der Waldbesitzer. Dabei könnte man meinen, dass beide das gleiche Ziel verfolgen. Denn die Jagdpächter möchten Wild erlegen, was wiederum den Waldeigentümern nutzt, die dadurch mit weniger Wildschäden auskommen müssen. Doch laut dem Irmgarteichener ist das Gleichgewicht im Wald nicht gewahrt, zumindest nicht im Jagdbezirk Irmgarteichen-Helgersdorf.
Das richtige Maß finden„Ich dränge darauf, dass die Jäger mehr schießen, und zwar nicht nur für Trophäen“, sagt der Waldbesitzer.

sos Irmgarteichen/Helgersdorf. „Das Wild gehört zum Wald wie jeder Baum“, das steht für Johannes Wolff außer Frage. Doch seiner Ansicht nach stünden sich hier zwei Interessen gegenüber: die der Jäger und die der Waldbesitzer. Dabei könnte man meinen, dass beide das gleiche Ziel verfolgen. Denn die Jagdpächter möchten Wild erlegen, was wiederum den Waldeigentümern nutzt, die dadurch mit weniger Wildschäden auskommen müssen. Doch laut dem Irmgarteichener ist das Gleichgewicht im Wald nicht gewahrt, zumindest nicht im Jagdbezirk Irmgarteichen-Helgersdorf.

Das richtige Maß finden

„Ich dränge darauf, dass die Jäger mehr schießen, und zwar nicht nur für Trophäen“, sagt der Waldbesitzer. Es sei möglich, im Pachtvertrag bestimmte Vorgaben festzulegen, beispielsweise wie viel Wild erlegt werden soll. „Das ist hier aber nicht gemacht worden“, so der 66-Jährige.
Für Schwarz- und Rehwild gebe es keinen behördlichen Abschussplan, erklärt Henning Setzer von der unteren Jagdbehörde. Und im Pachtvertrag sei eine solche Verankerung gesetzlich auch nicht vorgeschrieben – wohl aber wünschenswert. Schließlich müsse im Jagdrevier immer abgewogen werden. „Man muss dafür sorgen, dass nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig Wild im Wald ist“, so Setzer: Zu viel sei schlecht für die Waldbesitzer, zu wenig für die Jäger. In Bezug auf die Kalamitäten im Wald sei es manchmal aber sicher sinnvoll, den Abschuss zu erhöhen.

Mais und Getreide nur für Schwarzwild

Ein weiterer Punkt, der den Irmgarteichener ärgert, sind Kirrungen für Schwarzwild, die unsachgemäß ausgebracht werden. Die Futterstellen dienen dazu, die Tiere anzulocken, um sie dann zu zu schießen – wobei „Futter“ nicht das richtige Wort ist, denn eine solche ist unzulässig. An etlichen Stellen im Wald habe Wolff solche Bereiche gefunden, und gleich drei Verstöße festgestellt. Laut der Verordnung zur Durchführung des Landesjagdgesetzes NRW ist die Kirrung von Schwarzwild unter anderem nämlich nur dann zulässig, wenn

  • nicht mehr als eine Stelle pro angefangene 100 Hektar bejagbarer Fläche angelegt wird,
  • die Menge nicht mehr als ein Liter beträgt
  • und die Kirrmittel, also Getreide oder Mais, mit bodenständigem Material (Holzscheiben oder Steine) so abgedeckt werden, dass anderes Schalenwild nicht daran kommt.

Daran wird sich laut Wolff häufig nicht gehalten, deswegen hat er sich an die untere Jagdbehörde gewandt. Ihm sei insbesondere der dritte Aspekt wichtig, denn ohne Abdeckung komme auch das Rotwild ohne Schwierigkeiten an den Mais heran und werde – übertrieben gesagt – „gemästet“, was den Bestand eher erhöhe als ihn senke.

Korrekt ausgebrachte Kirrungen sind wichtig

Zu dem laufenden Verfahren könne Henning Setzer keine Auskunft geben, so der Kreisdezernent. Nur so viel: Kirrungen seien wichtig, denn die große Wildschweindichte sei ein Problem, und in 95 Prozent der Fälle werde sich auch an die Vorschriften gehalten. Bei derartigen Hinweisen, die immer mal wieder an die untere Jagdbehörde herangetragen würden, werde ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet, in dessen Zuge der Jagdpächter die Möglichkeit bekomme, sich zu äußern. Letztenendes sei er es nämlich, der für den Zustand des Jagdbezirks zu haften habe – auch wenn er selbst nicht der „Zustandsstörer“ ist. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, wird ein Bußgeld verhängt, das sich aber im unteren Bereich der möglichen Summen bewege. „Wir prüfen das gewissenhaft“, betont Setzer.

Kirrstellen dürfen nicht betreten werden

An vielen Kirrstellen werden Kameras angebracht, damit die Jäger ihre Ansitzzeiten besser nach den Wildschweinen richten können. Johannes Wolff fürchtet, dass dadurch ein Verstoß im Datenschutzbereich begangen werde. „Wir prüfen das“, so Henning Setzer. Er glaube aber nicht, dass die Jäger damit gegen das Gesetz verstoßen. Denn genau wie bei Hochsitzen handle es sich bei Kirrungen um jagdliche Einrichtungen, deren Betreten nicht gestattet ist. „Wenn man sich daran hält, kann man auch nicht gefilmt werden.“
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Johannes Wolff weiß, dass er wegen seiner Genauigkeit gerne als Besserwisser bezeichnet wird. Aber als ehemaliger Banker sei er es nun mal gewohnt, Gesetzestexte zu lesen und zu interpretieren. Und vor dem Gesetz solle doch jeder gleich sein. Dem 66-Jährigen geht es unterm Strich um die Zukunft des Waldes. Wenn die Wilddichte nicht auf ein angemessenes Maß zurückgehe, sei eine Wiederbewaldung fast unmöglich, weil neue Triebe gleich abgefressen würden.
Wie viel Rehwild angemessen ist, das sei pauschal gar nicht zu beantworten, weil die Topografie in Siegen-Wittgenstein einfach so unterschiedlich sei, sagt Henning Setzer. Orientierung gebe eine Faustregel zum auf der Jagd erlegten Rehwild: Sieben bis zehn Tiere pro 100 Hektar Waldfläche und Jahr.
Ein Hardliner sei Wolff nicht, betont er. Seine Maxime laute ganz sicher nicht „Wald vor Wild“, sondern „Wald mit Wild“ – aber eben in Maßen.

Autor:

Sonja Schweisfurth (Redakteurin) aus Siegen

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