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Erwin Rahrbach verlässt die Stadtverwaltung Netphen
"Wir haben es immer gut gemeint"

Erwin Rahrbach war 48 Jahre lang bei der Stadt Netphen beschäftigt. Nun stehen neue Projekte an.

sos Netphen. „Ich bin hier geboren, und ich werde hier aufhören.“ Über zwei Drittel seines Lebens hat Erwin Rahrbach bei der Stadt Netphen gearbeitet und sich in diesem und jenem Fachbereich eingebracht. Am 21. Februar ist nach 48 Jahren Schluss, der letzte Arbeitstag des Dezernenten steht an.
Erste Station: SchulverwaltungsamtFrüher sei Verwaltung nicht gerade angesagt gewesen, sagt er rückblickend. Aber weil man als 15-Jähriger in den meisten Fällen noch nicht weiß, was man mit seinem Leben anfangen soll, hört man eben auf seine Eltern. „Ich bin da reingerutscht. Ich wurde genommen, dann war ich dabei“, erinnert er sich. Nach seiner Zeit an der Realschule und dem zweijährigen Verwaltungspraktikum war er schließlich Inspektoranwärter.

sos Netphen. „Ich bin hier geboren, und ich werde hier aufhören.“ Über zwei Drittel seines Lebens hat Erwin Rahrbach bei der Stadt Netphen gearbeitet und sich in diesem und jenem Fachbereich eingebracht. Am 21. Februar ist nach 48 Jahren Schluss, der letzte Arbeitstag des Dezernenten steht an.

Erste Station: Schulverwaltungsamt

Früher sei Verwaltung nicht gerade angesagt gewesen, sagt er rückblickend. Aber weil man als 15-Jähriger in den meisten Fällen noch nicht weiß, was man mit seinem Leben anfangen soll, hört man eben auf seine Eltern. „Ich bin da reingerutscht. Ich wurde genommen, dann war ich dabei“, erinnert er sich. Nach seiner Zeit an der Realschule und dem zweijährigen Verwaltungspraktikum war er schließlich Inspektoranwärter. Von 1967 an war das Schulverwaltungsamt sein Metier, bis er 1980 übers „Verwaltungskarussell“ im Ordnungsamt landete.

Spaß am Neuen

In diesem Zuge wurde er auch stellv. Standesbeamter; sicher 300 Paare habe er getraut, schätzt Rahrbach. „Beim ersten Mal war ich aufgeregter als das Paar selbst“, so der Netphener. Zwei 60-Jährige hätten vor ihm gestanden, „was sollte ich denen von der Liebe erzählen?“, lacht er. Die Nervosität habe sich jedoch schnell gelegt. Ohnehin sei er immer offen gewesen für neue Aufgaben, „das macht am meisten Spaß“, findet er.

"Alles wiederholt sich"

Zwölf Jahre war er im Ordnungsamt beschäftigt. In dieser Zeit musste Netphen lernen, Aussiedler sowie Flüchtlinge des Jugoslawienkrieges aufzunehmen. „Wir waren zuständig für die Unterbringung.“ Damals waren die Menschen in Verschlägen in Fabriken untergebracht worden. Das sei eine große Herausforderung gewesen. „Alles wiederholt sich“, sagt Rahrbach mit Blick auf die ähnliche Situation im Jahr 2015.

Homepage auf einer Diskette

1992 stand der nächste Wechsel an, und zwar zum Sozialamt, das er bald leitete. Hier gab es die ersten PCs im Rathaus. Gerne erinnert er sich an die erste Homepage der Stadt Netphen, an deren Erstellung er beteiligt war. „Das war ganz rudimentär. 1,63 Mb – das ging alles auf eine Diskette!“ Gerade in Sachen EDV habe sich die Verwaltung seit seiner Anfangszeit absolut verändert. „Ich kann mich noch erinnern, dass das Einwohnermeldeamt mit Karteikarten gearbeitet hat.“ Inzwischen sei das Rathaus zu einem Dienstleistungsbetrieb geworden.

Bauen genehmigen statt verhindern

Mitte der 90er-Jahre wurde er zum persönlichen Referenten von Gemeindedirektor Ulf Stötzel berufen, weil Werner Büdenbender sich nach Wilnsdorf verabschiedet hatte, wo er 2004 zum Bürgermeister gewählt wurde. Als Fachbereichsleiter der Bauverwaltung hatte Erwin Rahrbach nun ein gänzlich anderes Feld zu beackern, ab 2000 richtete er etwa die Bauaufsicht ein. Von Anfang an habe das gut funktioniert. „Wir versuchen immer, Bauen zu genehmigen und nicht zu unterbinden.“

Gutes Miteinander

Robert Ermert, Dr. Bernd Jartwig und Ulf Stötzel waren als Gemeindedirektoren seine Chefs; Rüdiger Bartsch und zuletzt Paul Wagener als hauptamtliche Bürgermeister. Während all der Jahre sei eines ganz besonders wichtig gewesen: die Zusammenarbeit mit den Kollegen. „Wir hatten immer ein gutes Klima“, betont Rahrbach. Zudem habe es eine positive Entwicklung gegeben: Das Dezernatsdenken sei nicht mehr so stark ausgeprägt, wodurch ein noch besseres Miteinander entstanden sei. „Das macht die Verwaltung mobiler.“

"Ton ist rauer geworden"

Das Verhältnis zwischen Rathausmitarbeitern und Politikern hingegen sei nicht immer harmonisch gewesen. In der Regel seien die Diskussionen zwar sachlich, und 95 Prozent der Beschlüsse würden einstimmig gefasst. „Aber wenn es politisch wird, haben Sie als Verwaltung keine Chance.“ Natürlich gebe es immer unterschiedliche Meinungen, „aber der Ton ist rauer geworden“. Allein weil die Position des Bürgermeisters heutzutage ein politisches Amt sei, hätten die Sitzungen eine andere Qualität als früher mit dem Gemeindedirektor, der „nur“ Verwaltungsvertreter war.
Egal welche Entscheidung am Ende getroffen wurde, sie sei immer auf den jeweiligen Zeitgeist zurückzuführen. Deswegen könne man im Nachhinein auch nicht sagen, dies oder jenes sei falsch gewesen. „Wir haben es immer gut gemeint und nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt.“

Abendtermine wird Erwin Rahrbach nicht vermissen

Am Donnerstag nahm Erwin Rahrbach das letzte mal als Dezernent an einer Ratssitzung teil. Sowohl der Bürgermeister als auch die Fraktionen dankten ihm für sein großes Engagement und sein Wissen, das er stets eingebracht habe. Und so gerne er die Arbeit auch gemacht habe: Solche Abendtermine werde er nicht vermissen, sagt Rahrbach; dabei sei viel Zeit mit der Familie verlorengegangen.

Rundumschlag am Einkaufszentrum

Projekte, an denen der 64-Jährige besonders viel Spaß hatte, waren der Aufbau des Radwegenetzes – Rahrbach sitzt auch selbst gern im Sattel – oder der Bau des Einkaufszentrums. Letzteres sei definitiv in die Jahre gekommen, gibt er zu. Deswegen starten im kommenden Jahr Planungen für eine Erneuerung. 2023, wenn der Mietvertrag der Post ausläuft und die Fläche zur Verfügung steht, lohne sich ein Rundumschlag. Dann sei auch Platz für einen großen Discounter. „Diese Aufgabe liegt vor uns“, sagt er und stellt im gleichen Atemzug fest, dass er sich darum nicht mehr kümmern wird. „Die Denke ist noch da“, muss er schmunzeln. Aber als „lebens-, dienst- und gesichtsältester Mitarbeiter“ – seine Worte – lässt sich das wohl nicht vermeiden.

Erst das Alte begraben

Neben der Entwicklung des Einkaufszentrums hätte er auch gerne die Zukunft des Freizeitparks weiterhin begleitet. Was mit der Eishalle passiert, ob sie saniert oder abgerissen wird und dafür Wohnmobilstellplätze entstehen, ist noch immer nicht klar. „Aber erst wenn das Alte begraben ist, sollte man ans Neue denken“, unterstreicht der Netphener.

Bauen bleibt sein Metier

Wenn er seine Aktenordner schließt, wird Rainer Schild, sein bisheriger Stellvertreter und Fachbereichsleiter Tiefbau, seine Aufgaben als Baudezernent zunächst übernehmen. Erwin Rahrbach wird sich zwar weiterhin um Bauangelegenheiten kümmern, aber im Privaten. „Ich wechsel jetzt auf die Handwerkerschiene“, kündigt er an. Zwei linke Hände habe er nicht, der Herausforderung des Hausumbaus stellt er sich deswegen gerne. Das Schlimmste, das passieren könne, sei doch, dass es schiefgehe. „Na und?“

Autor:

Sonja Schweisfurth (Redakteurin) aus Siegen

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